Die DEGAM hält das Argument eines Mangels an Hausärzt:innen für überholt: Mit Teamwork, gezieltem Bürokratieabbau und Rollenwandel könnten die Ressourcen in der hausärztlichen Primärversorgung effizient genutzt werden. Das neue Positionspapier liefert Handlungsimpulse.
Das hausärztlich geleitete Primärversorgungssystem wird seit Langem als Rückgrat einer effektiven und nachhaltigen medizinischen Versorgung gefordert – auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes. Doch während die internationale Evidenz von Vorteilen wie besserer Versorgung, weniger Klinikeinweisungen und geringeren Kosten überzeugt, hält sich hierzulande das Gegenargument eines personellen Engpasses. Die DEGAM begegnet diesem Mythos mit einem aktuellen Positionspapier und zeigt konkrete Wege, wie vorhandene Ressourcen intelligent eingesetzt werden können.
Effizienz statt Mangel: Ressourcen optimal nutzen
In ihrem neuen Positionspapier stellt die DEGAM klar:
Es sind grundsätzlich genug Hausärztinnen und Hausärzte verfügbar – vorausgesetzt, die ärztlichen Ressourcen werden effizient eingesetzt. Wesentliche Stellschrauben:
- Bürokratieabbau:
Durch den gezielten Abbau unnötiger administrativer Aufgaben kann viel Zeit für die eigentliche Patient:innenversorgung gewonnen werden. Dazu zählen die Vereinfachung von Formularen, bessere digitale Schnittstellen und das Streichen wenig sinnvoller Dokumentationspflichten. Auch für Behandler-Teams in der Diabetologie bietet ein effizienteres Primärversorgungssystem Vorteile – weniger Zeit für nicht-therapeutische Aufgaben heißt mehr Zeit für Patient:innen. - Fokus auf High Value Care:
Im Praxisalltag werden Kapazitäten gebunden durch medizinische Leistungen mit fraglichem Nutzen („Low Value Care“), beispielsweise häufige Wiedervorstellungen aus Formalitätsgründen oder unnötige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei banalen Infekten. Nach Einschätzung der DEGAM sollte die ärztliche Arbeitszeit stattdessen gezielt für Versorgungsleistungen mit gesichertem Mehrwert genutzt werden – gerade bei der Betreuung chronisch kranker Menschen. - Aufgabenverteilung im Team:
Die Zukunft sieht das DEGAM-Positionspapier in der stärkeren Delegation an und Integration von nichtärztlichem Fachpersonal, etwa Akademiker:innen aus Gesundheitsberufen. Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen müssten allerdings angepasst sowie Teamstrukturen und Kompetenzen weiterentwickelt werden. Wenn Aufgaben klar im Team verteilt sind, können sich Hausärzt:innen auf komplexe, hausärztlich-zentrierte Versorgung konzentrieren, andere Aufgaben werden effizient von qualifizierten Teammitgliedern übernommen.
Internationale Erfahrungen und das Erfolgsmodell HZV
Deutschland ist international keine Ausnahme: Länder mit etablierten Primärversorgungssystemen profitieren langfristig von besserer Ressourcensteuerung. Die hausarztzentrierte Versorgung (HZV), eingeführt in mehreren Bundesländern, belegt schon heute die Wirksamkeit dieses Ansatzes mit über 10 Millionen eingeschriebenen Patientinnen und Patienten.
Implikationen für den Praxisalltag – auch für Diabetesteams
Für die Betreuung von Menschen mit Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen bedeuten starke hausärztliche Primärversorgungsteams bessere Kontinuität, weniger stationäre Einweisungen und stabilere Versorgungsabläufe. Besonders relevant: Ein modernes Rollenverständnis und die Stärkung von nichtärztlichen Fachberufen entlasten die hausärztlichen Teams, ermöglichen intensivere Begleitung und stärken die Prävention.
Fazit: Primärversorgung braucht kluge Organisation
Die DEGAM plädiert für eine tatsächliche Arbeitsteilung und schlanke Prozesse, um das vorhandene Potenzial auszuschöpfen. Mit klarem Aufgabenprofil, digitaler Unterstützung und gezielter Teamarbeit lassen sich auch wachsende Versorgungsanforderungen meistern.
Quelle:
Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM) vom 05.02.2026 : Primärversorgungssystem: Haben wir genug Hausärzte? sowie



