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Augenärzte empfehlen Früherkennung gegen Keratokonus

Topografische Aufnahme eines ausgeprägten Keratokonus

Augenärzte empfehlen Früherkennung gegen Keratokonus

Praxiswissen

Ophthalmologie

Vorderer Augenabschnitt

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Bei auffälligen Sehverschlechterungen trotz Brille und auch dann, wenn ein Keratokonus in der Familie vorkommt oder andere Risikofaktoren vorliegen, sollten sich auch junge Menschen und sogar Kinder vom Augenarzt untersuchen lassen, so eine Empfehlung der DOC-Pressekonferenz.

Oft beginnt es mit einer Kurzsichtigkeit, die sich immer weiter verschlechtert. Dann kommt ein Astigmatismus dazu. Doch obwohl der Augenarzt Brille oder Kontaktlinsen anpasst, können die Patienten trotzdem nicht gut sehen.

Schwierige Diagnose

„Falls in solchen Fällen die Hornhautverkrümmung dann auch noch innerhalb weniger Monate oder Jahre zunimmt, sollten wir Augenärzte besonders sorgfältig hinsehen“, sagt Kongresspräsident Dr. Armin Scharrer. Denn hier bestehe der Verdacht, dass die Augenhornhaut dünner werde und sich krankhaft zum Keratokonus vorwölbe. Das könne man zwar heute mit modernen Methoden gut behandeln, so dass eine Hornhautverpflanzung nur noch selten nötig werde. Das Schwierige sei jedoch die Diagnose. Denn wie stark und besonders wie unregelmäßig die dünne und durchsichtige Hornhautoberfläche gewölbt sei, könne mit dem Spaltlampen-Mikroskop kaum erkannt werden.

Hohe Dunkelziffer

An Keratokonus leiden vermutlich sehr viel mehr Menschen als bisher vermutet. Offiziell sind es allein Deutschland etwa 40.000 Patientinnen und Patienten. Doch diese Zahl ist vermutlich veraltet. Nach neuesten Untersuchungen gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass die Dunkelziffer sehr viel höher liegt. Es könnten auch 100.000 Betroffene sein, möglicherweise sogar 150.000.

Frühe Untersuchung sinnvoll

Um ausgeprägte Formen des Keratokonus zu vermeiden, setzen Augenärzte jetzt verstärkt auf Früherkennung. Denn je früher eine Behandlung einsetzt, desto eher lässt sich das Fortschreiten des Keratokonus stoppen. Weil erste Anzeichen dieser Augenkrankheit oft schon in der Jugend oder sogar im Kindesalter auftreten können, empfiehlt Scharrer eine frühe Vorsorgeuntersuchung: Immer dann, wenn die krankhafte Hornhautvorwölbung in der engen Verwandtschaft aufgetreten ist, wie zum Beispiel bei Vater oder Mutter, solle man auch Kinder und Jugendliche untersuchen. Oder wenn sich ein Astigmatismus kontinuierlich verschlechtere, zum Beispiel um mehr als eine Dioptrie pro Jahr. Das könne auch bei Jugendlichen schon der Fall sein. Um erste Anzeichen für einen Keratokonus zu entdecken, eignen sich Geräte wie ein Hornhaut-Topograph oder eine Scheimpflugkamera.

Zwei Ratschläge für Betroffene

Hat der Augenarzt bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich erste Anzeichen für eine Hornhautvorwölbung entdeckt, ist meist jedoch noch keine Therapie nötig. Die betroffenen jungen Menschen sollten jedoch zwei Ratschläge beachten. Erstens sind ab sofort regelmäßige Untersuchungen, je nach Ausprägung, alle sechs bis zwölf Monate erforderlich, um zu kontrollieren, ob der Keratokonus fortschreitet. Und zweitens gibt es einen einfachen Trick, der jedoch tatsächlich sehr wirksam ist: Selbst wenn es stark juckt, sollte man nicht die Augen reiben.

Meist passiere zwar nichts, aber zumindest bei einigen Menschen könne häufiges Augenreiben die Entstehung und das Fortschreiten eines Keratokonus fördern.

Quelle: Kongress-Pressekonferenz der DOC 2023 am 15.06.2023 in Nürnberg

Bilderquelle: © DOC/Dr. Scharrer

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