Kardiologie » Herzrhythmusstörungen

»

Künstliche Intelligenz: Auf dem Weg zur Präzisionskardiologie

Künstliche Intelligenz: Auf dem Weg zur Präzisionskardiologie

News

Kardiologie

Herzrhythmusstörungen

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Zwei Experten erklären anhand von Herzrhythmusstörungen, wie Künstliche Intelligenz die kardiologische Diagnostik verändern wird. Auch mögliche Risiken und Herausforderungen werden dabei angesprochen.

Angesichts knapper personeller Ressourcen und hoher Krankheitslast unterstützt Künstliche Intelligenz (KI) die Kardiologie zunehmend bei Diagnose und Therapie. Besonders in der Akutversorgung kardiologischer Patientinnen und Patienten kann KI wertvolle Zeit sparen, betont Prof. Dr. Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung.

KI revolutioniert die Diagnose von Herzrhythmusstörungen

Ein Beispiel ist die Diagnose von Herzrhythmusstörungen: Die Auswertung eines EKGs ist komplex und erfordert viel Erfahrung, da große Datenmengen aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig analysiert werden müssen. Ein einziges EKG liefert über 120.000 Datenpunkte – hier kann KI Ärztinnen und Ärzte entlasten. Dies erklären die Kardiologen Privatdozent Dr. Philipp Breitbart und Prof. Dr. Thomas Arentz vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krozingen in der aktuellen Ausgabe von HERZ heute (2/2025), der Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung.

KI-basierte Programme können heute EKGs in Praxen und Kliniken schnell und präzise auswerten. Sie erkennen innerhalb von Sekunden auffällige Muster, zum Beispiel Vorhofflimmern – eine häufige, oft unbemerkte Herzrhythmusstörung, die das Schlaganfallrisiko erhöht. Wird Vorhofflimmern früh erkannt, kann rechtzeitig eine Therapie eingeleitet und das Komplikationsrisiko senken.

An der Mayo-Klinik im US-amerikanischen Rochester (Minnesota) wurde eine KI entwickelt, die selbst in unauffälligen EKGs erste Hinweise auf Vorhofflimmern findet. Zudem kann sie weitere Herzfunktionen und Erkrankungen, wie die Pumpleistung der linken Herzkammer, aber auch die Konzentration des für die Herzfunktion wichtigen Elements Kalium im Blut lässt sich zuverlässig aus den EKG-Daten bestimmen.

Chancen und Herausforderungen beim KI-Einsatz in der Therapie

KI unterstützt nicht nur die Diagnostik, sondern auch die Therapie, etwa bei Katheterablationen zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen, wie Dr. Breitbart und Prof. Arentz erklären – aber wo liegen die Grenzen?

Ein Beispiel ist die Katheterablation, bei der gezielt störende elektrische Impulse im Herzen ausgeschaltet werden. Studien zeigen, dass der Einsatz von KI die Behandlungserfolge verbessern und Rückfälle verringern kann. Gleichzeitig weisen Prof. Arentz und Dr. Breitbart darauf hin, dass auch Herausforderungen bestehen: Die Qualität der KI-Ergebnisse hängt maßgeblich von den verwendeten Trainingsdaten ab. Fehlerhafte oder unvollständige Datensätze können zu falschen Prognosen führen, weshalb auch geografische und kulturelle Unterschiede beim Training berücksichtigt werden müssen. Zudem sind viele KI-Systeme selbstlernend. Hier tritt das sogenannte „Back-Box-Phänomen“ auf: für den Mensch ist es nicht nachvollziehbar, wie die KI zu diesen Ergebnissen kommt, ein Resultat, dass möglicherweise nicht der Realität entspricht, sondern um eine „Zauberei“ des Computers handelt.

Dies wirft wichtige medizinethische und juristische Fragen:

  • Wie viel Verantwortung darf auf die KI übertragen werden?
  • Wer haftet, bei falscher Diagnosestellung über die KI?
  • Wie können die Sicherheit der Gesundheitsdaten gewährleistet werden?

Außerdem verbrauchen KI-Systeme viel Energie, was zusätzliche Umweltbelastungen verursachen kann. In der Europäischen Union wurden Richtlinien erlassen [1], die bei neuen KI-basierten Diagnoseverfahren einen Schwerpunkt auf überwachte Lernverfahren legen. KI wird dabei als unterstützendes Instrument für Ärztinnen und Ärzte gesehen, das Diagnostik und Therapie verbessern kann. Die ärztliche Expertise bleibt jedoch unverzichtbar – die endgültige Entscheidung und Verantwortung liegt weiterhin bei den medizinischen Fachkräften.

Literatur:

  1. KI-Gesetz: erste Regulierung der künstlichen Intelligenz: https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20230601STO93804/ki-gesetz-erste-regulierung-der-kunstlichen-intelligenz (abgerufen am 23.06.25)

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung

Bilderquelle: ©Toowongsa – Adobe Stock

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt arbeitet am Laptop mit digitalen Symbolen für KI, Herzmedizin und Vernetzung

Digitale Kardiologie: BIOTRONIK, Charité und DHZC kooperieren

News

Berlin stärkt seine Rolle als europäisches Zentrum für digitale und translationale Herzmedizin – mit einer wegweisenden Forschungspartnerschaft und einer neuen Stiftungsprofessur.

Kardiologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Zwei PEARS-Patienten (Geschwister Severin) mit Prof. Ensminger und Pflegekraft Claudia Krieger nach erfolgreicher Aortenwurzel-Operation am UKSH Lübeck

UKSH: Schonende Aorten-OP ohne Herz-Lungen-Maschine

News

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gehört zu den Vorreitern in Deutschland beim PEARS-Verfahren – einer minimalinvasiven Alternative zur klassischen Hauptschlagader-Operation, die die eigene Aorta und Herzklappe erhält.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen
Ärztin hält Stethoskop an die Brust mit digitaler Herzdarstellung und EKG-Kurve – Symbol für das erhöhte Herzinfarktrisiko bei früher Menopause

Frühe Menopause: 40 % höheres Risiko für Herzerkrankungen

News

Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr in die Menopause kommen, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen. Das zeigt eine aktuelle US-Studie – und sie macht deutlich, warum das Menopause-Alter in der klinischen Praxis künftig stärker beachtet werden sollte.

Kardiologie

Koronare und Gefäßerkrankungen

Beitrag lesen