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Immuntherapie verbessert Heilungschancen bei Darmkrebs

Ärztliche Fachperson im weißen Kittel am Schreibtisch in einem Büro, im Kontext einer Studie zur Immuntherapie bei Darmkrebs

Quelle: © Jakob Studnar

Immuntherapie verbessert Heilungschancen bei Darmkrebs

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Bei bestimmten Darmkrebsformen verbessert eine Kombination aus Chemo- und Immuntherapie die Heilungschancen deutlich. Nach drei Jahren waren 86 Prozent der Behandelten weiterhin krankheitsfrei.

Ablauf der Studie

Zwischen September 2017 und Januar 2023 wurden 712 Patient*innen mit sogenanntem dMMR-Darmkrebs im Stadium III nach einer Operation in die Studie aufgenommen. DMMR steht für „deficient DNA mismatch repair“ und charakterisiert die Art des Tumors, bei der besonders viele Mutationen auftreten. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt sechs Monate lang eine Standard-Chemotherapie allein. Die andere Gruppe erhielt die Chemotherapie in Kombination mit Atezolizumab, gefolgt von weiteren sechs Monaten Atezolizumab als Monotherapie.

Nach drei Jahren waren 86,3 Prozent der Patient*innen, die mit Atezolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt wurden, weiterhin krankheitsfrei. In der Gruppe, die nur eine Chemotherapie erhielten, waren es nur 76,2 Prozent.

Klarer und bedeutsamer Nutzen der Immuntherapie

„Die ATOMIC-Studie stellt einen entscheidenden Fortschritt in der adjuvanten Behandlung von dMMR-Darmkrebs im Stadium III dar“, sagt Anke Reinacher-Schick. „Zum ersten Mal hat die Immuntherapie einen klaren und klinisch bedeutsamen Nutzen bei diesen Erkrankungen im Frühstadium gezeigt und damit einen neuen therapeutischen Standard etabliert.“

Die klinische Relevanz der Studie spiegelt sich in der Aufnahme der Studienergebnisse in die neuesten Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network wider, was die Rolle immuntherapiebasierter adjuvanter Behandlungsstrategien bei Hochrisikopatientengruppen untermauert.

Bedeutende akademische Partnerschaft

„Die Studie zeigt, wie internationale akademische Zusammenarbeit biomarkergestützte Forschung in klinische Ergebnisse umsetzen kann, die die Praxis verändern“, sagte Prof. Dr. Dirk Arnold (Asklepios Tumorzentrum Hamburg und Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie, AIO). „Die enge Partnerschaft zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschenden unterstreicht die Stärke akademischer Forschungsnetzwerke bei der Weiterentwicklung der Präzisionsonkologie.“

Deutsche Beteiligung

Die deutsche Beteiligung an der Studie wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Alliance und der AIO der Deutschen Krebsgesellschaft unter der nationalen Leitung von Anke Reinacher-Schick ermöglicht. AIO-angeschlossene Studienzentren nahmen in der späteren Rekrutierungsphase Patienten auf und sicherten so den Zugang für geeignete Patienten in Deutschland.

In Deutschland wurde die schnelle Identifizierung geeigneter Patienten deutlich durch das COLOPREDICT-Register (CPP-Register) der AIO erleichtert, das eine Schlüsselrolle beim Screening und der zeitnahen Rekrutierung spielte. „Dieser Erfolg unterstreicht die Bedeutung akademisch orientierter Forschungspartnerschaften und exzellenter transsektoraler Netzwerkstudien“, fügte Prof. Dr. Andrea Tannapfel, Direktorin des Instituts für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum und federführende Partnerin beim CPP-Register, hinzu.

Förderung

Die weltweite Studie in den USA wurde vom US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI), das zu den National Institutes of Health gehört, gefördert und von der Alliance for Clinical Trials in Oncology unter Beteiligung weiterer vom NCI finanzierter Gruppen des National Clinical Trials Network geleitet. Genentech, ein Mitglied der Roche-Gruppe, unterstützte die Studie im Rahmen einer Vereinbarung über kooperative Forschung und Entwicklung zwischen dem NCI und Genentech. Die Studie wurde weltweit von Dr. Frank A. Sinicrope, Professor für Onkologie an der Mayo Clinic und US-Hauptprüfer innerhalb der Alliance, geleitet.

Originalpublikation: Sinicrope FA, Ou FS, Arnold D et al. Atezolizumab plus FOLFOX for Stage III Mismatch Repair-Deficient Colon Cancer. N Engl J Med. 2026; 394(12): 1155-116 Quelle: Pressemitteilung Ruhr-Universität Bochum

Bildunterschrift: Anke Reinacher-Schick war an der Studie koordinierend beteiligt.

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