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Telekardiologie in Deutschland

Digitale Herzmedizin: Arzt analysiert Herzdiagnose auf Laptop, digitale Diagnose und kardiologische Daten

Quelle: © Suriyo – Adobe Stock

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Telekardiologie in Deutschland

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Kardiologie

Herzrhythmusstörungen

mgo medizin Redaktion

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4 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Telekardiologie ist auf dem Vormarsch: Moderne Telemonitoring-Lösungen und Wearables ermöglichen eine frühzeitige Erkennung und bessere Behandlung von Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen. Der folgende Artikel zeigt aktuelle Entwicklungen, Studienergebnisse und neue Versorgungsmodelle in Deutschland – inklusive Chancen, Herausforderungen und regulatorischer Neuerungen für Ärzte und Patienten.

Generell bezeichnet Telemonitoring die Verwendung von Kommunikationstechnologien, um physiologische Daten, die den Gesundheitsstatus beschreiben zu übermitteln und zu überwachen. Die Telekardiologie umfasst Telemedizin (einfache Fernkommunikation), Telemonitoring (Fernübertragung von Messwerten), Telekonsultationen, Fernassistenz in der Telemedizin und Fernechodiagnostik. Ziel ist die Kontinuität der Patientenversorgung, frühzeitige Erkennung von Dekompensation bei Herzinsuffizienz, zeitnahe Anpassung von Therapien, Verbesserung der Lebensqualität und Reduktion von Klinik- und Notfallbesuchen. Randomisierte Studien, Real-World-Daten sowie Gesundheitsökonomie deuten auf einen Nutzen bei Telemonitoring von Herzinsuffizienz hin (Gewicht, Symptome, Blutdruck, EKG). In drei randomisierten Studien konnte erstmals die Reduktion der Mortalität neben der Reduktion von Hospitalisierungen nachgewiesen werden. Bei Herzrhythmusstörungen
zeigen Langzeitmonitoring und Fernübermittlung Vorteile in der Frühwarnung und Therapiekontrolle. Datenschutz, Datensicherheit und Interoperabilität bleiben zentrale Herausforderungen.

Sensorik

Für die Durchführung von Telemonitoring steht immer mehr Sensorik in verschiedenen Anwendungsformen zur Verfügung. Mittels externer Sensorik können Gewicht, Blutdruck, EKG und der Gesundheitszustand mit Fragen zum körperlichen Befinden erfasst werden. Auf dem Consumermarkt sind heute Wearables (elektronische Geräte, die am Körper getragen werden können und verschiedene Funktionen erfüllen) verfügbar. Die EKG-Qualität ist exzellent und für die Diagnostik von Herzrhythmusstörungen, insbesondere der Detektion von Vorhofflimmern, AVNRT oder Extrasystolie von Nutzen. Über implantierbare Sensoren lassen sich Drücke im Herzen, Herzrhythmusaufzeichnungen mittels Loop-Rekorder oder über implantierte Devices (CRT-Systeme, ICD, HSM) erfassen und für die Diagnostik bzw. Anpassung der Therapie nutzen.

Eine weitere wesentliche technische Entwicklung, die die Anwendung des Telemonitorings unterstützt, ist der Fortschritt in der Datenübertragung. Standen noch vor wenigen Jahren nur manuell zu aktivierende Analogmodule zur Verfügung, kann heute über digitale Netze (sofern sie verfügbare sind) ein digitaler Datentransfer automatisch erfolgen.

Herzinsuffizienz (HFrEF/ HFpEF) und Telekardiologie

Im Fokus der Anwendungen für die Telekardiologie in Deutschland steht die Herzinsuffizienz. Erste Hinweise auf den zusätzlichen Benefit mit Telemonitoring additiv zu einer maximal tolerierten Herzinsuffizienzmedikation und einer kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) erbrachte die HOME-CARE-Studie [1]. Die Verschlechterung der Herzinsuffizienz konnte anhand von sieben verschiedenen Parametern, die über das CRT-Device erfasst und in einem automatischen Analyseprogramm
ausgewertet wurden, mit einer Sensitivität von 65,4 % und einer Spezifität von 99,5 % erfasst werden. Die automatische Analyse erfolgte über das Home Monitoring, zu dem der betreuende Arzt einen Internetbasierten Zugriff hatte.


Das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz kann auf zwei Wegen erfolgen:

  • Typ 1: Aggregatbasiertes Monitoring (ICD, CRT-D oder CRT-P)
  • Typ 2: Monitoring mit externer Sensorik (EKG, RR, Gewicht, Selbsteinschätzung)

Die Nutzenbewertung durch das IQWIG (Institut für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) erfolgte anhand von vier Studien: Typ-1-Studien: IN-TIME, TELECART und Typ-2-Studien: TIM-HF und TIM-HF-2. In der randomisierten IN-TIME-Studie konnte gezeigt werden, dass Patienten in der Device-Gruppe mit Telemonitoring eine 30%ige Reduktion der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes gegenüber der Kontrollgruppe zeigten. Erstmals wurde in einer Studie mit Telemonitoring bei Herzinsuffizienz eine signifikante Reduktion der Gesamtmortalität (HM-Gruppe 3,4 % vs. Kontrollgruppe 8,7 %; p < 0,004) nachgewiesen [2]. In der TELECART-Studie war Telemonitoring der einzige Faktor zur Vorhersage einer Hospitalisierung, ohne die Gesamtmortalität oder die Ereignisse „Kardialer Tod“ zu beeinflussen [3]. Die TIM-HF- und die TIM-HF-2-Studie waren Herzinsuffizienz-Studien mit externer Sensorik und Anbindung an ein Telemedizinzentrum [4]. In TIM-HF-2 wurden 1.538 Patienten (NYHA II–III, LV-EF < 45 % oder 45 % + Diuretika) eingeschlossen [5]. Täglich wurde der Blutdruck, das Körpergewicht, ein EKG und Fragen zur Selbsteinschätzung übertragen. Das Ziel war die Früherkennung einer kardialen Dekompensation.
Telemonitoring reduzierte die Gesamtsterblichkeit gegenüber standardisierter Herzinsuffizienzbehandlung um 30 %.


Eine weitere Anwendung ist die Überwachung des pulmonal-arteriellen Drucks bei Herzinsuffizienz. Eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mitfinanzierte Studie zum PA-Druck-basierten Herzinsuffizienz-Management mittels eines implantierten Drucksensors befindet sich aktuell am Ende der klinischen Erhebung [6].

Eine Herausforderung stellen das Datenvolumen, False-Positive-Rate bei Alarmen sowie die Interoperabilität der Geräte mit elektronischen Patientenakten dar. Zudem kommen Fragen des Datenschutzes und nicht zuletzt die Patientenakzeptanz. Hierzu hat die EHRA-Arbeitsgruppe ein Positionspapier in 2020 vorgelegt [7].


Es bedarf sorgfältiger Implementierungskriterien: klare Alarmprotokolle, standardisierte Berichtsvorlagen, regelmäßige Telekonsultationen bei auffälligen Befunden sowie Schulung des Praxis- und Klinikpersonals. Hierzu hat die Arbeitsgruppe 33 Telemonitoring der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung Empfehlungen und Handlungsanweisungen erarbeitet [8–10]. Im Jahr 2023 ist ein umfangreiches Konsensuspapier der Heart Rhythm Society (HRS) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) erschienen, in dem die praktische Umsetzung des Remote Monitoring in einer spezialisierten Klinik („Remote Monitoring Clinic“) skizziert ist [11].

Autor: Prof. Dr. Stefan Sack

München Klinik Neuperlach, Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München
Oskar-Maria-Graf-Ring 51, 81737 München
E-Mail: Stefan.Sack@muenchen-klinik.de

Der gesamte Artikel ist in der herzmedizin 7/2025 und als CME-Beitrag in unserem CME-Portal erschienen.

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