Die Landarzt-Anwerbung im Sauerland zeigt, wie innovative Förderprogramme den Ärztemangel im ländlichen Raum bekämpfen können. Mit prominenter Unterstützung von Bundeskanzler Friedrich Merz startete die Internistin Caroline Homann ihre Praxis im Medizinischen Versorgungszentrum Brilon. Das Projekt „Land in Sicht – Ärzte für morgen” setzt neue Maßstäbe in der Landarztvermittlung und bietet jungen Medizinern attraktive Perspektiven.
Wie funktioniert die Landarzt-Anwerbung im Hochsauerlandkreis?
Caroline Homanns neuer Arbeitsplatz befindet sich im Medizinischen Versorgungszentrum Brilon. Neben Bundeskanzler Merz nahm auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. Dirk Spelmeyer, an der Begrüßung im Sauerland teil. Mit dem Projekt „Land in Sicht – Ärzte für morgen” wollen der Hochsauerlandkreis und die KVWL die allgemeinärztliche und kinderärztliche Versorgung im ländlichen Raum nachhaltig sichern und Ärztinnen und Ärzte für eine Tätigkeit im Sauerland begeistern.
Bestandteile des Förderprogramms für Landärzte
Das Förderprogramm zur Landarzt-Anwerbung bietet umfassende Unterstützung:
- Finanzielle Förderung für 6 bis 9 Monate
- Unterstützung bei der Wohnraumbeschaffung oder logistischen Fragen
- Individuelle Beratungs- und Mentoringangebote
- Enge Begleitung durch KVWL und regionale Netzwerke
Der Weg einer jungen Ärztin ins Sauerland
Carolin Homann und ihr Mann fassten 2017 den Entschluss, in seine Heimat Sauerland zurückzukehren. Für ihn ergab sich eine gute Gelegenheit, sich in Brilon als Rechtsanwalt selbstständig zu machen, und sie konnte problemlos im Briloner Krankenhaus ihre Facharztausbildung fortsetzen.
Persönliche Erfolgsfaktoren der Landarztvermittlung
Nach der Geburt ihrer beiden Söhne in den Jahren 2020 und 2022 und dem Einzug ins eigene Haus war der Entschluss klar. Das Sauerland ist ihre Heimat geworden.
Wichtige Meilensteine:
- 2017: Rückkehr ins Sauerland
- 2020 und 2022: Geburt der beiden Söhne
- 2026: Erfolgreicher Abschluss der Facharztprüfung
- Teilnahme am Förderprogramm zur Landarzt-Anwerbung
„Dieses Jahr habe ich meine Facharztprüfung erfolgreich abgeschlossen und bin froh, Teil des Förderprogramms zu sein”, bekennt die Internistin.
Warum unterstützt Bundeskanzler Merz die Landarzt-Anwerbung?
Bundeskanzler Merz hatte gerne die Schirmherrschaft für dieses lobenswerte Projekt übernommen. Er betont die Bedeutung der Medizinischen Versorgungszentren, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, in Teams zu geregelten Zeiten zu arbeiten und so Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren.
Vorteile von Medizinischen Versorgungszentren
- Teamarbeit statt Einzelkämpfertum
- Geregelte Arbeitszeiten für bessere Work-Life-Balance
- Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Langfristige Perspektive für die regionale Versorgung
Erfolgreiche Praxisübergabe in Niederbayern – Pilotprojekt der KVB
Auch in Bayern zeigt die Landarztvermittlung Erfolge. Erstmals konnte eine hausärztliche Praxis, die bislang von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) betrieben wurde, an die dort angestellte Ärztin übergeben werden. Damit hat die hausärztliche Versorgung in Ering im Landkreis Rottal-Inn und Umgebung wieder eine langfristige Perspektive.
Das KVB-Modell zur Landarzt-Anwerbung
Die offizielle Übergabe an Dr. Barbara Lageder fand im Rahmen einer Feierstunde mit der KVB, der Gemeinde Ering sowie der örtlichen Kirche statt. Mit der Praxisübergabe in Ering ist erstmals eine KVB-Eigeneinrichtung erfolgreich von einer niedergelassenen Ärztin übernommen worden. Das Projekt hat laut KVB bayernweit Pilotcharakter.
Zentrale Aussage von Dr. Christian Pfeiffer, KVB-Vorstandsvorsitzender:
„Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist und bleibt die Gewinnung des ärztlichen Nachwuchses zum Aufbau einer eigenen oder zur Übernahme einer bestehenden Praxis. Das entwickelt sich in Zeiten zunehmenden Ärztemangels und neuen Arbeitszeitmodellen immer mehr zu einer riesigen Herausforderung für alle Beteiligten. In diesem Sinne ist die Übergabe der Praxis in Ering ein echter Erfolg und ein Beispiel dafür, dass nur gemeinsames Engagement und Durchhaltevermögen regionale Versorgungslücken tatsächlich schließen können.”
Voraussetzungen für KVB-Eigeneinrichtungen
Die Gründung von KVB-Eigeneinrichtungen zur Landarzt-Anwerbung unterliegt klaren Kriterien:
- Feststellung einer Unterversorgung durch den Landesausschuss Ärzte und Krankenkassen
- Versorgungsgrad unter 75 % im hausärztlichen Bereich
- Befristete Anstellung der Ärztin oder des Arztes
- Klares Ziel der Praxisübernahme nach rund zwei Jahren
Das Modell ist von Beginn an befristet angelegt und verfolgt das klare Ziel der Praxisübernahme – in der Regel nach rund zwei Jahren.
Fazit: Landarzt-Anwerbung als Erfolgsmodell
Die Beispiele aus dem Sauerland und Niederbayern zeigen, dass gezielte Förderprogramme und innovative Modelle zur Landarztvermittlung funktionieren. Durch finanzielle Unterstützung, persönliche Betreuung und flexible Arbeitsmodelle in Medizinischen Versorgungszentren gelingt es, junge Ärztinnen und Ärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen und die medizinische Versorgung langfristig zu sichern.



