Chronische Entzündungen spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krebs und tragen Schätzungen zufolge zu bis zu einem Viertel aller bösartigen Tumoren bei. Wie steht es um das Krebsrisiko bei Personen mit VEXAS-Syndrom, einschließlich hämatologischer und nicht hämatologischer Neoplasien? Dem ging eine aktuell publizierte Studie mit Registerdaten aus Italien auf den Grund.
Das VEXAS-Syndrom (Vakuolen, E1-Enzym, X-chromosomal, autoinflammatorisch, somatisch) ist eine erworbene autoinflammatorische Erkrankung, die durch schwere chronische Entzündungen und ein erhöhtes Auftreten von hämatologischen Neoplasien gekennzeichnet ist. Es steht im Zusammenhang mit somatischen UBA1-Mutationen in hämatopoetischen Vorläuferzellen. Diese bilden die molekulare Grundlage schwerer systemischer Entzündungen und stehen häufig im Zusammenhang mit hämatologischen Erkrankungen, insbesondere dem myelodysplastischen Syndrom (MDS) und Plasmazellneoplasien.
Obwohl der Zusammenhang zwischen dem VEXAS-Syndrom und hämatologischen Malignomen gut beschrieben ist, ist der Zusammenhang zwischen dieser Erkrankung und soliden Tumoren noch unklar. Es gibt Hinweise auf eine potenziell onkogene Rolle des UBA1-Gens, das mit verschiedenen Neoplasien, darunter Lungenkrebs, in Verbindung gebracht wurde. Mittels Real World-Daten des internationalen Registers des AutoInflammatory Disease Alliance (AIDA) Network wurde nun das relative Risiko (RR) für Krebserkrankungen bei VEXAS-Patientinnen und -Patienten (n = 90) mit einer Kontrollkohorte verglichen, die sich aus Personen mit Morbus Still, Morbus Behçet und Schnitzler-Syndrom zusammensetzte (n = 174). Alle Teilnehmenden waren ≥ 60 Jahre alt.
Das gesamte relative Risiko (RR) für Krebs bei Personen mit VEXAS-Syndrom betrug 93 % (1,93, 95 % KI 1,03–3,60, p = 0,036). Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes stieg es auf 119 % und bei Personen im Alter zwischen 70 und 79,9 Jahren auf 150 %.
Die logistische Regressionsanalyse ergab Zusammenhänge zwischen der Krebsentstehung und der rezidivierenden Polychondritis (RR = 2,67, 95 % KI 1,22–10,64, p = 0,01). Darüber hinaus zeigten sich Assoziationen mit der p.Met41Thr-Mutation (RR = 3,33, 95 % KI 1,29–17,33, p = 0,02), einer erhöhten Erythrozytensedimentationsrate (ESR) (RR = 1,02, 95 % KI 1,01–1,05, p = 0,01) sowie erhöhten Laktatdehydrogenase (LDH)-Werten (RR = 1,02, 95 % KI 1,01–1,07, p = 0,04) außerhalb von Schüben.
Fazit
Das VEXAS-Syndrom geht im Vergleich zu anderen autoinflammatorischen Erkrankungen mit einem erhöhten Krebsrisiko einher. Dieses Risiko scheint bei Personen mit RP, der p.Met41Thr-Mutation sowie erhöhten ESRund LDH-Werten besonders ausgeprägt zu sein. Diese Befunde spiegeln laut den Forschenden möglicherweise nicht nur eine erhöhte Anfälligkeit für Malignome wider, sondern könnten darauf hindeuten, dass VEXAS eine pro-onkogene Erkrankung ist, die dem klinischen Entzündungsphänotyp vorausgeht und mit Neoplasmen einhergehen kann.
Martha-Luise Storre
Quelle: Gavioli F et al. VEXAS syndrome and cancer: Insights about a possible „Tip of the Iceberg“. Ambidirectional data from the international AIDA network registries. Semin Arthritis Rheum. 2026; 77: 152932
Aus dem Heft ärztliches journal onkologie 3/26



