Forschende haben eine neue Schwachstelle bei therapieresistentem Brustkrebs entdeckt. Tumorzellen, die beim HR-positiven, HER2-negativen Mammakarzinom gegen Standardmedikation wie beispielsweise CDK4/6-Inhibitoren resistent wurden, entwickeln eine metabolische Verwundbarkeit. Medikamente wie Metformin, die in den Energiestoffwechsel eingreifen, lösen das Absterben dieser Zellen aus. Die Studie eröffnet neue Optionen für eine personalisierte Krebsmedizin und könnte künftig helfen, Patientinnen passgenauere Behandlungen anzubieten.
Forschung an Tumorzellen mit Therapieresistenz
Forschende der Philipps-Universität Marburg haben einen neuen Ansatz zur Behandlung therapieresistenter Formen des Brustkrebses identifiziert. Die Studie fokussiert auf das hormonrezeptor-positive, HER2-negative Mammakarzinom, welches bei rund 70 Prozent aller Brustkrebspatientinnen vorliegt. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden um Luise von Wichert und Dr. Niklas Gremke in der Fachzeitschrift Cell Death & Disease.
Neue Schwachstelle bei resistenten Tumorzellen entdeckt
Anhand von experimentellen Modellen konnte gezeigt werden, dass Tumorzellen, die gegen moderne Standardmedikationen wie CDK4/6-Inhibitoren resistent geworden sind, eine bislang unerkannte metabolische Verwundbarkeit entwickeln. Medikamente wie Metformin oder Dichloracetat, die in den Energiestoffwechsel eingreifen, versetzen diese Zellen unter massiven Energiestress und lösen ihr Absterben aus. Da CDK4/6-Inhibitoren heute Standard in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Krebsstadiums sind, adressiert die Arbeit einen erheblichen klinischen Bedarf.
Die Studie fokussiert auf Therapieresistenzen nach anfänglich erfolgreicher Behandlung,
Dr. med. Niklas Gremke, Institut für molekulare Onkologie Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg, Letztautor
Programmierter Zelltod durch metabolischen Stress
Im Zentrum der Arbeit steht die funktionelle Modellierung ausgeprägter CDK4/6-Inhibitor-Resistenzen unter kontrollierten Laborbedingungen. Die Forschenden charakterisierten systematisch die molekularen und metabolischen Eigenschaften stark resistenter Zellklone. Dabei zeigte sich ein klar definierter Phänotyp: eine Überaktivierung des mTOR-Signalwegs, eine gehemmte Autophagie und eine ausgeprägte Abhängigkeit vom Energiestoffwechsel.
Die mTOR-Überaktivität führt dazu, dass die Zellen ihre Fähigkeit verlieren, Energiemangel durch Autophagie zu kompensieren.
Wird zusätzlich metabolischer Stress induziert, etwa durch das Medikament Metformin, reagieren die resistenten Zellen mit programmiertem Zelltod.
Luise von Wichert, med. Doktorandin am Institut für molekulare Onkologie Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg, Erstautorin
Resistenz als therapeutische Chance
Nachwuchsgruppenleiter Gremke ordnete die Ergebnisse in den Kontext der Therapie ein und erklärte, dass Resistenzen nicht nur Therapieversagen bedeuten würden, sondern als Chance für neue therapeutische Verwundbarkeiten der Krebszellen zu begreifen seien. Anstatt Resistenz also als unspezifisches Fortschreiten der Erkrankung zu betrachten, identifiziert die Studie einen biologisch klar definierten Resistenz-Subtyp.
Personalisierte Krebsmedizin als Ziel
Langfristig könnte es dadurch möglich werden, Patientinnen nach dem Versagen einer CDK4/6-Therapie genauer zu untersuchen. Ärztinnen und Ärzte könnten dann besser unterscheiden, welche Patientinnen von einer weiteren Behandlung profitieren, die gezielt den Energiestoffwechsel der Tumorzellen angreift. Die Studie trägt damit zu einer stärker personalisierten Krebsmedizin bei: Ziel ist es, betroffenen Patientinnen passgenauere und wirksamere Behandlungsoptionen anzubieten.
Quellen:
- Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg vom 04.03.2026: Krebsmedizin: Neue Schwachstelle bei therapieresistentem Brustkrebs entdeckt
- Von Wichert L, Stroh A, Witt M et al. mTOR-driven autophagy suppression defines metabolic vulnerability in CDK4/6 inhibitor-resistant HR+/HER2− breast cancer . Cell Death & Disease 2026; 17: 235



