9,1% – so hoch ist die lebenslange Inzidenzrate von Nierensteinerkrankungen, das bedeutet: rund 9 von 100 Personen entwickeln im Laufe ihres Lebens mindestens einmal einen Nierenstein. Mehr als 70% aller Steine bestehen aus Calciumoxalat (CaOx), 5-10% sind Harnsäuresteine, 10% Struvitsteine. Bislang ging man davon aus, dass Bakterien – außer bei Struvitsteinen, die klar mit Infektionen assoziiert sind – bei der Entstehung keine Rolle spielen. US-Forscher belegen jetzt mit ihrer Arbeit das Gegenteil. Sie zeigen, dass Nierensteine deutlich häufiger und dichter mit Bakterien besiedelt sind als bisher angenommen. Dazu analysierten sie Steine verschiedener Zusammensetzung mit modernen bildgebenden und molekularbiologischen Verfahren. Dabei fanden sie in nahezu allen Proben nicht nur oberflächliche Kontaminationen, sondern komplexe bakterielle Gemeinschaften, die tief in die Steinmatrix eingebettet waren. Besonders überraschend war, dass selbst Steine, die traditionell als „nicht-infektiös“ gelten, wie Calciumoxalatsteine, mikrobielle Signaturen und intakte Bakterienstrukturen aufwiesen. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass Bakterien nicht nur passiv im Stein eingeschlossen werden, sondern aktiv an der Steinbildung beteiligt sein könnten, etwa durch Biofilmbildung oder die Veränderung lokaler chemischer Milieus.
Quelle: W.C. Schmidt WC et al. PNAS 2026; 123 (5): e2517066123, https://doi.org/10.1073/pnas.2517066123



