Diabetologie » Typ-2-Diabetes

»

Seltene Gene, häufige Fehldiagnosen: Was MODY uns über Diabetes lehrt

Seltene Gene, häufige Fehldiagnosen: Was MODY uns über Diabetes lehrt

Kongressberichte

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Kongress-Präsidentin 2026 und DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel fordert mehr genetisches Denken in der Diabetologie – und zeigt, warum falsch klassifizierter Diabetes für Betroffene gravierende Folgen hat.

MODY – Maturity-Onset Diabetes of the Young – gilt als seltene Erkrankung. Doch Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel, Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen und DGIM-Präsidentin, machte auf der Montags-Pressekonferenz des 132. DGIM-Kongresses 2026 deutlich: MODY wird in der Praxis regelmäßig als Typ-1- oder Typ-2-Diabetes fehldiagnostiziert – mit direkten Konsequenzen für die Therapie.

Während Menschen mit Typ-2-Diabetes Insulin oder orale Antidiabetika erhalten, sprechen viele MODY-Subtypen (insbesondere MODY 3, HNF1A) gut auf Sulfonylharnstoffe an – ein Wirkstoff, der bei vermeintlichem Typ-2-Diabetes heute kaum noch erste Wahl ist. Eine korrekte genetische Diagnose kann also die Therapie grundlegend verändern.

Wann sollten Diabetologinnen und Diabetologen an MODY denken?

Führer-Sakel nannte auf der Pressekonferenz klinische Hinweiszeichen, die an eine monogene Diabetesform denken lassen sollten:

  • Diabetes-Diagnose vor dem 25. Lebensjahr
  • Familiäre Häufung über mehrere Generationen (autosomal-dominant)
  • Fehlende Zeichen einer Insulinresistenz (kein Übergewicht, keine Acanthosis nigricans)
  • Stabile, niedrige Nüchternglukose über Jahre ohne Progredienz

In solchen Konstellationen empfiehlt sie die molekulargenetische Diagnostik – in enger Zusammenarbeit mit humangenetischen Zentren.

Präzisionsmedizin als Zukunft der Diabetologie

„Wenn wir von einem Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin sprechen, gehört die Integration genetischer Erkenntnisse zwingend dazu. Präzisionsmedizin bedeutet, Erkrankungen immer besser in ihren biologischen Ursachen zu verstehen – und genau daraus neue, gezielte Therapien zu entwickeln.”

DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel

Führer-Sakel nutzte den Kongress, um ein breiteres Plädoyer für Präzisionsmedizin in der Diabetologie zu formulieren. Die klassische Einteilung in Typ 1 und Typ 2 greife zu kurz. Neue Erkenntnisse – von monogenen Diabetesformen über MASLD/MASH bis hin zu neuen pharmakologischen Ansätzen wie dem TRβ-Agonisten Resmetirom – zeigten, dass individualisierte Diagnostik und Therapie kein Luxus, sondern medizinische Notwendigkeit seien.

Resmetirom ist seit August 2025 in der EU bedingt zugelassen – für nicht-zirrhotische MASH mit Fibrosestadium F2–F3. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes und MASLD befinden sich aber bereits in fortgeschritteneren Fibrosestadien (F4), für die die Zulassung noch nicht gilt. Hier bleibt eine wichtige therapeutische Lücke, die es zu schließen gilt.

Quellen:

1. Montags-.Pressekonferenz auf dem 132. DGIM-Kongress 2026 vom 20.04.2026

2. Pressemappe 132. DGIM-Kongress 2026, Montags-Pressekonferenz, 20. April 2026

3. EMA: Zulassung Resmetirom (Rezdiffra), August 2025

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Cochrane 2026: Ernährungsinterventionen bei älteren Menschen im Krankenhaus

News

Mangelernährung im Krankenhaus ist unterschätzt – besonders bei älteren Menschen mit Diabetes. Ein neuer Cochrane Review zeigt: Spezielle Trinknahrung kann möglicherweise Leben retten. Was die Evidenz sagt und was das für Ihre Praxis bedeutet.

Diabetologie

Diabetes in der Geriatrie

Beitrag lesen

Lancet-Analyse bewertet Jo-Jo-Effekt neu

News

Schadet der Jo-Jo-Effekt wirklich mehr als anhaltendes Übergewicht? Eine aktuelle Analyse in The Lancet Diabetes & Endocrinology sagt: Nein. Was das für die Beratung und den Einsatz von GLP-1-RA bedeutet.

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

Beitrag lesen
Mehrere Händepaare liegen übereinander und halten zwei blaue Diabetes Awareness Schleifen mit einem roten Blutstropfen darauf.

Diabetes Kongress 2026: Fortschritt ja – aber für alle?

Kongressberichte

Neue Medikamente, Zelltherapien, KI-gestützte Systeme: Die Diabetologie ist im Aufbruch. Doch Kongresspräsidentin Prof. Dr. Barbara Ludwig mahnt: Fortschritt darf kein Privileg sein. Zum 60. Mal lädt die Deutsche Diabetes Gesellschaft ...

Diabetologie

Sonstiges

Beitrag lesen