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CDK4/6-Inhibitoren in der Zweitlinie: Gleich wirksam, aber weniger Nebenwirkungen

CDK4/6-Inhibitoren in der Zweitlinie: Gleich wirksam, aber weniger Nebenwirkungen

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Bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs können CDK4/6-Inhibitoren offenbar auch erst in der Zweitlinie gegeben werden, ohne dass sich das Überleben verschlechtert, dafür aber mit weniger Nebenwirkungen. Das zeigt eine Studie aus den Niederlanden, über die Forschende jetzt in Nature berichten.

CDK4/6-Inhibitoren verbessern die Outcomes von Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs, wenn sie zusammen mit der endokrinen Therapie gegeben werden. Sie können in der Erst- oder Zweitlinie eingesetzt werden.

In der SONIA-Studie untersuchte die Forschungsgruppe um Gabe S. Sonke von der Abteilung für Medizinische Onkologie am Niederländischen Krebsinstitut in Amsterdam, ob einer der beiden Zeitpunkte besser ist. „Rando­misierte Daten zum Vergleich von CDK4/6-Inhibitoren als Erst- oder Zweitlinientherapie fehlten“, berichten die Studienautoren.

CDK4/6-Inhibitor direkt nach Diagnose oder erst in der Zweitlinie

In der Phase-III-Studie erhielten die nicht vorbehandelten Patientinnen den CDK4/6-Inhibitor entweder direkt nach der Diagnose eines fortgeschrittenen Mammakarzinoms (Erstlinientherapie, plus Aromatasehemmer) oder nachdem die vorherige endokrine Therapie versagt hatte (Zweitlinientherapie, plus Fulvestrant).

Nach einem medianen Follow-up von 37,3 Monaten zeigte sich, dass es keinen Unterschied machte, ob der CDK4/6-Inhibitor in der Erst- oder Zweitlinie eingesetzt worden war. Das progressionsfreie Überleben war in beiden Gruppen gleich (median 31,0 vs. 26.8 Monate; p=0,10), ebenso wie die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Eine exploratorische Analyse des Gesamtüberlebens zeigte auch dahingehend keinen Unterschied.

Signifikant längere Therapiedauer und mehr Nebenwirkungen

Patientinnen, die den CDK4/6-Inhibitor in der Erstlinie erhielten, verwendeten das Medikament aber 16,5 Monate länger als die Patientinnen, die ihn erst in der Zweitlinie erhielten (median 24,6 vs. 8,1 Monate). Diese signifikant längere Behandlungsdauer hatte keinen zusätzlichen Nutzen für die Frauen, war aber mit 74 % mehr Nebenwirkungen assoziiert. Während mit dem CDK4/6-Inhibitor in der Erstlinie 2.763 Nebenwirkungen vom Grad ≥ 3 auftraten, waren es mit dem CDK4/6-Inhibitor in der Zweitlinie 1.591.

Die Forschenden berichten, dass die längere Behandlungsdauer mit einem CDK4/6-Inhibitor in der Erstlinie auch mit signifikant höheren Kosten für das Gesundheitssystem einherging. Basierend auf dem Preisniveau der Niederlande habe dies pro Patientin einen Unterschied von etwa 30.000 Euro gemacht.

Studie stellt den derzeitigen Standard infrage

„SONIA stellt das allgemeine onkologische Prinzip infrage, die effektivsten Medikamente immer zuerst zu geben“, schreiben die niederländischen Forschenden. „Die Ergebnisse von SONIA sollten Ärzte dazu anregen, den aktuellen Standard, eine Erstlinientherapie mit CDK4/6-Inhibitoren, für ihre Patientinnen zu überdenken.“ Sie ergänzen, dass die derzeit verbreitete Empfehlung zum Einsatz in der Erstlinie nicht auf randomisierten Daten basiere, sondern vielmehr auf der Sorge, den Patientinnen eine effektive Therapie vorzuenthalten.

„SONIA bestätigt einmal wieder, dass sorgfältig durchgeführte Studien zur Therapiereihenfolge nötig sind, damit wir wissen, wie wir die uns zur Verfügung stehenden Medikamente optimal einsetzen können – und dass diese Art von akademischer Post-Marketing-Forschung von großem Nutzen für Patienten und Gesundheitssystem sein kann.“

© aerzteblatt.de

Bilderquelle: © Adobe Stock

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