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Vorhofflimmern: Beide Herzvorhöfe stärker betroffen als bisher gedacht

Dr. Christof Lenz, Dr. Aiste Liutkute und Prof. Dr. Niels Voigt (v.l.n.r.) im Labor der Universitätsmedizin Göttingen – Forschungsteam der Vorhofflimmern-Studie

Quelle: © umg/eva meyer-besting

Vorhofflimmern: Beide Herzvorhöfe stärker betroffen als bisher gedacht

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Neue Studienergebnisse der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) stellen ein bisheriges Grundverständnis der häufigsten Herzrhythmusstörung infrage: Bei anhaltendem Vorhofflimmern sind nicht nur der linke, sondern auch der rechte Herzvorhof tiefgreifend verändert. Die Erkenntnisse könnten die Behandlung der Erkrankung künftig beeinflussen.

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung weltweit. In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Herzstiftung rund 1,8 Millionen Menschen betroffen. Die Erkrankung entsteht durch ungeordnete elektrische Aktivität in den Herzvorhöfen, wodurch das Herz unregelmäßig und häufig zu schnell schlägt. Typische Beschwerden sind Herzrasen, Luftnot, Leistungsminderung und Erschöpfung.

Besonders folgenreich ist die sogenannte persistierende Form des Vorhofflimmerns, bei der die Rhythmusstörung nicht mehr von selbst endet. Sie erhöht das Risiko für Schlaganfall, Herzschwäche und vorzeitigen Tod erheblich und geht mit strukturellen und funktionellen Veränderungen des Herzgewebes einher.

Bisheriger Fokus: Der linke Vorhof

Forschung und Therapie konzentrierten sich bislang überwiegend auf den linken Herzvorhof und die dort einmündenden Lungenvenen, die als wesentliche Auslöser des Vorhofflimmerns gelten. Der rechte Vorhof wurde lange als weniger betroffen betrachtet.

Die neue Studie: Der rechte Vorhof unter der Lupe

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Niels Voigt (Molekulare Pharmakologie, UMG) und Dr. Christof Lenz (Leiter der Proteomics Service Unit, Medizinische Fakultät Göttingen) hat nun gemeinsam mit Dr. Aiste Liutkute (Postdoktorandin, Arbeitsgruppe Voigt) systematisch untersucht, ob und in welchem Ausmaß auch der rechte Vorhof bei langanhaltendem Vorhofflimmern betroffen ist.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Auch der rechte Vorhof unterliegt tiefgreifenden Umbauprozessen — und ähnelt dem linken Vorhof dabei zunehmend.

„Die Ergebnisse unserer Studie sprechen dafür, dass andauerndes Vorhofflimmern als Erkrankung beider Vorhöfe verstanden werden muss. Das könnte auch erklären, warum etablierte Therapien bei langanhaltendem Vorhofflimmern häufig nicht dauerhaft erfolgreich sind.”

Dr. Aiste Liutkute, Erstautorin der Studie

Methodik: Hochauflösende Proteinanalyse

Das Forschungsteam analysierte Gewebeproben aus beiden Herzvorhöfen von Patient:innen mit persistierendem Vorhofflimmern, die im Rahmen von Herzoperationen entnommen wurden. Als Vergleich dienten Proben aus gesunden Spenderherzen ohne bekannte Herzrhythmusstörungen.

Mithilfe moderner Massenspektrometrie — einem Verfahren zur präzisen Identifikation und Quantifizierung von Molekülen anhand ihrer Masse — untersuchten die Wissenschaftler:innen tausende Proteine gleichzeitig. Dabei erstellten sie zunächst eine umfassende Referenzbibliothek des menschlichen Herz-Proteoms, also der Gesamtheit aller Proteine im Herzgewebe.

Ergänzend wurden:

  • die Vernarbung des Herzgewebes mikroskopisch untersucht
  • auffällige Proteinveränderungen mit biochemischen Methoden bestätigt
  • Blutmarker zur Beurteilung der Herzbelastung bestimmt

Ergebnisse: Rechter Vorhof verliert sein typisches Profil

Die Analysen zeigen, dass im rechten Vorhof bei anhaltendem Vorhofflimmern ähnliche krankhafte Veränderungen auftreten wie im linken:

  • Verstärkte Vernarbung des Herzgewebes
  • Abbau wichtiger Herzmuskelstrukturen
  • Deutliche Hinweise auf Zellstress und Umbauprozesse
  • Beeinträchtigung der elektrischen Signalweiterleitung

Besonders auffällig: Viele der normalerweise bestehenden molekularen Unterschiede zwischen rechtem und linkem Vorhof verschwanden. Der rechte Vorhof verlor seine charakteristischen Proteinmarker und übernahm zunehmend Merkmale des linken — darunter Proteine, die mit verändertem Energiestoffwechsel und strukturellem Umbau der Herzmuskelzellen assoziiert sind.

Konsequenzen für die Therapie

Die Befunde könnten weitreichende klinische Implikationen haben. Aktuelle Behandlungsverfahren — etwa die Katheterablation — zielen überwiegend auf den linken Vorhof ab.

„Unsere Daten legen nahe, dass künftig möglicherweise beide Vorhöfe stärker berücksichtigt werden sollten.”

Dr. Christof Lenz, Leiter der Proteomics Service Unit der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen

Originalpublikation:

Liutkute A et al. Mass spectrometric proteome profiling using a deep spectral library reveals homogenization of right and left atrial proteomes in persistent atrial fibrillation patients. Cardiovasc Res 2026; 122(8): 1037–54

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)

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