Endometriose zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der Frau und stellt Betroffene, Ärztinnen und Ärzte sowie das Gesundheitssystem vor erhebliche Herausforderungen. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie der Endometriose im Jahr 2026 – von der klinischen Erstvorstellung über bildgebende Verfahren bis hin zu konservativen, operativen und digitalen Behandlungsstrategien.
Einleitung: Endometriose als chronische Erkrankung
Endometriose ist eine der häufigsten benignen, chronischen und nicht selten progredient verlaufenden Erkrankungen der Frau. Sie betrifft bis zu zehn Prozent aller Frauen im reproduktiven Alter, wobei Prävalenz- und Inzidenzschätzungen aufgrund erheblicher Heterogenität variieren [1].
Charakteristische Symptome sind:
- Dysmenorrhoe
- Dyspareunie
- Dysurie
- Dyschezie
- Fertilitätsstörungen
Aber auch zyklusunabhängige Unterbauchschmerzen oder chronische Beckenschmerzen, Blutungsstörungen (z. B. Hypermenorrhoen) oder gastrointestinale Störungen (Endobelly/Blähbauch, Übelkeit, Stuhlunregelmäßigkeiten) können auftreten. Viele Betroffene berichten über eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität, unter anderem durch Fatigue und starken individuellen Leidensdruck [2–4].
Trotz zunehmender Sensibilisierung bleibt die Erkrankung häufig unterdiagnostiziert. Zwischen Erstmanifestation und gesicherter Diagnose liegen im Durchschnitt sieben bis zehn Jahre. Gründe hierfür sind:
- eine heterogene Beschwerdesymptomatik bei multifaktorieller Genese der Erkrankung
- eine komplexe Diagnostik, welche spezifische Fachkompetenz erfordert
- eine ungleiche strukturelle Versorgung [5]
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in spezialisierten und zertifizierten Zentren für eine zielgerichtete und personalisierte Therapie der Erkrankung rückt demnach immer weiter in den Fokus [5].
Neben der medizinischen Dimension und dem nicht unerheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der betroffenen Frauen hat Endometriose eine erhebliche gesundheitsökonomische Relevanz. Wiederkehrender Behandlungsbedarf, Langzeitmedikation und chronische Schmerztherapien verursachen hohe Kosten. Außerdem kommen Fehlzeiten und Produktivitätsverluste hinzu.
Die aktuelle Versorgungslandschaft in Deutschland zeigt eine wachsende Zahl zertifizierter Endometriosezentren, die sich auf interdisziplinäre Kooperationen zwischen Gynäkologie, Chirurgie, Urologie, Schmerztherapie, Radiologie und Psychosomatik stützen. Zudem können physiotherapeutische und weitere supportive Behandlungen erfolgen. Parallel entstehen neue digitale Versorgungskonzepte, wie digitale Gesundheitsanwendungen (z. B. Endo-App) oder das Innovationsfondsprojekt EndoEVE [6]. Letzteres ist als Kooperationsprojekt der Universitätskliniken Halle, Tübingen und Heidelberg angelegt. Hier werden durch Telemedizin, Ergebnisse aus Patientinnensicht (Patient-Reported Outcomes, PROMs) und strukturierte Verlaufsanalysen neue Wege in der Betreuung eröffnet.
Vom Symptom zur sicheren Diagnose
Die Diagnostik der Endometriose beruht auf einem mehrstufigen Konzept, das klinische Anamnese, körperliche Untersuchung und Sonographie umfasst. Ergänzend können bei gezielter Fragestellung eine komplementierende Magnetresonanztomographie (MRT) und eine diagnostische Laparoskopie durchgeführt werden (▶ Abb. 1). Letztere kommt im Rahmen der Diagnostik vor allem bei Verdacht auf oberflächliche, peritoneale Endometriose (also in der Sonographie schlecht oder gar nicht darstellbare Befunde), Beschwerdepersistenz unter Hormontherapie, atypischen Beschwerden oder im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung in Frage.

Entscheidend für die Festlegung des diagnostischen Procederes ist eine symptombasierte, strukturierte Anamnese. Klassische Hinweise sind:
- zyklische Schmerzen und Dysmenorrhoe
- Dyspareunie
- rezidivierende gastrointestinale oder urologische Beschwerden
- unerfüllter Kinderwunsch
Die Kombination mehrerer Symptome, insbesondere in Verbindung mit auffälliger Familienanamnese oder Voroperationen, gibt deutliche Hinweise auf das Vorliegen einer Endometriose [7, 8]. Grundsätzlich gilt, dass bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich Diagnostik und anschließender Therapie stets der Wille der Patientin berücksichtigt werden muss.
Klinische Untersuchung
Die klinische Untersuchung dient primär der Orientierung. Folgende Befunde können Hinweise auf eine tief infiltrierende Endometriose (deep infiltrating endometriosis, DIE) liefern:
- Druckschmerzhaftigkeit im Douglasraum
- Knoten im hinteren Fornix
- vaginaler Endometriosebefall
- retrahierter Uterus
- eingeschränkte Mobilität
Ihre Sensitivität ist jedoch begrenzt, weshalb die Bildgebung eine zentrale Rolle spielt [4, 7, 8].
Bildgebung: Transvaginaler Ultraschall und MRT
Die transvaginale Sonographie (TVS) stellt das wichtigste bildgebende Verfahren dar [9]. Nach dem IDEA-Konsensus (International Deep Endometriosis Analysis) wird eine standardisierte, systematische Beurteilung des kleinen Beckens empfohlen – einschließlich Ovarien, Uterus, Blase, Darm und Douglasraum. Mit modernen Geräten und entsprechender Erfahrung können Ovarialendometriome (▶ Abb. 2), Adenomyose (▶ Abb. 3, mit Hilfe der MUSA-Kriterien) sowie tiefe Infiltrate (▶ Abb. 4, 5) mit hoher Spezifität erkannt werden [10]. Ausgenommen bleibt lediglich die Peritonealendometriose.
Auch eine Nierensonographie sollte routinemäßig durchgeführt werden, mindestens aber bei Nachweis einer ovariellen Endometriose oder bei Verdacht auf eine tief infiltrierende Endometriose, um eine Beteiligung des Ureters mit konsekutiver Hydronephrose nicht zu übersehen. Auch bei Verdacht auf eine extragenitale Endometriose (etwa im Bereich einer Narbe) kann eine abdominale Sonographie notwendig werden [1].
Für komplexe oder mehrorganbeteiligte Befunde einer tief infiltrierenden Endometriose oder einer Adenomyose kann die Sonographie durch MRT ergänzt werden [4, 9]. Dies ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung der Ausdehnung, eine präzise OP-Planung und die Abklärung extraperitonealer Herde.
Diagnostische Laparoskopie
Die diagnostische Laparoskopie wird heute gezielt und indikationsbezogen eingesetzt, insbesondere wenn trotz adäquater Bildgebung diagnostische Unsicherheiten bestehen oder eine operative Sanierung geplant ist.
Die Laparoskopie dient in der Regel der diagnostisch-therapeutischen Einheit und sollte nicht mehr als primär diagnostisches Verfahren ohne therapeutische Konsequenz verwendet werden [1, 4].
C. Zappe, J. Schlatter, S. Wallwiener, M. Hoopmann, J. Andress, M. Wallwiener



