Erhöhtes LDL-Cholesterin verursacht in Deutschland jährliche Kosten von 17,3 Milliarden Euro. Ein neuer Gesundheitsbericht macht den wirtschaftlichen Druck deutlich – und unterstreicht, wie zentral konsequentes Lipidmanagement gerade bei Menschen mit Diabetes ist.
Für Diabetologinnen und Diabetologen ist die Verbindung zwischen erhöhtem LDL-Cholesterin und kardiovaskulärem Risiko klinischer Alltag. Menschen mit Typ-2-Diabetes weisen häufig eine diabetische Dyslipidämie auf und tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dass dieses Risiko nicht nur gesundheitliche, sondern auch massive volkswirtschaftliche Folgen hat, belegt nun ein neuer Gesundheitsbericht, den das Office of Health Economics (OHE) in London im Auftrag von MSD erstellt hat. Die Ergebnisse für Deutschland sind alarmierend – und sollten Behandelnde in ihrer Motivation für ein konsequentes LDL-Management bestärken.
Erhöhtes LDL-C: Ein Drittel der kardiovaskulären Gesamtkosten
Der Bericht „The burden of LDL-cholesterol-driven atherosclerotic cardiovascular diseases” analysiert gesundheitsökonomische Daten aus dem Jahr 2024 für neun Nationen, darunter Deutschland. Die zentralen Zahlen: Herzkreislauferkrankungen verursachen hierzulande direkte Gesundheitskosten von knapp 22 Mrd. Euro – das entspricht 6,1 % der gesamten deutschen Gesundheitsausgaben. Rechnet man indirekte Kosten durch krankheits- oder todesfallbedingte Produktionsausfälle hinzu, steigt die Gesamtbelastung auf 50,6 Mrd. Euro jährlich – ein Betrag, der die viel diskutierten Kosten des Fachkräftemangels übersteigt.
Davon entfallen rund 17,3 Mrd. Euro – also etwa ein Drittel – auf Erkrankungen, die direkt durch erhöhte LDL-Cholesterinspiegel getrieben werden. Pro betroffener Person errechnet der Bericht jährliche Kosten von ca. 2.200 Euro.
LDL-C als kardiovaskulärer Hauptrisikofaktor
LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein) zählt zu den am besten belegten, modifizierbaren Risikofaktoren für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen – darunter Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und generalisierte Atherosklerose. Diese Erkrankungen sind weltweit die häufigsten Todesursachen. Für Menschen mit Diabetes ist das Risikoprofil dabei besonders ungünstig: Typ-2-Diabetes geht häufig mit erhöhten Triglyzeriden, niedrigem HDL und einem qualitativ veränderten, besonders atherogenen LDL einher – bei gleichzeitig oft suboptimaler Behandlungsrate.
Ungenutztes Präventionspotenzial im System
„Wir verschenken enormes Potenzial in der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen”, kommentiert Kirsten Hoyer, Executive Director Public Affairs bei MSD Deutschland. Der Bericht verdeutlicht: Frühzeitige Erkennung und konsequentes LDL-C-Management könnten sowohl gesundheitliche als auch wirtschaftliche Folgekosten erheblich reduzieren. Für die diabetologische Praxis unterstreicht das die Bedeutung regelmäßiger Lipidkontrollen, klarer Therapieziele gemäß Leitlinie (LDL-C < 55 mg/dl bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko) sowie der konsequenten Ausschöpfung medikamentöser Optionen – von Statinen über Ezetimib bis hin zu PCSK9-Inhibitoren.
Implikationen für die diabetologische Versorgung
Der Bericht liefert gesundheitsökonomische Argumente, die auch in der Kommunikation mit Kostenträgern und in der Patientenaufklärung hilfreich sein können. Wer als Behandelnder frühzeitig in ein konsequentes Lipidmanagement investiert, trägt nicht nur zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse bei – sondern zur Entlastung eines Systems, das durch diese Erkrankungen erheblich belastet wird. Die OHE-Publikation steht kostenfrei auf Englisch zur Verfügung und bietet vertiefende Daten für alle neun untersuchten Länder.
Quellen: Pressemitteilung der MSD Deutschland vom 12.06.2026: 17,3 Mrd. Euro im Jahr: Gesundheitsbericht legt Auswirkungen von erhöhtem LDL-Cholesterin auf deutsche Wirtschaft offen
Bray G, Darrow B, Skedgel C, 2026. The burden of LDL-cholesterol-driven atherosclerotic cardiovascular diseases. OHE Contract Research Report. Office of Health Economics, London. Verfügbar hier.
Burstedde A, Kolev-Schaefer G, 2024. Die Kosten des Fachkräftemangels. IW-Kurzbericht 27/2024, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln. Verfügbar hier.



