Kardiologie » Prävention und Rehabilitation

»

Jugendliche über Energy Drinks aufklären

Profi-Gamer trinkt nachts Energy-Drink

Jugendliche über Energy Drinks aufklären

News

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Zwei Drittel der Jugendlichen in der EU konsumieren stark gezuckerte und koffeinhaltige Energy Drinks – nicht selten in größeren Mengen. Felix Oberhoffer, Abteilung Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin am LMU Klinikum München, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und hat eine von der Deutschen Herzstiftung unterstützte Studie durchgeführt. 

Der Blutdruck steigt bei gesunden Jugendlichen schon nach einem Energy Drink messbar an. Das hat die EDUCATE-Studie (Energy-Drinks: Unexplored Cardiovascular Alterations in TEens and TwEens) gezeigt. Auch Änderungen des Herzrhythmus wurden nach dem Konsum von Energy Drinks (100 ml pro 10 kg Körpergewicht) beobachtet.

Gefährliche Kombi: Engery Drink und Alkohol

Oberhoffers persönlicher Rat: „Kindern und Jugendlichen sollte vom Konsum von Energy Drinks abgeraten werden.“ Das gelte besonders, wenn das kardiovaskuläre Risiko zum Beispiel infolge Übergewichts erhöht ist, außerdem bei Herzerkrankungen (auch wenn sie ausgeheilt sind bzw. behandelt werden) und auch bei Einnahme von ADS-Medikamenten. Unbedingt sollten Jugendliche besser aufgeklärt werden, betont Oberhoffer. Sie müssen wissen, dass sie diese Getränke allenfalls in Maßen und nicht gleichzeitig mit Alkohol konsumieren sollten. Vor und während sportlicher Aktivitäten sind Energy Drinks ein absolutes „No Go“. Sport, Alkohol und Stress sind Trigger, die negative Auswirkungen von Energy Drinks auf die Gesundheit verstärken

Zwei Dosen können schon über dem Limit sein 

Problematisch ist vor allem der hohe Koffein-Gehalt von Energy Drinks. Eine 250-ml-Dose enthält im Schnitt 80 mg Koffein. Das ist dreimal so viel, wie in der gleichen Menge klassischer Cola-Getränke enthalten ist.

Bei Kindern und Jugendlichen sollten 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag nicht überschritten werden, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Im Klartext heißt das: Schon zwei Dosen eines Energy Drinks sind für einen Teenager mit einem Körpergewicht von 50 kg über dem Limit. Viele Kinder und Jugendliche konsumieren aber deutlich größere Mengen.

Abgesehen vom Koffein stehen Energy Drinks wegen des hohen Zuckergehalts in der Kritik, und laut neuen Studiendaten sind weitere Inhaltsstoffe wie Guarana und Taurin ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Zu akuten negativen Auswirkungen von Energy Drinks auf die Gesundheit zählen Herzrasen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden. Auf längere Sicht sind negative Auswirkungen eines fortgesetzten Konsums von Energy Drinks auf Herz, Nieren und Gehirn nicht auszuschließen.

Eine tragische Geschichte

Bei einem vorgeschädigten Herzen kann der Konsum von Energy Drinks sogar tödlich sein. Oberhoffer berichtet von einer 16-jährigen Schülerin, die im Unterricht aufgrund einer Herzrhythmusstörung kollabierte. Sie konnte zunächst reanimiert werden, verstarb dann aber einige Tage später in der Klinik. Es stellte sich heraus, dass das Mädchen unbemerkt eine Myokarditis durchgemacht hatte. In den drei Tagen vor dem Zusammenbruch hatte die Schülerin für eine Prüfung gelernt, sehr wenig geschlafen und große Mengen an Energy Drinks konsumiert. Für den tragischen Verlauf dürften Herzrhythmusstörungen infolge Myokarditis verantwortlich sein, die wahrscheinlich durch den exzessiven Konsum von Energy Drinks verstärkt wurden. 

Ein Verkaufsverbot für Energy-Drinks an Minderjährige wird kontrovers diskutiert. Verbraucherzentralen in Deutschland fordern dies schon länger für Getränke, die mehr als 150 mg Koffein pro Liter enthalten. Zurzeit sind in Deutschland in einem Erfrischungsgetränk 320 mg Koffein pro Liter erlaubt, und dieses Limit schöpfen Hersteller von Energy Drinks in der Regel voll aus. Produkte mit einem Koffeingehalt ab 150 mg/l müssen mit dem Warnhinweis gekennzeichnet werden, dass das Getränk für Kinder sowie schwangere und stillende Frauen nicht geeignet ist.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 19. November 2024

Bilderquelle: © Arsenii — stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt arbeitet am Laptop mit digitalen Symbolen für KI, Herzmedizin und Vernetzung

Digitale Kardiologie: BIOTRONIK, Charité und DHZC kooperieren

News

Berlin stärkt seine Rolle als europäisches Zentrum für digitale und translationale Herzmedizin – mit einer wegweisenden Forschungspartnerschaft und einer neuen Stiftungsprofessur.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Zwei PEARS-Patienten (Geschwister Severin) mit Prof. Ensminger und Pflegekraft Claudia Krieger nach erfolgreicher Aortenwurzel-Operation am UKSH Lübeck

UKSH: Schonende Aorten-OP ohne Herz-Lungen-Maschine

News

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gehört zu den Vorreitern in Deutschland beim PEARS-Verfahren – einer minimalinvasiven Alternative zur klassischen Hauptschlagader-Operation, die die eigene Aorta und Herzklappe erhält.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen
Ärztin hält Stethoskop an die Brust mit digitaler Herzdarstellung und EKG-Kurve – Symbol für das erhöhte Herzinfarktrisiko bei früher Menopause

Frühe Menopause: 40 % höheres Risiko für Herzerkrankungen

News

Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr in die Menopause kommen, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen. Das zeigt eine aktuelle US-Studie – und sie macht deutlich, warum das Menopause-Alter in der klinischen Praxis künftig stärker beachtet werden sollte.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen