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MEDI BW: Showdown – Hausärzten droht Rausschmiss im Ländle

Dr. W. Meißner und Ronny Schönebaum stehen im Mittelpunkt eines Konflikts. Links ein Mann im Anzug, rechts ein Mann in einem Arztkittel. © Ronny Schönebaum (li.); Privat (re.)

MEDI BW: Showdown – Hausärzten droht Rausschmiss im Ländle

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mgo medizin Redaktion

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6 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Das ist harter Tobak. „Schwere Schädigung des Ansehens und der Belange des Vereins“, „grobe Verstöße gegen die Solidarität innerhalb des Vereins“ sowie „unehrenhaftes Verhalten“ – das alles wirft MEDI Baden-Württemberg e.V. den beiden Allgemeinärzten Prof. Wolfgang von Meißner und Dr. Paul Blickle vor. Deshalb sollen die Delegierten sie aus dem Verein ausschließen. Beide Hausärzte weisen die Vorwürfe zurück und fechten die Ausschlüsse an.

In der Presse wurde der MEDI-Streit als „Schlammschlacht“ tituliert, und in der Tat scheint das Tischtuch zwischen von Meißner und Blickle sowie MEDI zerschnitten. Prof. Wolfgang von Meißner gehört zur Hausarzt-Prominenz im Süden der Republik. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Gesellschafter der Hausärzte am Spritzenhaus in Baiersbronn, außerdem in Teilzeit Professor für Physician Assistance, Schwerpunkt Allgemeinmedizin, an der CBS University of Applied Sciences in Köln. Als kooptiertes Vorstandsmitglied für Digitalisierung im Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg machte er sich durch die Prägung des HÄPPI-Teamkonzepts einen Namen. Sein Bruder Dr. Paul Blickle ist GbR-Sprecher von Medi Freudenstadt. Beide sind Mitglieder des MEDI-Vereins in Baden-Württemberg und eng miteinander verbunden.

Kampf zweier Kulturen bei MEDI Baden-Württemberg e.V.

Kampf zweier Kulturen bei MEDI Baden-Württemberg e.V.

Auf der Gegenseite steht Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e.V.. Im Juli 2023 wurde der Kardiologe als Nachfolger des Allgemeinarztes Dr. Werner Baumgärtner gewählt, der MEDI gegründet und 24 Jahre lang geführt hatte. Smetak brach mit der Vereinskultur von MEDI unter Baumgärtner und legte einen neuen Kurs ein. So ist der Vereins-Zwist bei MEDI auch ein Kampf zweier Vereinskulturen.

Jetzt wird es kompliziert, denn der MEDI-Zwist ist nur vor dem Hintergrund der verzweigten Unternehmensstruktur zu verstehen. Zunächst gibt es die Wirtschaftsgesellschaft Mediverbund AG, zu deren Aktionären auch Dr. Werner Baumgärtner zählt. Für die MEDI-Struktur der Medizinischen Versorgungszentren wurde die MEDI-MVZ-GmbH gegründet. Zu den Gesellschaftern gehörte auch Prof. Wolfgang von Meißner. In der ärztlichen Standespresse war zu lesen, er habe seine Anteile an der MEDI-MVZ GmbH abgegeben. Der MEDI-Verbund hat gemeinsam mit zeroPraxen zu je 50 % Anteilen eine psychosomatische Tagesklinik in Bad Säckingen gekauft, um seine Strategie für Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu intensivieren. Für Management-Fragen der MEDI-MVZ-Struktur wie IT, Abrechnung und Betriebsführung gab es die „Ärzte vor Ort-MEDI-MVZ GmbH“, eine ortsübergreifende Dienstleistungsgesellschaft für MVZ und Groß-Praxen in Baden-Württemberg. Prof. von Meißner hält Anteile an der Gesellschaft.

Wolfgang Fink war Geschäftsführer der Medi-Dienstleistungsgesellschaft und wurde nach Presseberichten am 1. April 2025 fristlos gekündigt. Die Entlassung Finks ist Gegenstand eines laufenden Gerichtsverfahrens. Angeblich seien keine Gründe für die Kündigung genannt worden, erfuhr der „Allgemeinarzt“. Den Vorwurf der unbegründeten Entlassung hat MEDI Baden Württemberg e.V. zurückgewiesen. Auf Anfrage des „Allgemeinarzt“ schrieb MEDI: „Die genauen Hintergründe der Entlassung von Herrn Fink als Geschäftsführer der Ärzte vor Ort – MEDI-MVZ GmbH sind nicht nur Gegenstand zivilrechtlicher Auseinandersetzungen, sondern sind mittlerweile auch Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Der Vorwurf lautet auf Untreue zulasten der Gesellschaft.“ Fink selbst hat alle MEDI-Vorwürfe zurückgewiesen und bestreitet sie energisch.

Nach der Entlassung Finks wurde der Dienstleistungsvertrag noch einige Zeit fortgesetzt, dann aber beendet. Auch aus der beendeten Zusammenarbeit sind wieder Probleme und Vorwürfe erwachsen, die das Verhältnis zwischen von Meißner und Blickle einerseits und dem MEDI-Verbund andererseits stark belastet haben. Nach Informationen des „Allgemeinarzt“ soll Blickle den Zusammenhang zwischen ihm selbst und dem angestrebten Vereinsausschluss nicht akzeptiert haben. Auch von Meißner soll nach Information des „Allgemeinarzt“ sein Unverständnis über die Zusammenhänge zwischen seiner Person, den Vorgängen rund um die Dienstleistungsgesellschaft sowie dem MEDI-Verein geäußert haben. Beide bestreiten die Rechtmäßigkeit eines Ausschlusses aus dem Verein.

Der MEDI Baden Württemberg e.V. hat zum Vereinsausschuss gegenüber dem „Allgemeinarzt“ Stellung genommen: „Zunächst ist klarzustellen, dass der Ausschluss der betroffenen Mitglieder beim MEDI Baden-Württemberg e. V. durchgeführt werden wird. Das hierfür zuständige Organ ist die Delegiertenversammlung nach § 4 Ziffer 4. der Satzung des Vereins. Der Ausschluss wird auf die folgenden Gründe gestützt: Schwere Schädigung des Ansehens und der Belange des Vereins, grobe Verstöße gegen die Solidarität innerhalb des Vereins sowie unehrenhaftes Verhalten. Die genauen Hintergründe sind zum Teil noch Gegenstand zivil- und strafrechtlicher Ermittlungen, die sich zum Teil auch gegen eines der betroffenen Mitglieder richtet.“

Eigentlich war der Showdown für die Sitzung der Delegiertenversammlung des MEDI Baden-Württemberg e. V. am 12. November terminiert, fand aber dann nicht statt. MEDI e.V. hat sich auch zu dieser Vertagung geäußert: „In der Sitzung der Delegiertenversammlung des MEDI Baden-Württemberg e. V. vom 12.11.2025 sollte ursprünglich der Ausschluss der betroffenen Mitglieder diskutiert und ein Beschluss hierüber gefasst werden. Jedoch stellten sich dann Verfahrensfragen formaler Natur, sodass sich der Vorstand des Vereins dazu entschieden hat, den Tagesordnungspunkt zunächst von der Agenda zu nehmen. Allerdings wurde das Ausschlussverfahren mittlerweile, mit den inhaltsgleichen Erwägungen, erneut angestoßen und wird im Rahmen eines Umlaufverfahrens durch die Delegiertenversammlung diskutiert und beschlossen.“

Wie der „Allgemeinarzt“ erfuhr, sollen Wolfgang von Meißner und Paul Blickle keine Möglichkeit der Stellungnahme zu den Ausschlussgründen erhalten haben. Diese Darstellung weist MEDI ­Baden-Württemberg e.V. zurück: „Dies ist eine falsche Darstellung der Tatsachen. Beiden Betroffenen wurde im Rahmen eines Schreibens die Aufforderung zugestellt, dass sie Stellung zu den vorgebrachten Sachverhalten nehmen. Dies wurde durch beide Personen mit der Begründung abgelehnt, dass ihnen die angelasteten Sachverhalte nicht vorgetragen wurden. Auch dies ist unzutreffend, da im besagten Schreiben alle Sachverhalte eingebracht wurden.“

Neben den wirtschaftlichen und finanziellen Dimensionen geht es in dem Konflikt um den Kampf zweier Lager im MEDI-Verbund. Der Baumgärtner-Ansatz war das Modell der Hybrid-Ärzte, die gleichzeitig Gesellschafter und Angestellte sind. Dieser Hybrid-Arzt – Gesellschafter und Arzt – realisierte das Beste aus zwei Welten. In seiner Amtszeit hat Werner Baumgärtner durchgesetzt, dass angestellte Ärzte zu jedem Zeitpunkt Anteile in ihrem MVZ erwerben können. Nach Informationen des „Allgemeinarzt“ soll Baumgärtner auch im Vereinsleben Teamwork, Gemeinsinn und demokratische Werte gestärkt haben. Das sei danach angeblich anders geworden.

Auch dieser Darstellung hat der MEDI Baden-Württemberg e.V. auf Anfrage des „Allgemeinarzt“ widersprochen: „Das Gegenteil ist der Fall. Nach dem Wechsel im Vereinsvorstand wurde vielmehr ein Kulturwandel eingeläutet, es wurde sich von patriarchalischen Strukturen abgewendet – stattdessen wurden offene und transparente Teamstrukturen etabliert. Selbstverständlich stellt dies einen Bruch dar, der von einigen wenigen Beteiligten, die in der Vergangenheit in einem erheblichen Umfang von den alten Strukturen profitiert hatten, nicht nachvollzogen und mitgegangen werden möchte.“ Nach Informationen von „Der Allgemeinarzt“ sieht sich von Meißner eher der Baumgärtner-Kultur der Solidarität und des Gemeinsinns verpflichtet.

Was bleibt, ist ein interner Kampf innerhalb der MEDI-Strukturen, in dem es um Macht, Geld und starke Emotionen geht. Es bleibt zu hoffen, dass der seit Jahrzehnten für ärztliche Solidarität und Stärke stehende MEDI-Verbund keinen Schaden nimmt. Gerade in diesen Zeiten wird er gebraucht – nötiger denn je.

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