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Allergenspezifische Immuntherapie selten genutzt

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Allergenspezifische Immuntherapie selten genutzt

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mgo medizin Redaktion

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Berlin – Eine Unterversorgung bei der Immuntherapie von Insektengiftallergien bemängeln die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immu­nologie (DGAKI).

Zwar lassen sich mehr als 90 Prozent der durch Insektengift verursachten Anaphylaxien durch Immuntherapie verhindern – aber nur rund 10 Prozent der Betroffenen erhielten eine solche Therapie (Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2023; DOI: 10.1111/ddg.15123).

„Tagesaktuelle Zahlen hierzu gibt es nicht. Die Versorgung schwer allergisch Erkrankter in Deutschland wie Menschen mit Insektengiftallergien, bei denen eine Allergen-spezifische Immuntherapie lebensrettend wir­ken kann, hat sich aber seitdem grundsätzlich nicht verbessert“, schätzt Thomas Werfel, Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

Es bleibe zu vermuten, dass bei anderen allergischen Erkrankungen wie etwa schwerer Rhinokonjunktivitis allergica oder Asthma bronchiale die Bedingungen ähnlich seien, vermutet Werfel, 2. Vizepräsident der DGAKI.

Schon im Jahr 2013 bescheinigte eine Studie die schlechte Versorgungslage: Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die eine spezifische Immuntherapie erhalten würden, sei unverhältnismäßig niedrig (Allergo Journal 2013).

Besteht eine Insektengiftallergie, kann ein einziger Stich schwere, systemische Reaktionen hervorrufen, darunter Atemprobleme, Kreislaufbeschwerden bis hin zum allergischen Schock mit Todesfolge.

Die Zahl der hierzulande erfassten Todesfälle liegt zwischen 20 und 40 pro Jahr. Fachleute vermuten laut der DDG, dass die Zahl aufgrund vieler nicht erkannter Fälle deutlich höher liegt. Daten des deutschen und euro­päischen Anaphylaxieregisters zeigten zudem, dass die Insektengiftallergie im Erwachsenenalter die bei wei­tem häufigste Ursache für schwere allergische Reaktionen sind.

„Aus epidemiologischen Studien wissen wir, dass bis zu 3,5 Prozent der Menschen in der Allgemeinbevölke­rung eine echte Bienen- oder Wespengiftallergie haben. Diese bedürfen einer besonderen medizinischen Zu­wendung“, sagte Thilo Jakob, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Gießen und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Insektengiftallergie der DGAKI.

Wirksamkeit von Hymenopterengift gut belegt

Bei der Allergen-spezifischen Immuntherapie wird das Insektengift über einen längeren Zeitraum in zuneh­men­den Mengen in die Haut gespritzt. Das Immunsystem wird so an das Allergen gewöhnt und Patientinnen und Patienten vor einer erneuten schweren allergischen Reaktion geschützt.

Die Wirksamkeit wurde unter anderem im Jahr 2020 durch eine retrospektive Analyse von 1.258 Personen mit Wespen- oder Bienengiftallergie bestätigt (International Archives of Allergy and Immunology 2020, DOI: 10.1159/000503965), die mit 100 bis 200 Mikrogramm eines sogenannten Hymenopterengiftes behandelt wurden, wobei mehr als 95 Prozent eine Toleranz gegenüber dem Stich erreichten.

Neben der hohen klinischen Wirksamkeit führt die Immuntherapie auch zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität, wie eine Frankfurter Arbeitsgruppe im World Allergy Organ berichtete (2021, DOI: 10.1016/j.waojou.2021.100536).

Immuntherapie bei erhöhtem Risiko auch schon bei Grad-I-Anaphylaxie

Die Immuntherapie bei Insektengiftallergie wird gemäß der aktuellen deutschen Leitlinie ab einer Anaphy­lax­ie Grad II empfohlen. Auch bei Erwachsenen mit einer Grad-I-Anaphylaxie kann die Immuntherapie laut der DDG durchgeführt werden, wenn sie beispielsweise beruflich einem hohen Risiko für erneute Stiche ausgesetzt sind oder wenn eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität vorliegt. 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

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