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Frauen im Fokus: Geschlecht und Lebensphasen

Nahaufnahme einer Hand, die eine Lupe hält, um ein Objekt zu untersuchen.

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Frauen im Fokus: Geschlecht und Lebensphasen

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Psoriasis, Versorgung, Forschung und Leitlinien

mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: DermaForum

In Bezug auf Psoriasis gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die essenziell für die erfolgreiche Therapie sind: Frauen sprächen bspw. tendenziell besser auf systemische Therapien an als Männer. Allerdings erhielten sie seltener systemische Behandlungen.

Psoriasis betrifft weltweit zwischen 60 und 125 Millionen Menschen, wobei die Prävalenz zwischen Männern und Frauen etwa gleich ist. Es gibt jedoch Unterschiede im durchschnittlichen Alter bei der Diagnose, welches bei Frauen mit etwa 25 Jahren etwas niedriger ist als bei Männern mit durchschnittlich 30 Jahren.

Bei der Betrachtung der Psoriasis ist es laut Prof. Dr. Julia-Tatjana Maul, Zürich, wichtig, zwischen biologischen Geschlechtsunterschieden (Sex) und soziokulturellen/psychologischen Geschlechtsunterschieden (Gender) zu differenzieren, da diese Begriffe in Publikationen oft verwechselt werden. Es ist bekannt, dass sowohl das Geschlecht als auch das Alter die Funktionen des Immunsystems prägen, wobei es Unterschiede in der angeborenen und adaptiven Immunität gibt. Auch der Ernährungszustand, das Mikrobiom sowie die im Laufe des Lebens schwankenden Östrogen- und Progesteronspiegel können die Schwere entzündlicher Hauterkrankungen beeinflussen.

Unterschiede durch Geschlecht und Gender

In Bezug auf Psoriasis gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern laut Prof. Maul:

  • Lebensqualität und psychische Gesundheit: Frauen weisen im Allgemeinen eine stärkere Beeinträchtigung der Lebensqualität (DLQI) und eine höhere Tendenz zu Depressionen auf.
  • Therapieansprechen und -zugang: Frauen sprechen tendenziell besser auf systemische Therapien an als Männer. Allerdings erhalten sie seltener systemische Behandlungen, da Ärzte aufgrund möglicher Schwangerschaften zögern, Biologika oder bestimmte nicht-konventionelle Therapien zu verschreiben.
  • Komorbiditäten: Kardiometabolische Symptome und Autoimmunerkrankungen werden bei Frauen häufiger beobachtet.
  • Patientenbedürfnisse: Frauen haben generell vielfältigere Bedürfnisse als Männer, insbesondere im Hinblick auf die Verringerung von Depressionen und die Verbesserung des Schlafes. Für Männer steht häufiger der Wunsch nach einem normalen Sexualleben im Vordergrund.
  • Nebenwirkungen: Frauen haben ein überproportional höheres Risiko für Nebenwirkungen und Arzneimitteltoxizität als Männer. Dies könnte daran liegen, dass die Dosierung der meisten Biologika fixiert ist und nicht das unterschiedliche Körpergewicht von Männern und Frauen berücksichtigt wird. Zudem verursachten konventionelle systemische Therapien ein deutlich höheres Risiko für Nebenwirkungen als Biologika.
  • Krankheitsverteilung: Jüngere Frauen neigen eher zu einem Befall des Kopfes und der Haarlinie, während Männer häufiger schwerer zu behandelnde Regionen wie die Beine betreffen.

Psoriasis und Schwangerschaft

Frauen mit Psoriasis haben im Allgemeinen eine geringere Geburtenrate (bis zu 50 % weniger Kinder) als die Allgemeinbevölkerung. Während der Schwangerschaft ändere sich, so Prof. Dr. Maul, der Verlauf der Psoriasis häufig: Bei über 50 % der Patientinnen verbessert sich z. B. die Psoriasis, während sich die Erkrankung nach der Geburt (postpartum) bei etwa 65 % der Patientinnen verschlechtert.

Die Forschung zeige, dass Psoriasis ein unabhängiger Risikofaktor für negative Schwangerschaftsausgänge ist, insbesondere bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung. Zu diesen negativen Ergebnissen gehören häufigere Kaiserschnitte, Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und Kinder, die im Verhältnis zum Gestationsalter zu klein sind. Da chronische Entzündungen im Körper die Schwangerschaft negativ beeinflussen, sei es entscheidend, die Psoriasis vor und während der Schwangerschaft gut zu kontrollieren.

Fazit laut Prof. Dr. Maul: Die Patientinnen sollten idealerweise nahezu symptomfrei sein, bevor sie schwanger werden. Die beschriebenen Faktoren legen außerdem nahe, dass es bei Frauen mit (Verdacht auf) Psoriasis in Klinik bzw. Niederlassung lohnenswert ist, frühzeitig über Familienplanung und Fertilität zu sprechen.

Therapieoptionen während Schwangerschaft und Stillzeit

Die Behandlungsrichtlinien sind für schwangere und stillende Patientinnen stark eingeschränkt, wie Prof. Dr. Maul berichtet:

  • Topische Behandlungen: Glukokortikoide können in der Schwangerschaft sicher angewendet werden, während Vorsicht bei Salicylvaseline und ähnlichen Präparaten geboten ist.
  • Konventionelle Systemtherapien: Das einzige konventionelle Systemtherapeutikum, das laut europäischen Leitlinien während der Schwangerschaft angewendet werden kann, ist Ciclosporin.
  • Biologika: Das einzige Biologikum, das während der Schwangerschaft und Stillzeit als sicher eingestuft wird, ist Certolizumab Pegol.

Dermatolog:innen sollten die Bedürfnisse der Patientinnen erst nehmen und eine Behandlung finden, die zu ihren Lebensplänen passt, so Prof. Maul, ohne Angst vor den Therapieoptionen zu haben. Es sei in diesem Kontext wichtig, eine gute Kontrollmöglichkeit der Psoriasis zu gewährleisten, da die unbehandelte, schwere Entzündung selbst das Risiko für negative Schwangerschaftsergebnisse erhöht.

Redaktion (sma)

Quelle: Maul J-T.: Psoriasis: Special Focus Woman, EADV-Präsentation 2025, September 2025, Paris.

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