Erhöhte Lipoprotein(a)-Werte stellen einen bedeutenden kardiovaskulären Risikofaktor dar, der etwa 20 % der Bevölkerung betrifft. Auf Basis epidemiologischer und pathophysiologischer Evidenz sollen Lp(a)-Werte über 50 mg/dL (105 nmol/L) als ein das kardiovaskuläre Risiko erhöhender Faktor betrachtet werden. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Lp(a)-Erhöhungen für die Primärprävention und zeigt diagnostische sowie therapeutische Konsequenzen auf – von der Früherkennung über RNA-basierte Wirkstoffe bis zur Behandlung traditioneller Risikofaktoren.
Bedeutung erhöhter Lipoprotein(a)-Werte
Auf Basis epidemiologischer und pathophysiologischer Evidenz sollen Lp(a)-Werte über 50 mg/dL (105 nmol/L) als ein das kardiovaskuläre Risiko erhöhender Faktor betrachtet werden. Entsprechend sind Lp(a)-Erhöhungen ein häufiger Grund für Vorstellungen in Lipidsprechstunden geworden.
Lp(a) ist ein den Low Density Lipoproteinen (LDL) ähnliches Lipoprotein. Eine Behandlung erhöhter Lp(a)-Werte ist erst seit kurzer Zeit mit RNA-basierten Wirkstoffen möglich geworden. Die laufenden randomisierten, placebokontrollierten Studien zum kardiovaskulären Outcome untersuchen derzeit vor allem den Nutzen einer Lp(a)-Senkung bei Patienten in der Sekundärprävention, also bei bereits vorliegenden klinischen Manifestationen atherosklerosebedingter Erkrankungen.
Welches Vorgehen sich für die Primärprävention ergeben kann, ist Ziel des vorliegenden Beitrags. Es beinhaltet erhebliche diagnostische und therapeutische Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf das durch die Lp(a)-Erhöhung gesteigerte kardiovaskuläre Risiko.
Lipoprotein(a): Struktur und Eigenschaften
Der Stand der Forschung zum Stellenwert von Lp(a)-Erhöhungen wurde beispielsweise im Deutschen Ärzteblatt bereits 2023 zusammenfassend dargestellt. Lp(a) unterscheidet sich von den LDL vor allem durch das kovalent an Apolipoprotein B-100 gebundene Apolipoprotein a. Lp(a) weist proinflammatorische und proatherogene Eigenschaften auf.
Genetische Determination und Messwerte
Die Konzentration von Lp(a) im Plasma ist zu über 90 % genetisch determiniert. Sie ist durch Lebensstil und bislang bei uns verfügbare Lipidsenker therapeutisch nicht oder nur fraglich präventionsrelevant beeinflussbar. Für die Bewertung einer Lp(a)-Erhöhung muss beachtet werden, dass die Höhe im Plasma in mg/dL oder in nmol/L angegeben wird.
Kardiovaskuläres Risiko erhöhter Lp(a)-Konzentrationen
Die Häufigkeit der Lp(a)-Konzentrationen in der Bevölkerung ist nicht normal verteilt. Das heißt, dass niedrige Werte häufiger sind. Werte mit erhöhtem Risiko, über 50 mg/dL oder > 105 nmol/L werden bei 20 % der Bevölkerung angenommen.
Assoziation mit Lebenszeitrisiko
Die Assoziation erhöhter Lp(a)-Konzentrationen mit dem Lebenszeitrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Die Relevanz von Lp(a)-Erhöhungen als Risikofaktor für atherosklerosebedingte Erkrankungen und für Aortenklappenstenose ist in einem Konsensus-Statement der European Atherosclerosis Society detailliert dargestellt worden.
Klinische Folgen erhöhter Lp(a)-Konzentrationen
In einer aktuellen Übersichtsarbeit von Arsenault BJ et al. sind die klinischen Folgen erhöhter Lp(a)-Konzentrationen detailliert zusammengefasst:
- Myokardinfarkt
- Kalzifizierende Aortenklappenstenose
- Herzinsuffizienz
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit
- Ischämischer Schlaganfall
- Abdominelles Aortenaneurysma
- Erhöhte kardiovaskuläre Mortalität
- Erhöhte Gesamtmortalität
Screening und Diagnostik
Die Bestimmung von Lp(a) sollte Bestandteil genereller Gesundheits-Checks sein. Besondere Relevanz hat das Screening bei Vorliegen erhöhter Lp(a)-Werte von Verwandten ersten Grades, vorzeitiger individueller oder familiärer Betroffenheit atherosklerosebedingter Erkrankungen und bei Betroffenheit von Familiärer Hypercholesterinämie (FH). Die Bestimmung von Lp(a) ist kosteneffektiv.



