Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und ihre Langzeitfolgen waren ein Schwerpunkt des Hauptthemas Geburtshilfe beim FOKO 2026. Expertinnen und Experten betonten die Bedeutung einer konsequenten Blutdruckkontrolle während und nach der Schwangerschaft. Frauen mit Präeklampsie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für spätere kardiovaskuläre Erkrankungen. Eine strukturierte Nachsorge über Monate und Jahre hinweg kann dazu beitragen, chronische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Nachhaltige Medizin in der Geburtshilfe
Prof. Dr. Ekkehard Schleußner, Jena, eröffnete den Themenblock Geburtshilfe beim diesjährigen FOKO mit einem Blick auf die ökologische Verantwortung im medizinischen Alltag. Als Beispiel nannte führte er den Einsatz von Lachgas in der Geburtshilfe an. Obwohl es eine beliebte Methode zur Schmerzreduktion ist, hat Distickstoffmonoxid ein sehr hohes Treibhauspotenzial. Schleußner betonte die Bedeutung eines bewussteren Ressourceneinsatzes nach den Prinzipien der „5R” (reduce, reuse, recycle, repair, refuse, rot). Man sollte sich immer fragen, wo man reduzieren, wiederverwenden, recyceln und reparieren kann, so der Experte. Ein Aspekt den Schleußner in diesem Kontext als sehr einfach adressierbar nannte, ist die Telemedizin.
Gerade für Beratungsgespräche hat sich die Videosprechstunde als praktikable Alternative erwiesen
Prof. Dr. med. Ekkehard Schleußner, Universitätsklinikum Jena, Klinik für Geburtsmedizin
Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen behandeln
Prof. Dr. Ulrich Pecks, Würzburg, widmete sich den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen und deren lebensbedrohlichen Komplikationen. Besonders kritisch ist eine schwere Hypertonie mit Blutdruckwerten über 160/110 mmHg. Studien zur mütterlichen Mortalität zeigen, dass ein Großteil der Todesfälle im Zusammenhang mit Präeklampsie oder Eklampsie steht.
Bereits Werte ab 140/90 mmHg sollten als Hypertonie gewertet und wiederholt kontrolliert werden. […] Neue Studiendaten zeigen, dass eine engere Blutdruckkontrolle mit Zielwerten um etwa 135/85 mmHg […] das Risiko für schwere Hypertonie und Präeklampsie reduziert.
Prof. Dr. med. Ulrich Pecks, Universitätsklinikum Würzburg, Frauenklinik und Poliklinik
Langzeitnachsorge nach Schwangerschaftskomplikationen
Prof. Dr. Bettina Kuschel aus München richtete den Blick auf die Zeit nach der Geburt – das sogenannte „vierte Trimester”. Frauen mit hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für spätere kardiovaskuläre Erkrankungen. Aktuelle Studien aus Großbritannien belegen, dass eine engmaschige Blutdruckkontrolle unmittelbar nach der Geburt langfristige Vorteile bringt.
Dr. med. Joscha Steetskamp aus Mainz betonte die Notwendigkeit einer strukturierten Nachsorge. „Schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Frauen entwickeln hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, eine ähnliche Zahl ist von Gestationsdiabetes betroffen. Diese Patientinnen benötigen eine strukturierte Nachsorge, die weit über die ersten Wochen nach der Geburt hinausgeht”, so Steetskamp. Schwangerschaftskomplikationen müssen als langfristige Gesundheitsmarker verstanden werden. Eine strukturierte und langfristige Nachsorge sollte selbstverständlich sein. In diesem Zusammenhang wies Steetskamp auf die hohe Relevanz eines gesunden Lebensstils hin, der zu einer deutlichen Reduktion des langfristigen kardiovaskulären Risikos beitragen könne.
Sonja Buske
Quelle: 3. Hauptthema „Geburtshilfe“, BVF Fortbildungskongress (FOKO) 2026, 05. März 2025



