Diabetologie » Komorbiditäten von Diabetes

»

Krebsimmuntherapie: Wenn Checkpoint-Inhibitoren zum Diabetes führen

Krebsimmuntherapie: Wenn Checkpoint-Inhibitoren zum Diabetes führen

News

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

3 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Moderne Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren haben die Onkologie revolutioniert. Sie ermöglichen vielen Patientinnen und Patienten mit z. B. Melanom oder Nierenzellkarzinom deutlich bessere Überlebenschancen. Doch diese Medikamente können auch gravierende immunvermittelte Nebenwirkungen auslösen – insbesondere endokrine Erkrankungen wie Hypophysitis, Thyreoiditis und einen neuartigen, insulinpflichtigen Autoimmun-Diabetes: den Checkpoint-Inhibitor-assoziierten Diabetes mellitus (CIADM) [1].

Definition von CIADM

Der CIADM ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung von Immuncheckpoint-Inhibitoren. Er ähnelt dem klassischen Typ-1-Diabetes (immunologische Zerstörung der Betazellen), geht aber immer mit einem absoluten Insulinmangel einher und tritt meist innerhalb der ersten drei Monate nach Therapiebeginn auf. Aufgrund der ätiologischen und diagnostischen Unterschiede, wird CIADM als eigene Sonderform des Diabetes mellitus betrachtet. Typisch ist ein abruptes Auftreten, häufig mit schwerer Ketoazidose als Erstmanifestation. In etwa 40 % der Fälle sind Autoantikörper nachweisbar, wie sie auch beim Typ-1-Diabetes auftreten [1], [2]. Die Inzidenz liegt laut aktuellen Studien zwischen 0,2 und 1,4 % der behandelten Betroffenen [2], [3].

Diagnostik und Therapie

Wichtig ist die klare Abgrenzung zu einem vorbestehenden Typ-2-Diabetes, da CIADM immer eine intensivierte Insulintherapie erfordert. Die Behandlung entspricht dem Typ-1-Diabetes (Basal-Bolus-Regime), wobei eine engmaschige diabetologische Betreuung und Patientenschulung essenziell sind. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um schwere Komplikationen wie eine diabetische Ketoazidose zu verhindern [1], [4], [5].

Forderung nach mehr diabetologischer Kompetenz in der Onkologie

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) fordern angesichts der steigenden Zahl betroffener Personen den Aufbau spezialisierter endokrinologisch-diabetologischer Strukturen an allen Krebszentren. Nur so können komplexe hormonelle Nebenwirkungen – die häufig auch kombiniert auftreten – sicher erkannt und behandelt werden. Kliniken mit DDG-Zertifizierung zeigen bereits heute eine geringere Krankenhaussterblichkeit bei Menschen mit Diabetes, was den Nutzen spezialisierter Versorgungseinheiten unterstreicht [1], [5].

Fazit

Checkpoint-Inhibitoren stellen eine neue Herausforderung für die Diabetologie dar. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Onkologie und Diabetologie ist unerlässlich, um die Lebensqualität und das Überleben der Betroffenen zu sichern. Regelmäßige Stoffwechselkontrollen und eine strukturierte Schulung der Betroffenen sind zentral. Die anstehende Krankenhausreform sollte die „komplexe Endokrinologie und Diabetologie“ als Leistungsgruppe fest verankern [1].


Quellen:

[1] Pressemitteilung DDG/DGE: Diabetes & Hormonerkrankungen als Nebenwirkungen einer Krebsimmuntherapie, 05.07.2025
[2] DocCheck Flexikon: Checkpoint-Inhibitor-assoziierter Diabetes mellitus – Hintergrund, Diagnostik, Therapie
https://flexikon.doccheck.com/de/Checkpoint-Inhibitor-assoziierter_Diabetes_mellitus
[3] Diabetes Care: Risk Factors and Characteristics of Checkpoint Inhibitor–Associated Autoimmune Diabetes Mellitus (CIADM)
https://diabetesjournals.org/care/article/46/6/1292/148905/Risk-Factors-and-Characteristics-of-Checkpoint
[4] Medical Tribune: CIADM – Wenn der Checkpoint-Hemmer zu Diabetes führt
https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/wichtiges-fuer-diagnose-und-therapie-der-speziellen-diabetesform
[5] DiabSite: Wenn die Krebsbehandlung zum Diabetes führt
https://www.diabsite.de/aktuelles/nachrichten/2025/250705.html
[6] Springer: Früheres und schwereres Auftreten bei Diabetes-spezifischen Autoantikörpern
https://link.springer.com/article/10.1007/s15034-023-4565-7

Bilderquelle: ©LIGHTFIELD-STUDIOS – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

DDG, DAG und DANK fordern Süßgetränkesteuer – und liefern die Evidenz dazu

Berufspolitik

Über 40 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen sich klar für die Einführung einer Süßgetränkesteuer aus. Eine neue Stellungnahme bündelt die internationale Evidenz – mit konkreten Implikationen für die Prävention von ...

Diabetologie

Sonstiges

Beitrag lesen

Diabetesprävention durch Ernährung: Warum „weniger Zucker” allein nicht reicht

News

Weniger Zucker, weniger Fett – so lautet die gängige Kurzformel für gesunde Ernährung. Doch die DDG macht deutlich: Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster, nicht einzelne Nährstoffe. Was das für Beratung ...

Diabetologie

Ernährung und Diabetes

Beitrag lesen
Ein Mann hält vor einem medizinischen Publikum einen Vortrag.

Remission statt Diät, Metabolom statt BMI: Risiko neu messen

Kongressberichte

Zwei Preisträger des DGIM-Kongresses 2026 rütteln an Grundannahmen der Diabetologie: Prädiabetes kann auch ohne Gewichtsreduktion remittieren – und der BMI täuscht öfter, als wir dachten. Was das für die Praxis ...

Diabetologie

Prädiabetes

Beitrag lesen