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Bessere Überlebensraten bei Hirnmetastasen von Melanomen

Gehirntumor, 3D-Illustratio

Bessere Überlebensraten bei Hirnmetastasen von Melanomen

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Erschienen in: onkologie heute

Eine aktuelle dänische Studie zeigt Fortschritte in der Behandlung von Hirnmetastasen bei Melanompatienten. Fast 20 Prozent der Betroffenen überleben heute mehr als drei Jahre nach Diagnosestellung – ein bemerkenswerter Erfolg im Vergleich zur Ära vor modernen Systemtherapien.

Studienziel

Hirnmetastasen treten bei etwa 40 % der Patienten mit fortgeschrittenem Melanom auf und waren bisher mit einer besonders schlechten Prognose verbunden. Vor der Einführung moderner Systemtherapien überlebten die Patienten durchschnittlich nur etwa vier Monate. Die vorliegende Studie untersucht, wie wirksam verschiedene moderne Behandlungsstrategien bei Patienten mit Melanom-Hirnmetastasen (MBM) unter Real-World-Bedingungen sind. Besonderes Augenmerk lag auf Immuntherapien, zielgerichteten Therapien und lokalen Behandlungsansätzen.
Eingeschlossene Patienten

Die Studie umfasste 838 Patienten mit Melanom-Hirnmetastasen, die zwischen 2015 und 2022 in Dänemark diagnostiziert wurden. Die Patienten wurden über die metastasierte Melanom-Datenbank in Dänemark (DAMMED) identifiziert, die über 95 % aller Patienten mit metastasiertem Melanom in Dänemark erfasst. Zusätzlich wurden Patienten über lokale Strahlentherapie-Register und das Dänische Nationale Pathologie-Register erfasst.
Von den eingeschlossenen Patienten waren 60 % männlich, 75 % hatten einen Performance-Status von 0–1, und 35 % wiesen bei Diagnosestellung fünf oder mehr Hirnmetastasen auf. Bei 67 % der Patienten traten Symptome durch die Hirnmetastasen auf, und 55 % benötigten Kortikosteroide zur Symptomkontrolle. Bei 40 % der Patienten wurden die Hirnmetastasen im Rahmen eines Screenings entdeckt.

Studienarme

Es handelt sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit mehreren Behandlungsgruppen. Die Patienten erhielten verschiedene Therapieformen:

Systemische Therapie:
• BRAF/MEK-Inhibitoren (BRAF/MEKi)
• Anti-PD-1-Monotherapie
Kombinationsimmuntherapie (Ipilimumab plus Nivolumab)
Sequenzielle Therapie (BRAF/MEKi gefolgt von Immuntherapie)

Lokale Therapie:
• Chirurgische Resektion
• Stereotaktische Radiochirurgie (SRS)
• Ganzhirnbestrahlung (WBRT)
• Kombinierte Therapieansätze
Die primären Endpunkte umfassten das Gesamtüberleben (OS), das progressionsfreie Überleben (PFS) und die intrakranielle Ansprechrate (icORR). Sekundäre Endpunkte beinhalteten das 1-, 2- und 3-Jahres-Überleben sowie die Wirksamkeit bei Patienten mit leptomeningealer Erkrankung (LMD).

Studienergebnisse

Die mediane Gesamtüberlebenszeit für alle Patienten betrug 9,0 Monate, 19,4 Prozent der Patienten lebten nach der Diagnosestellung länger als drei Jahre. In der multivariaten Analyse waren mehrere Faktoren mit einer schlechteren Prognose assoziiert: Performance-Status ≥ 2 (HR 1,90), männliches Geschlecht (HR 1,35), erhöhte LDH-Werte (HR 1,58), zunehmendes Alter (HR 1,02), leptomeningealeen Erkrankung (HR 1,42), fünf oder mehr Hirnmetastasen (HR 1,92) und die Notwendigkeit von Kortikosteroiden (HR 1,45).

Bei den systemischen Therapien sprachen mit 56 % die meisten Patienten intrakraniell auf BRAF/MEK-Inhibitoren an, jedoch war das Langzeitüberleben begrenzt (3-Jahres-Überleben: 14 %). Auf die Kombinationsimmuntherapie mit Ipilimumab und Nivolumab sprachen 46 % mit einem deutlich besseren 3-Jahres-Überleben von 43 % intrakraniell an. Die Anti-PD-1-Monotherapie zeigte eine intrakranielle Ansprechrate von 28 Prozent und ein 3-Jahres-Überleben von 29 %.

Besonders vielversprechend waren die Ergebnisse bei 20 Patienten, die eine sequenzielle Therapie mit BRAF/MEK-Inhibitoren gefolgt von Immuntherapie erhielten. Diese Gruppe erreichte eine intrakranielle Ansprechrate von 70 % und ein 3-Jahres-Überleben von 49 %.

Bei Patienten mit leptomeningealer Erkrankung (n=67) betrug die mediane Überlebenszeit 8,4 Monate, wobei nur 8 % länger als drei Jahre überlebten. Die systemische Therapie zeigte bei diesen Patienten einen Überlebensvorteil gegenüber der Ganzhirnbestrahlung, jedoch gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Immuntherapie und BRAF/MEK-Inhibitoren.

Bei 230 Patienten, die sich einer chirurgischen Resektion unterzogen, erhielten 30 eine postoperative stereotaktische Radiochirurgie. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied im intrakraniellen progressionsfreien Überleben oder Gesamtüberleben zwischen Patienten mit und ohne postoperative Radiochirurgie.

Schlussfolgerungen

Die Autoren schlussfolgern, dass moderne Therapien das Überleben von Patienten mit Melanom-Hirnmetastasen deutlich verbessert haben. Insbesondere die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren zeigt dauerhafte Langzeitansprechraten. Die sequenzielle Therapie mit BRAF/MEK-Inhibitoren gefolgt von Immuntherapie erscheint als vielversprechender Ansatz für Patienten mit symptomatischen Hirnmetastasen, die eine rasche Tumorkontrolle benötigen, während gleichzeitig das Potenzial für ein Langzeitansprechen erhalten bleibt. Für Patienten mit leptomeningealer Erkrankung bleibt die Prognose trotz moderner Therapien ungünstig, was die Notwendigkeit weiterer Forschung und neuer therapeutischer Strategien für diese herausfordernde Patientengruppe unterstreicht.
Die Rolle der postoperativen stereotaktischen Radiochirurgie bei der Behandlung von Melanom-Hirnmetastasen bleibt unklar und erfordert weitere Untersuchungen.

Schwächen der Studie

Die Studie weist einige Limitationen auf. Als retrospektive Beobachtungsstudie besteht ein Risiko für Selektionsbias, insbesondere bei der Wahl der Erstlinientherapie. Patienten, die BRAF/MEK-Inhibitoren erhielten, hatten tendenziell eine symptomatischere Erkrankung und einen schlechteren Performance-Status, was die Vergleichbarkeit der Behandlungsgruppen einschränkt.

Die Anzahl der Patienten in einigen Untergruppen, insbesondere bei der sequenziellen Therapie mit BRAF/MEK-Inhibitoren gefolgt von Immuntherapie (n=20), war relativ klein, was die Aussagekraft der Ergebnisse limitiert.
Zudem fehlen detaillierte Daten zur Toxizität der verschiedenen Behandlungsstrategien, die für eine umfassende Nutzen-Risiko-Bewertung wichtig wären.

Zusammenfassung

Die dänische Studie zeigt, dass moderne Therapien das Überleben von Patienten mit Melanom-Hirnmetastasen deutlich verbessert haben. Fast 20 % der Patienten überleben heute mehr als drei Jahre nach Diagnosestellung. Die Kombinationsimmuntherapie mit Ipilimumab und Nivolumab zeigt die besten Langzeitergebnisse mit einem 3-Jahres-Überleben von 43 %. Ein vielversprechender Ansatz ist die sequenzielle Therapie mit BRAF/MEK-Inhibitoren gefolgt von Immuntherapie, die eine hohe Ansprechrate mit gutem Langzeitüberleben verbindet. Für Patienten mit leptomeningealer Erkrankung bleibt die Prognose trotz moderner Therapien ungünstig. Die Rolle der postoperativen stereotaktischen Radiochirurgie konnte nicht abschließend geklärt werden.

Publikation: Pedersen S, Johansen EL, Højholt KL et al. Survival improvements in patients with melanoma brain metastases and leptomeningeal disease in the modern era: Insights from a nationwide study (2015–2022) European Journal of Cancer 2025; 217: 115253

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Bilderquelle: © Dr_Microbe – stock.adobe.com

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