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Kardiologie: Kathetergestützter Mitralklappenersatz schließt Therapielücke

Arzt sitzt an einem Schreibtisch und zeigt mit einem Stift auf ein Modell eines menschlichen Herzens.

Quelle: © Charlies – stock.adobe.com

Kardiologie: Kathetergestützter Mitralklappenersatz schließt Therapielücke

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Komorbiditäten von Diabetes

mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Für Menschen mit schwerer Mitralklappeninsuffizienz, die bislang als inoperabel galten oder für ein Clipping-Verfahren ungeeignet waren, eröffnet ein neues kathetergestütztes Mitralklappenersatzsystem (SAPIEN M3) eine vielversprechende Behandlungsalternative. Am Herz- und Diabeteszentrum NRW kam das Verfahren nun erstmals zum Einsatz und zeigt das Potenzial für eine bisher unterversorgte Patientengruppe.

Die Mitralklappeninsuffizienz ist eine häufige und prognostisch relevante Herzerkrankung im höheren Lebensalter; etwa 10 % der über 75-Jährigen sind betroffen. Die resultierende Volumenbelastung des linken Ventrikels führt zu Symptomen wie Dyspnoe, reduzierter Belastbarkeit und Herzinsuffizienz. Im Praxisalltag begegnen Behandelnde häufig Patientinnen und Patienten, insbesondere solchen mit langjährigem Diabetes mellitus und kardiovaskulären Komorbiditäten, bei denen das Risiko für eine konventionelle herzchirurgische Operation zu hoch ist. Für viele dieser Personen bot das kathetergestützte Mitralklappen-Clipping eine wertvolle, minimalinvasive Option. Dennoch gibt es eine signifikante Gruppe von Betroffenen, deren Klappenanatomie für ein Clipping-Verfahren ungeeignet ist und die somit bislang ohne kurative Therapieoption blieben.

Neue Therapieoption für eine bisher unversorgte Betroffene

Für genau diese Hochrisikopatienten steht nun eine neue, innovative Behandlungsform zur Verfügung. Das kathetergestützte Mitralklappenersatzsystem SAPIEN M3 ermöglicht den vollständigen Ersatz der Mitralklappe ohne offene Herzoperation. Wie Prof. Dr. Volker Rudolph, Direktor der Kardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), betont, schließt dieses Verfahren eine entscheidende Therapielücke. Es bietet eine schonende Alternative, wenn weder eine Operation noch ein Clipping infrage kommen. Dies ist besonders relevant für multimorbide Personen, bei denen Begleiterkrankungen wie Diabetes, Niereninsuffizienz oder eine fortgeschrittene Herzschwäche das operative Risiko untragbar machen.

Das Verfahren: Minimalinvasiv und hochkomplex

Der Eingriff wird minimalinvasiv über die Leistenvene durchgeführt. Das System besteht aus zwei Komponenten: einem flexiblen Anker („Dock“), der in der Mitralposition verankert wird, und einer biologischen Herzklappenprothese, die anschließend im Anker platziert wird. Die gesamte Prozedur findet im Herzkatheterlabor unter Röntgen- und echokardiografischer Kontrolle statt.

Die Komplexität des Verfahrens erfordert ein Höchstmaß an Expertise und eine perfekte interdisziplinäre Zusammenarbeit im Herzteam. Wie der Fall der ersten Patientin am HDZ NRW zeigt, ist eine penible Vorbereitung, unter anderem durch Simulationstraining, essenziell für den Erfolg. Der Eingriff, der bei der Hochrisikopatientin erfolgreich verlief, stellt für viele Betroffene die letzte Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Reduktion der Symptome dar.

Implikationen für die Praxis

Die Einführung des kathetergestützten Mitralklappenersatzes erweitert das therapeutische Spektrum für Menschen mit schwerer Mitralklappeninsuffizienz erheblich. Für Behandelnde bedeutet dies, dass nun auch für jene Patientinnen und Patienten Hoffnung besteht, die bisher als „austherapiert“ galten.

Die Selektion ist hierbei entscheidend. Infrage kommen vor allem symptomatische Personen mit schwerer, degenerativer oder funktioneller Mitralklappeninsuffizienz, die:

  • ein hohes oder prohibitives Risiko für eine offene Herz-OP aufweisen,
  • und deren Klappenmorphologie sich nicht für ein Edge-to-Edge-Repair (Clipping) eignet.

Die Evaluation sollte stets in einem spezialisierten Herzzentrum mit ausgewiesener Expertise in interventionellen Klappentherapien erfolgen. Die enge Kooperation zwischen ambulant tätigen Kardiologen, Diabetologen und dem Herzteam des Zentrums ist hierbei der Schlüssel, um für jeden Einzelnen die individuell beste und schonendste Behandlungsstrategie zu finden. Gerade für Menschen mit Diabetes, deren kardiovaskuläres Risikoprofil oft komplex ist, stellt diese risikoarme Therapie eine bedeutsame neue Perspektive dar.

Quelle: Pressemitteilung des Herz- und Diabeteszentrum NRW vom 19.02.2026 : Bad Oeynhausen: Neues Katheterverfahren rettet Hochrisikopatientin

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