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Genomsequenzierung als Baustein in der Brustkrebstherapie

Visualisierung einer DNA-Sequenz mit digitalen Daten, die Genetik und künstliche Intelligenz symbolisiert.

Genomsequenzierung als Baustein in der Brustkrebstherapie

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Erschienen in: gyne

Die Sequenzierung des Genoms identifiziert bei Brustkrebs genetische Merkmale, die die Behandlung unmittelbar beeinflussen können. Eine Studie der University of Cambridge analysierte Daten von fast 2.500 Frauen. Die Forschenden fanden bei 27 % der Patientinnen genetische Merkmale, die für eine zielgerichtete, personalisierte Therapie herangezogen werden können. Bezieht man diese Daten auf Großbritannien, so entspricht dies über 15.000 Patientinnen jährlich. Bei ER+HER2- Brustkrebs führten genetische Marker zu deutlich präzisieren Prognosen als traditionelle Methoden. Im Rahmen der Studie wiesen 15 % der analysierten Genome Merkmale auf, die für künftige Forschung interessant sind.

Genomsequenzierung bei Brustkrebs

Im Jahr 2022 erkrankten weltweit 2,3 Millionen Frauen an Brustkrebs. 670.000 Frauen starben an der Erkrankung. Die Genomsequenzierung gewinnt als Baustein der personalisierten Therapie zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt, weil die Methode immer erschwinglicher wird. Sie ermöglicht eine präzisere Behandlung und bessere Prognosen. Ein Forschungsteam um Professorin Serena Nik-Zainal von der University of Cambridge widmete sich der Fragestellung, wie sich diese Technologie in der klinischen Praxis umsetzen lässt. Die Genomsequenzierung könnte jährlich allein in Großbritannien über 15.000 Brustkrebspatientinnen eine optimierte Therapie bieten. Zudem kann die Zuordnung von Patientinnen zu klinischen Studien verbessert werden.

Daten von fast 2.500 Frauen analysiert

Professorin Serena Nik-Zainal und ihr Team nutzten Daten von fast 2.500 Frauen aus ganz England. Die Daten stammen aus der National Genomic Research Library. Die Frauen wurden für das 100.000 Genomes Project rekrutiert. Die Forschenden verknüpften die Daten mit klinischen Aufzeichnungen und verfolgten die Ergebnisse über fünf Jahre. Sie suchten nach genetischen Veränderungen, die Brustkrebs verursachen oder beeinflussen. Die Studie erschien in The Lancet Oncology.

Personalisierte Behandlung für 27 % möglich

Die Forschenden fanden bei 27 % der Brustkrebsfälle genetische Merkmale, die für die Festlegung einer personalisierte Behandlung relevant sind. Diese Behandlung kann dann entweder durch Wahl eines geeigneten Medikaments oder durch Zuordnung zu passenden Studien erfolgen.

Die identifizierten Merkmale enthielten beispielsweise

HRD (Homology-Directed Repair Deficiency) bei 12 % aller Brustkrebsfälle, einzigartige Mutationen für gezielte Medikamente, Anzeichen von Hormontherapie-Resistenz und Mutationsmuster.

  • HRD (Homology-Directed Repair Deficiency), in 12 % aller Mammakarzinome gefunden
  • individuelle Mutationen, die den Einsatz einer ganz bestimmter Medikation ermöglichen
  • Anzeichen für Resistenzen gegenüber hormonellen Therapien
  • Mutation(en) im Tumor selbst, die ihn für bestimmte Behandlungen besonders angreifbar machen

Weitere 15 % für künftige Forschung relevant

Die Forschenden identifizierten zusätzlich in 15 % der sequenzierten Genome Merkmale, die für zukünftige Forschung ins Auge gefasst werden können. So beispielsweise Probleme mit DNA-Reparaturmechanismen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung Großbritanniens also weitere 8.300 Frauen jährlich, die dann eine gezielte Behandlung erhalten könnten.

Prognose bei ER+HER2- Brustkrebs verbessert

Bei ER+HER2- Brustkrebs, dem häufigsten Subtyp (etwa 70 % der Diagnosen) wurden starke genetische Indikatoren identifiziert, die dabei unterstützen können, die Aggressivität des Tumors zu beurteilen. Diese genetischen Marker waren prädiktiver als traditionelle Maßnahmen wie Alter, Krankheitsstadium oder Tumorgrad.

Zukunftswind in der Behandlung des Mammakarzinoms

Die Forschenden erstellten einen Rahmen zur Unterstützung des behandelnden Fachpersonals. Diese Herangehensweise hilft zu identifizieren, welche Art der Therapie Patientinnen benötigen. Sie zeigt, wo aggressiver und wo weniger intensiv behandelt werden muss.

Die Studienverantwortliche Nik-Zainal betont, dass diese Herangehensweise jährlich für tausende von Patientinnen relevant sein kann und bei der Ausarbeitung individueller Behandlungskonzepte von Nutzen sein kann:

Now that we have population-level evidence of how impactful whole-genome sequencing could be, we have the potential to make a difference to thousands of patients’ lives every year, helping tailor their care more precisely, giving more treatment to those who need it and less to those who don’t.

Professorin Serena Nik-Zainal, Department of Genomic Medicine und Early Cancer Institute der University of Cambridge

Die Whole-Genome-Sequenzierung könnte zudem die Rekrutierung für klinische Studien transformieren. Derzeit werden Patientinnen nur auf wenige genetische Mutationen getestet. Mit dem vollständigen genetischen Profil ließen sich Patientinnen für mehrere klinische Studien parallel rekrutieren. Dies würde die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen und die richtigen Behandlungen schneller zu den richtigen Patientinnen bringen.

KI-gestützt, redaktionell bearbeitet nh

Quellen:

Pressemitteilung der University of Cambrigde

Originalpublikation in The Lancet Oncology

Bildquelle: © MUMATZ – Adobe Stock

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