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Brustkrebs-Früherkennung: MRT und Kontrastmittel-Mammographie entdecken mehr Tumore als Ultraschall

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Brustkrebs-Früherkennung: MRT und Kontrastmittel-Mammographie entdecken mehr Tumore als Ultraschall

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Eine groß angelegte britische Studie im Fachjournal „The Lancet“ [1] liefert neue Erkenntnisse zur Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen mit dichtem Brustgewebe: Demnach entdecken sowohl die kontrastmittelgestützte Magnetresonanztomographie (MRT) als auch die kontrastmittelgestützte Mammographie deutlich mehr invasive Tumore als der Brustultraschall (ABUS). Die Zahl entdeckter Krebsfälle lag bei diesen beiden Verfahren etwa dreimal höher als beim Ultraschall.

Dichtes Brustgewebe bedeutet, dass der Anteil von Drüsen- und Bindegewebe in der Brust im Vergleich zum Fettgewebe hoch ist. Dies ist bei rund der Hälfte aller Frauen der Fall. Bei dichtem Brustgewebe sind Tumore in der Mammographie schwieriger zu erkennen, da sowohl dichtes Gewebe als auch Tumore weiß erscheinen und sich so gegenseitig überlagern können. Zudem gilt eine hohe Brustdichte als moderater Risikofaktor für Brustkrebs [2].

Die Mammographie ist Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms. In Deutschland wird allen Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Mammographie angeboten. Nach einer Mammographie empfehlen ärztliche Leitlinien in Deutschland bei Frauen mit dichtem Brustgewebe eine ergänzende Ultraschalluntersuchung [I]. Die Evidenz sei hier aber begrenzt, heißt es. Eine Reduktion der Sterblichkeit sei nicht belegt und in der Früherkennung sei der Ultraschall mit einer höheren Rate an Biopsien verbunden. Dennoch zeige er aktuell die beste Balance zwischen Nutzen und Risiko.

Neue Screening-Befunde

In der britischen Studie wurden nun zwischen Oktober 2019 und März 2024 insgesamt 9361 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren an zehn Screening-Standorten untersucht. Eingeschlossen wurden nur Frauen mit dichtem Brustgewebe und zunächst unauffälligem Mammographiebefund. Von den Teilnehmerinnen erhielten 6305 eine zusätzliche Bildgebung. Die Forschenden analysierten die Raten an neu entdeckten Brustkrebsfällen, insbesondere invasiver Karzinome. Bei Frauen, die nach der Mammographie eine MRT erhielten, ergaben sich 17,4 Krebsfälle pro 1000 Untersuchungen. Die Kontrastmittel-Mammographie offenbarte 19,2 und der Ultraschall 4,2 Krebsfälle. Die Mammographie mit Kontrastmittel geht aber im Vergleich zur MRT mit Kontrastmittel mit mehr Nebenwirkungen einher.

Situation in Deutschland

„In Deutschland gibt es zwei unterschiedliche Brustkrebs-Früherkennungsprogramme für Frauen, die von den Krankenkassen erstattet beziehungsweise übernommen werden”, erklärt Prof. Dr. Walter Heindel, Seniorprofessor der radiologischen Klinik in Münster und Leiter des Referenzzentrums für Mammographie Münster. „Im Rahmen der sogenannten intensivierten Früherkennung haben Frauen mit zuvor genannter Hochrisiko-Situation in Deutschland an den universitären ‚Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs (FRBEK)‘ grundsätzlich Anspruch auf die kontrastmittelgestützte MRT-Untersuchung als anerkannte primäre Bildgebung, gegebenenfalls ergänzt durch Ultraschall und digitale Mammographie. Die Mammographie ist derzeit die einzige evidenzbasierte Methode zur systematischen Brustkrebs-Früherkennung mit nachgewiesenem Effekt auf die Brustkrebs-Sterblichkeit, die nach randomisierten Studien um mehr als 20 Prozent gesenkt wird.“

Quelle: Pressemeldung des Science Media Center Germany (21.5.25)

Referenzen:

1 Gilbert FJ et al. (2025): Comparison of supplemental breast cancer imaging techniques—interim results from the BRAID randomised controlled trial. The Lancet. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)00803-7
2 Leitlinienprogramm Onkologie (2021): Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. S3-Leitlinie.

Bilderquelle: © MedicalWorks_stock.adobe.com

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