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Einflüsse auf den chronischen Pruritus: Klima, Schadstoffe und UV

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Einflüsse auf den chronischen Pruritus: Klima, Schadstoffe und UV

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: derma aktuell

Umweltfaktoren sind in der Pathophysiologie des chronischen Pruritus von zunehmender Bedeutung. Wie modulieren Klima, Schadstoffe und UV-Exposition die Barrierefunktion und pruritogene Signalwege? Welche Ansatzpunkte können sich daraus für das Management ergeben? Wie interagieren Haut und Umwelt, und weshalb sind diese Wechselwirkungen beim chronischen Pruritus klinisch bedeutsam?

Als Ausgangspunkt für die Aufklärung der Betroffenen schlägt Dr. Anna Brenske vom Uniklinikum München den Juck-Kratz-Zyklus als zentrales Modell für die Chronifizierung des Symptoms vor: Der initiale Pruritus-Reiz löst ein Kratzen aus, das zwar kurzfristig Linderung verschafft, gleichzeitig aber Mikrotraumata setzt und proinflammatorische Prozesse verstärkt, die wiederum die Reizschwelle der Haut senken und einen erneuten Juckreiz triggern. Wenn dieser Mechanismus über längere Zeit bestehen bleibt, entsteht nicht nur ein verstärkter Entzündungszustand, sondern auch ein automatisiertes, kaum noch kontrollierbares Kratzverhalten: „Das Kratzen wird quasi zur Gewohnheit.“

Konstante Reaktion auf Umweltfaktoren

Zu erinnern sind Patientinnen und Patienten auch daran, dass die Haut nicht allein als physische Barriere fungiert, sondern als aktives Kommunikationssystem zwischen Körper und Umwelt, das permanent auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, Schadstoffe und UV-Strahlung reagiert. Dementsprechend können Schwankungen in der Umgebungstemperatur oder eine Phase trockener Heizungsluft ausreichend sein, um Beschwerden deutlich zu verstärken. „Das deckt sich häufig mit der Erfahrung der Betroffenen“, berichtet die Dermatologin.

Bezüglich der UV-Strahlung hebt Dr. Brenske den Doppelcharakter hervor: Auf der einen Seite sollten Patientinnen und Patienten über die durchaus positiven Effekte der Sonnenstrahlung aufgeklärt werden, wie die UVB-abhängige Vitamin-D-Synthese, phototherapeutische Einsatzmöglichkeiten (auch bei Juckreiz) sowie „einfach das angenehme Gefühl, ein paar Minuten lang in der Sonne zu liegen“. Andererseits sind natürlich auch die Risiken mittlerweile klar belegt: akute Lichtschäden, beschleunigte Hautalterung, DNA-Schäden und ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs. Die Schlussfolgerung lautet also: Die Sonne in Maßen genießen, ja, aber „der Hautschutz ist ein Muss“.

Zur Erinnerung: Chemische Filter penetrieren die Epidermis und wandeln Strahlung photochemisch in Wärme um; diese Form des Hautschutzes „zieht gut ein, kann aber auch ein bisschen schlechter verträglich sein“, kommentiert Anna Brenske. Mineralische Filter hingegen verbleiben hauptsächlich auf der Hautoberfläche und reflektieren UV-Strahlen damit physikalisch; diese sind daher besonders für empfindliche oder bereits irritierte Haut geeignet, auch wenn Nutzerinnen und Nutzer „gelegentlich den sichtbaren, weißlichen Film bemängeln“.

Schadstoffe und Hautpflege

Ein weiteres wichtiges Themenfeld sind Allergien, die „heutzutage deutlich mehr Menschen betreffen als früher – auch das ist in der Praxis ersichtlich.“ Diese Zunahme allergischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten wird unter anderem auf steigende Belastungen durch Feinstaub, Stickoxide, Ozon und weitere Schadstoffe zurückgeführt. Sie wirken nicht nur unmittelbar irritativ, sondern verändern zudem die Barriere-Eigenschaften der Haut, beeinflussen die Zusammensetzung des Lipidfilms und erleichtern damit das Eindringen von Allergenen. Bei bestehender Barriere-Störung – etwa durch atopische Dermatitis – verstärkt sich diese Wirkung erheblich.

Dr. Brenske bringt dazu ein konkretes Beispiel aus dem Alltag: Ein Kontakt mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners löst bei vielen Betroffenen innerhalb kurzer Zeit urtikarielle Plaques und massiven Juckreiz aus. Die Empfehlung lautet, in solchen Situationen „schnell zu duschen und Kleidung zu wechseln“.

Der Umgang mit Kosmetika und Hautpflegeprodukten wiederum ist ein Bereich, der häufig unterschätzt wird, beziehungsweise „sind sich viele Patientinnen und Patienten nicht sicher, wie die optimale Hautpflege aussieht“: Viele Produkte enthalten Duftstoffe, Konservierungsstoffe oder andere Additive, die zu irritativen oder allergischen Reaktionen führen können. Besonders bei bereits vorgeschädigter Haut multipliziert sich die Empfindlichkeit gegenüber solchen Zusätzen. Die Fachärztin empfiehlt, „hautfreundliche“ Produkte zu wählen: Dermatologisch getestete, duftstofffreie und möglichst an additiven Stoffen arme Formulierungen stellen hier den sichersten Weg dar, wobei geeignete Produkte nicht nur im hochpreisigen Sektor, sondern auch im günstigeren Drogeriesegment zu finden sind.

Duschen, Baden, Schwimmen

Einen detaillierten Blick wirft Dr. Brenske auch auf die Alltagsroutine rund um Duschen beziehungsweise Baden – ein in der Klinik häufig angesprochener Bereich. „Betroffene denken oft, dass tägliches Duschen grundsätzlich zu vermeiden ist. Es ist aber tatsächlich kein Problem, solange der Konakt mit Wasser kurz bleibt und milde Reinigungsprodukte verwendet werden“, präzisiert die Dermatologin. Längeres Baden ist allerdings tatsächlich schädlich: Es weicht die Hornschicht auf, verändert den Lipidfilm und kann die Barriere empfindlich schwächen. Insbesondere Ekzem-Patientinnen und -Patienten sollten daher maximal ein- bis zweimal pro Woche ein Bad nehmen und dabei, wenn möglich, immer rückfettende Öle hinzufügen.

Weitere Tipps: Nach dem Waschen empfiehlt sich ein vorsichtiges Abtupfen statt Reiben, um zusätzliche Reizungen zu vermeiden; und: Das Eincremen der Haut sollte idealerweise zweimal täglich erfolgen; diese Routine stabilisiert die Barriere, verbessert die Reizschwelle und trägt oft spürbar zur Reduktion chronischen Pruritus bei.

Weitere häufige Fragen zum Thema Wasser: „Kann ich denn im Sommer ins Schwimmbad gehen? Ist ein Bad im Meer gut für mich?“ Die Antwort darauf „ist natürlich immer individuell zu stellen und sollte vor allem den Hautbefund berücksichtigen“, so die Expertin. Sollten aber offene Stellen vorhanden sein oder eine (womöglich purulente) Entzündung, „dann sind öffentliche Schwimmbäder natürlich nicht zu empfehlen“. Zu berücksichtigen ist auch, dass in sehr warmen Sommern die Bakterienzahl in Seen oder im Meer steigt; pathogene Mikroorganismen könnten dann in die erkrankte Haut eindringen und sie noch weiter schädigen.

Umgekehrt gibt es auch klimatische Bedingungen, die ausdrücklich positive Effekte auf pruriginöse Dermatosen haben, etwa die Nordsee, was insbesondere bei atopischer Dermatitis Linderung verschaffen kann. Welche Umgebungen empfehlenswert sind und welche nicht, sollte im ärztlichen Gespräch geklärt werden.

Nicht zu vergessen in der Dynamik des Pruritus sind auch Lebensstilfaktoren wie Stress und Schlafqualität: Chronischer Stress führt über neuroendokrine Mechanismen zu einer gesteigerten Entzündungsbereitschaft und beeinflusst die Funktion der Hautbarriere, während Schlaf bei der Regeneration hilft. Das Fazit der Dermatologin: Umweltfaktoren wirken beim chronischen Pruritus selten als Primärauslöser, sie können aber immer häufiger als Verstärker bestehender Barriere-Störungen und inflammatorischer Prozesse auftreten. Die entsprechende Patientenaufklärung ist daher unerlässlich.

Dr. Lydia Unger-Hunt

Take-Home-Messages

  • Temperaturwechsel, niedrige Luftfeuchtigkeit, UV-Exposition und Luftschadstoffe können Beschwerden der Haut auslösen oder verstärken.
  • Reinigungs- und Pflegeprodukte sollten möglichst keine Duftstoffe, Konservierungsstoffe und weitere Additive beinhalten.
  • Eine konsequente Barrierepflege mit reizarmen, lipid- und feuchtigkeitsspendenden Formulierungen einsetzen.
  • Kurzes Duschen ist unproblematisch, auf lange Bäder ist möglichst zu verzichten.
  • Der Sonnenschutz sollte individuell gewählt werden; mineralische Filter bieten bei empfindlicher Haut oft Vorteile gegenüber chemischen Filtern.
  • Bei offenen oder nässenden/eitrigen Läsionen ist die erhöhte Anfälligkeit für mikrobielle Exposition in warmen Naturgewässern und öffentlichen Bädern zu beachten.

Sabine Mack

Tipp

Aktuelle Termine aus dem Skin Health Campus, die so unterschiedliche Themenschwerpunkte setzen wie z. B. Haut & Klima oder Stress & Pruritus findet man online unter: https://skinhealthcampus.org/termine/

Quelle: Brenke, A. (2025, Oktober). Auswirkungen der Umwelt auf die Haut – wie wichtig und wie schützen? [Online-Veranstaltung]. Skin Health Campus.

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