Der Jahreswechsel ist für viele Menschen Anlass, Lebensstiländerungen anzugehen. Die klassischen Vorsätze – mehr Bewegung, bewussterer Medienkonsum, weniger Alkohol, Rauchstopp – sind auch aus diabetologischer Sicht hochrelevant. Im Folgenden werden die einzelnen Maßnahmen mit aktuellen Studiendaten für die ärztliche Praxis eingeordnet.
Mehr Bewegung – die zentrale Maßnahme der Diabetesprävention
Regelmäßige körperliche Aktivität senkt nachweislich das Risiko für Typ-2-Diabetes und dessen Komplikationen. Die finnische Diabetespräventionsstudie (DPS) und das Diabetes Prevention Program (DPP) zeigen, dass Lebensstilinterventionen mit Bewegung und Ernährung das Diabetesrisiko um bis zu 58 % reduzieren können.
Eine Meta-Analyse des Deutschen Diabetes-Zentrums aus 2024 belegt zudem, dass Bewegung das Risiko für schwere Folgeerkrankungen bei manifestem Diabetes signifikant senkt.
Empfehlung:
Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche werden empfohlen, auch im höheren Alter oder bei Komorbiditäten. Bewegungsprogramme sollten individuell angepasst und ggf. durch eine professionelle Beratung begleitet werden.
Medienkonsum und Diabetes – neue Herausforderungen
Hoher Medien- und Bildschirmkonsum ist mit Bewegungsmangel, Schlafstörungen und erhöhtem Stress assoziiert – Faktoren, die das Diabetesrisiko und die Stoffwechseleinstellung negativ beeinflussen können. Während direkte Interventionsstudien zum Einfluss von Medienkonsum auf Diabetes limitiert sind, zeigen Übersichtsarbeiten der letzten Jahre, dass insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein hoher Medienkonsum mit Übergewicht und metabolischen Störungen korreliert.
Empfehlung:
Patient:innen sollten zu einem bewussten Umgang mit digitalen Medien angeleitet werden – insbesondere im Hinblick auf Schlafqualität, Stressmanagement und Alltagsaktivität.
Alkoholkonsum – differenzierte Beratung notwendig
Starker Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, Hypertonie und weitere Komorbiditäten deutlich. Schon moderater Konsum kann laut der ACCORD-Studie (2024) – insbesondere bei bereits bestehendem Diabetes – den Blutdruck signifikant erhöhen und die Stoffwechseleinstellung verschlechtern.
Die Datenlage zu moderatem Konsum ist widersprüchlich: Einzelne Studien deuten auf einen leicht protektiven Effekt von moderatem Weinkonsum hin, aber die Risiken überwiegen bei den meisten Betroffenen, insbesondere bei bestehenden Komplikationen oder Polypharmazie.
Empfehlung:
Für Menschen mit Diabetes gilt: Alkohol nur in Maßen, am besten möglichst selten. Bei Insulintherapie ist auf das Hypoglykämierisiko zu achten.
Rauchstopp – höchste Priorität für Menschen mit erhöhtem Risiko
Rauchen verdoppelt das Risiko für Typ-2-Diabetes und verschlechtert Prognose und Komplikationsrate. Eine Übersichtsarbeit aus 2024 zeigt, dass auch Passivrauchen und E-Zigaretten das Diabetesrisiko erhöhen. Nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Gesamtmortalität deutlich, auch wenn das Diabetesrisiko kurzfristig durch Gewichtszunahme leicht steigen kann. Langfristig profitieren Betroffene jedoch erheblich.
Empfehlung:
Rauchstopp sollte bei allen Menschen mit (Risiko für) Diabetes aktiv unterstützt werden, ggf. mit strukturierter Entwöhnungstherapie und Nikotinersatz.
Fazit für die Praxis
Lebensstilinterventionen bleiben die wichtigste Säule der Prävention und Therapie des Typ-2-Diabetes. Die ärztliche Beratung sollte evidenzbasiert, individuell und motivierend erfolgen – und auch neue Herausforderungen wie Medienkonsum adressieren.
Quellen:
1. Pressemitteilung des Bundesinsituts für Öffentliche Gesundheit vom 29.12.2025 : Gesünder ins neue Jahr starten: Vier Vorsätze, ein Ziel
2. Finnische Diabetespräventionsstudie (DPS): Skurk T et al. Empfehlungen zur Ernährungsprävention. Diabetol Stoffwechs 2024; 19: S416–S426. [PDF]
3. Diabetes Prevention Program (DPP): Diabetes Prevention Program Research Group. Reduction in the Incidence of Type 2 Diabetes with Lifestyle Intervention or Metformin. NEJM 2002; 346:393-403. [Paper]
4. Meta-Analyse des DDZ: Rietz M, Lehr A, Mino E, et L. Physical Activity and Risk of Major Diabetes-Related Complications in Individuals With Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. Diabetes Care. 2022 Dec 1;45(12):3101-3111. doi: 10.2337/dc22-0886. [Paper]
5. Deutscher Gesundheitsbericht 2024 [PDF]
6. Medienkonsum: Francesconi C, Niebauer J, Haber P, Moser O, Weitgasser R, Lackinger C. Lebensstil: körperliche Aktivität und Training in der Prävention und Therapie des Typ 2 Diabetes mellitus (Update 2023) [Lifestyle: physical activity and training as prevention and therapy of type 2 diabetes mellitus (Update 2023)]. Wien Klin Wochenschr. 2023 Jan;135(Suppl 1):78-83. German. doi: 10.1007/s00508-023-02187-3. [Paper]
7. ACCORD-Studie: Mayl JJ et al. J Am Heart Assoc 2020; 9: e017334; DOI: 10.1161/JAHA.120.017334 [Paper]
8. Informationen von diabinfo: https://www.diabinfo.de/vorbeugen/was-kann-ich-tun/auf-alkohol-verzichten.html und https://www.diabinfo.de/vorbeugen/was-kann-ich-tun/mit-dem-rauchen-aufhoeren.html (Abruf: Januar 2026)
9. Brath H, Kaser S, Tatschl C, Fischer-See S, Fasching P. Rauchen, erhitzte Tabakprodukte, Alkohol und Diabetes mellitus (Update 2023) [Smoking, heated tobacco products, alcohol and diabetes mellitus (update 2023)]. Wien Klin Wochenschr. 2023 Jan;135(Suppl 1):84-90. German. doi: 10.1007/s00508-023-02161-z. [Paper]
10. https://www.aerzteblatt.de/archiv/typ-2-diabetes-aktiv-und-passivrauchen-erhoehen-das-diabetesrisiko-a31cc46a-1642-47c6-adda-eaea7663466f (Abruf: Januar 2026)



