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Aktuelles aus der Kinder- und Jugendgynäkologie

Kinderhände halten Modell der weiblichen Fortpflanzungsorgane, symbolisiert Kinder- und Jugendgynäkologie.

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Kongressberichte

Gynäkologie

Kinder- und Jugendgynäkologie

3 MIN

Erschienen in: gyne

Das Berliner Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie war Plattform für die Vorstellung gleich mehrerer neuer Leitlinien. Die PCOS-Leitlinie adressiert die häufigste endokrinologische Erkrankung bei jungen Frauen, während die UTS-Leitlinie Begleiterkrankungen und Fertilitätsberatung fokussiert. Bei Geschlechtsinkongruenz betont Dr. Lehmann-Kannt die Notwendigkeit sorgfältiger Abwägung zwischen früher Intervention und möglichen Nebenwirkungen. Auch die Notwendigkeit weiterer psychotherapeutischer Angebote für betroffene Patientinnen wurde im Rahmen des Symposiums betont. Gerade im Bereich der Geschlechtsinkongruenz therapeutische Unterstützung und langfristige Betrachtungen für fundierte Behandlungsentscheidungen besonders relevant. Eine aktuelle Langzeitstudie kann hierbei unterstützen und zeigt konkret für den Einsatz von Pubertätsblockern, dass diese die sexuelle Zufriedenheit nicht negativ beeinflussen.

Neue Empfehlungen für die Behandlung junger Patientinnen

Das bundesweite Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie in Berlin beleuchtete aktuelle medizinische Themen für weibliche Kinder und Heranwachsende. Im Fokus standen mehrere neue Leitlinien mit hoher klinischer Relevanz.

Polyzystisches Ovarsyndrom und Ullrich-Turner-Syndrom

Die kurz vor Veröffentlichung stehende Leitlinie zum polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) adressiert die häufigste endokrinologische Erkrankung bei Frauen im fertilen Alter, die mit 15% Prävalenz auch Heranwachsende betrifft. Die neue internationale Leitlinie zum Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) von 2023 gibt praxisnahe Empfehlungen zur Überwachung von Begleiterkrankungen und zur Fertilitätsberatung.

Geschlechtsinkongruenz im Jugendalter

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die AWMF-Leitlinie zu Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie. “Die Behandlung von Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie muss sorgsam erfolgen. Mögliche Nebenwirkungen einer zu früh begonnenen und später als falsch empfundenen Therapie müssen abgewogen werden gegenüber den ebenfalls möglicherweise gravierenden Konsequenzen einer unterlassenen Intervention”, betont Dr. Stephanie Lehmann-Kannt, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie e.V.

Im Gegensatz zur früheren Leitlinie gibt es keine festen Altersgrenzen mehr für den Beginn einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie, jedoch bleibt jede Hormontherapie vor Beginn der Pubertät tabu. Problematisch ist weiterhin das unzureichende psychotherapeutische Angebot für betroffene Jugendliche.

Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit und sexuellen Entwicklung sind langfristige Betrachtungen für fundierte Behandlungsentscheidungen besonders relevant. Neue Erkenntnisse zu den Langzeitfolgen früher Interventionen können wertvolle Orientierung bieten. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Langzeitstudie mit 70 Trans-Personen, die durchschnittlich vor 14 Jahren Pubertätsblocker erhalten hatten: 49 % waren mit ihrem Sexualleben zufrieden – vergleichbar mit der Allgemeinbevölkerung (47 %). Prof. Dr. Georg Romer, Koordinator der Leitlinie, beurteilte die Studienergebnisse für das Science Media Center und fasste zusammen: “Das wichtigste Ergebnis der Studie ist: Berichtete Probleme mit der sexuellen Zufriedenheit traten bei den im Jugendalter mit Pubertätsblockern Behandelten nicht häufiger auf als bei Transgender-Personen, die erst nach voller durchlaufender pubertärer Reifung eine Hormonbehandlung begannen.”

Endometriose bei Adoleszentinnen

Auch die Endometrioseleitlinie wurde vorgestellt, die ein eigenes Kapitel zur Erkrankung bei Adoleszentinnen enthält und auf die oft jahrelange Verzögerung bis zur Diagnose hinweist. Die Leitlinie empfiehlt, dass bei anhaltenden Unterbauchschmerzen in der Adoleszenz stets an eine Endometriose gedacht werden sollte und die Primärtherapie bei Verdacht in dieser Altersgruppe zunächst medikamentös erfolgen sollte.

Quellen:

  1. Berichterstattung der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie e. V. zum Berliner Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie
  2. Pressemitteilung der Science Media Center Germany gGmbH: Pubertätsblocker und sexuelle Zufriedenheit von Trans-Personen

Bilderquelle: SewcreamStudio – stock.adobe.com

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