Kardiologie » Prävention und Rehabilitation

»

Blick durch die Haut: Neue Technologie erkennt Herzrisiken frühzeitig

Mikroskopische Darstellung roter Blutgefaesse und Kapillaren bei der Hautdiagnostik

Quelle: Hemholtz Zentrum München

Blick durch die Haut: Neue Technologie erkennt Herzrisiken frühzeitig

News

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen – dabei beginnen viele Verläufe mit kaum wahrnehmbaren Veränderungen in den kleinsten Blutgefäßen. Die neue Bildgebungstechnologie fast-RSOM ermöglicht erstmals eine nicht-invasive, hochauflösende Diagnostik dieser mikrovaskulären Frühzeichen direkt durch die Haut. Entwickelt von Forschenden der Helmholtz Munich und der TU München, könnte sie die kardiovaskuläre Früherkennung und Prävention grundlegend verbessern.

Winzige Gefäße, große Bedeutung

Veränderungen in den kleinsten Blutgefäßen – den Kapillaren – gehören zu den frühesten Warnsignalen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese sogenannte mikrovaskuläre Endothel-Funktionseinschränkung (MiVED) blieb bislang schwer messbar, da präzise, nicht-invasive Methoden fehlten. Forschende von Helmholtz Munich und der Technischen Universität München (TUM) haben nun mit „fast-RSOM” eine Technologie entwickelt, die genau diese Lücke schließt.

Früherkennung, bevor Symptome auftreten

Fast-RSOM liefert hochauflösende, dynamische Biomarker, die subtile Gefäßveränderungen erfassen – lange bevor klassische Symptome oder makroskopische Krankheitszeichen auftreten. Besonders relevant ist dies für Personen mit bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht. Anders als herkömmliche Risikoberechnungen misst die Technologie quantitativ die tatsächlichen Auswirkungen dieser Faktoren auf das Mikrogefäßsystem.

Wie funktioniert RSOM?

RSOM (Raster-Scan-Optoakustische Mesoskopie) nutzt Lichtimpulse, um Ultraschallsignale zu erzeugen und dreidimensionale, hochdetaillierte Bilder von Strukturen unterhalb der Hautoberfläche zu erstellen. Die Methode erkennt kleinste Veränderungen in Blutgefäßen, Sauerstoffgehalt und Gewebezusammensetzung – Informationen, die herkömmliche Bildgebungsverfahren nicht liefern können. Das kompakte und tragbare Gerät könnte künftig auch außerhalb spezialisierter Labore eingesetzt werden.

Vom Labor in die Praxis

Die Forschenden planen, fast-RSOM in größeren Patientengruppen zu validieren und die gewonnenen Biomarker in klinische Routineabläufe zu integrieren. Dank des portablen Designs ist ein Einsatz in ambulanten Einrichtungen für regelmäßige kardiovaskuläre Risikoabschätzungen denkbar. Langfristig könnte die Technologie nicht nur die Patientenversorgung verbessern, sondern auch zu einer Senkung der Gesundheitskosten beitragen.

Originalpublikation: He H et al. Single-Capillary Endothelial Dysfunction resolved by Optoacoustic Mesoscopy. Light Sci Appl 2026 Jan 3; 15(1): 37

Quelle: Pressemitteilung des Hemholtz Zentrum München

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D-Illustration von Erythrozyten und Lipidpartikeln im Blutgefäß – Symbol für erhöhtes LDL-Cholesterin

Evolocumab senkt Herzinfarkt-Risiko bei Hochrisikopatienten um 31 %

Pharmaservice

Der PCSK9-Antikörper Evolocumab (Repatha®) reduziert laut einer neuen Subgruppenanalyse der VESALIUS-CV-Studie das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei Hochrisikopatienten ohne bekannte Atherosklerose signifikant – noch bevor es zu einem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt.

Kardiologie

Dyslipidämien

Beitrag lesen
Zwei kabellose Schrittmacher des AVEIR DR Systems von Abbott, modellhaft im Herz platziert, verbunden durch Signalwellen

Kabelloser Schrittmacher: Auch im jungen Alter eine Option

Pharmaservice

Zweikammer-Schrittmacher ohne Kabel und subklavikuläre Aggregate gelten als elegante Alternative zum klassischen Pacing. Bei passender Indikation und individueller Programmierung sind jahr(zehnt)elange Laufzeiten möglich.

Kardiologie

Herzrhythmusstörungen

Beitrag lesen
Digitale Röntgenillustration eines menschlichen Körpers mit hervorgehobenem Herzen und EKG-Kurve

Tirzepatid: Neuer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist mit kardiovaskulärem Nutzen

Pharmaservice

Adipositas ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Wirkstoff Tirzepatid könnte die Behandlung grundlegend verändern – das zeigen aktuelle Studiendaten.

Kardiologie

Adipositas

Beitrag lesen