Die COVID-19-Pandemie hat die körperliche Fitness von Kindern und Jugendlichen in Europa nachhaltig beeinträchtigt. Besonders betroffen sind die Ausdauer und Schnelligkeit, wie eine Meta-Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt. Die Analyse umfasst Daten aus 32 Studien mit mehr als 270.000 Teilnehmenden aus 17 europäischen Ländern und insgesamt über 1,5 Millionen Fitnessmessungen – damit ist es die bislang umfassendste Auswertung pandemiebedingter Veränderungen der körperlichen Leistungsfähigkeit bei jungen Menschen in Europa [1].
Rückgang der Ausdauer: Mädchen und Jugendliche besonders betroffen
Während sich die Schnelligkeit nach Wiedereröffnung von Schulen und Sportstätten rasch erholte, bleibt die Ausdauerfitness bis heute deutlich hinter dem Stand vor der Pandemie zurück. Besonders betroffen sind Mädchen aller Altersgruppen sowie Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren. Die muskuläre Fitness (Kraft, Koordination, Flexibilität) blieb hingegen weitgehend stabil [1][2].
„Vom Rückgang der Ausdauer waren in erster Linie Mädchen aller Altersklassen sowie Jugendliche beider Geschlechter im Alter von 13 bis 19 Jahren betroffen.“
Dr. Helena Ludwig-Walz, BiB [1]
Strenge Schutzmaßnahmen verschärfen die Auswirkungen
Die Studie zeigt außerdem, dass Länder mit strengeren Corona-Schutzmaßnahmen größere Rückgänge in der kardiorespiratorischen Fitness verzeichneten. Besonders die Fähigkeit, den Körper bei Belastung mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen („kardiorespiratorische Fitness“), sank während der Pandemie deutlich. Während die Schnelligkeit (Sprint) sich bis 2023 normalisierte, blieb die Ausdauerleistung signifikant unter dem Niveau von vor der Pandemie (Standardisierte Mittelwertdifferenz für Ausdauer 2023: –0,10) [2].
Langfristige Folgen und Handlungsbedarf
Körperliche Fitness ist ein zentraler Indikator für die Gesundheit im Kindes- und Jugendalter und beeinflusst die Chancen für ein gesundes Leben maßgeblich. Die weiterhin bestehenden Rückstände in der Ausdauer könnten langfristig zu einer höheren Krankheitslast beitragen und gesundheitliche Ungleichheiten weiter verstärken. Die Studie betont daher die Dringlichkeit gezielter Maßnahmen zur Bewegungsförderung – insbesondere durch Politik, Schulen, Sportvereine und Eltern. Gerade schulische Angebote und Sportvereine vor Ort bieten nachweislich wirksame Möglichkeiten, regelmäßige Bewegung wieder im Alltag zu verankern[1][2].
„Kindheit und Jugend sind entscheidende Lebensphasen, in denen sich gesundheitliche Verhaltensweisen und Chancen für das gesamte Leben prägen.“
Prof. Dr. Martin Bujard, BiB [1]
Weiterführende Informationen aus der Originalpublikation
Körperliche Fitness ist ein Schlüsselfaktor für die aktuelle und zukünftige Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die Studie zeigt, dass die Fitnessniveaus während der Pandemie deutlich gesunken sind – vor allem die Ausdauer und Schnelligkeit. Striktere nationale Einschränkungen gingen mit stärkeren Rückgängen einher.
Ergebnisse [2]:
- Die Ausdauerleistung blieb bis 2023 unter den Werten von vor der Pandemie.
- Mädchen und Jugendliche waren besonders betroffen.
- Muskuläre Fitness blieb stabil.
- Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit dringender, gezielter Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, um die körperliche Fitness zu verbessern und langfristige gesundheitliche Folgen zu verhindern.
Quelle: Pressemitteilung Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), 03.12.2025
https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/2025-12-16-Fitness-Kinder-Jugendliche-pandemie.html
Originalpublikation: Ludwig-Walz, Helena et al. (2025): Trends in physical fitness among children and adolescents in Europe: A systematic review and meta-analyses during and after the COVID-19 pandemic. Journal of Sport and Health Science.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2095254625000833?via%3Dihub



