Mit dem Schwerpunkt „KataraktPLUS“ und dem Motto „40 Jahre DGII“ findet Ende Februar der 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, interventionelle und refraktive Chirurgie statt. Vom 27. Februar bis 28. Februar 2026 trifft sich die Fachwelt im Confex Kölncongress und Zentrum für Augenheilkunde der Uniklinik Köln. Im Interview mit Concept Ophthalmologie verrät DGII-Präsident Prof. Dr. Marcus Blum, worauf sich Teilnehmende schon jetzt freuen dürfen.
Was sind die zentralen Ziele der DGII 2026?
Prof. Dr. Marcus Blum: Da die DGII meist im Februar oder Anfang März stattfindet, ist sie traditionell die erste größere Kongressveranstaltung für Augenärzte im Jahresverlauf. Unser Ziel ist es, ein Forum für alle Kolleginnen und Kollegen zu schaffen, die chirurgisch im Vorderabschnitt des Auges tätig sind. Unsere Tagung soll ihnen in Form von Kursen, Vorträgen und Referaten einen positiven Start ins Jahr ermöglichen. Da die DGII 2026 in Köln stattfindet wird sie inhaltlich natürlich maßgeblich von der Universitätsaugenklinik Köln mitorganisiert.
Dieses Jahr feiert die DGII ihr 40-jähriges Jubiläum. Wie spiegelt sich das im Programm wieder?
Natürlich haben wir uns zum vierzigjährigen Jubiläum etwas Besonderes ausgedacht und gehen bereits bei der Eröffnungssitzung am Freitag darauf ein. Unser Pressesprecher Ronald D. Gerste ist nicht nur Augenarzt, sondern auch Historiker. Weil er sich intensiv mit der Geschichte der Augenheilkunde beschäftigt hat, wird er in einem Jubiläums-Referat auf die Strukturen der deutschen Augenheilkunde vor 40 Jahren zurückblicken. Damit wollen wir gerade den jüngeren Kolleginnen und Kollegen nahebringen, unter welchen Bedingungen die DGII damals gegründet wurde. Vielen von uns heute ist es nämlich gar nicht mehr bewusst, welche rasanten und überraschenden Entwicklungssprünge in den vergangenen Jahrzehnten in unserem Fachgebiet und unserer Branche stattgefunden haben.
An welches Zielpublikum richtet sich die Tagung der DGII?
Der Kongress der DGII, als deutschsprachige Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, richtet sich an alle Augenärztinnen und Augenärzte, die im Vorderabschnitt operieren – und ganz besonders an jene, die Linsen implantieren oder refraktive Chirurgie betreiben. Dabei gibt es auch Untergruppen: Vor 23 Jahren haben wir die Young DGII gegründet, um speziell jüngere Kollegen anzusprechen und ihnen ein Forum zum Erfahrungsaustausch zu bieten. Als Gruppe gestaltet sich mittlerweile ganze Teile des Programms in Eigenregie. Sehr erfreulich finde ich auch, dass die Vereinigung der Augenchirurginnen sehr stark bei uns engagiert ist und eine eigene Sitzung beiträgt.
Welche Expertise bringt der Gastgeberstandort Köln ein?
Professor Claus Cursiefen amtiert als Tagungspräsident und hat deshalb auch intensiv das Programm mitgestaltet. Das Schwerpunktthema „Katarakt Plus“ war seine Idee. Da Herr Cursiefen sein Team von Oberärzten motiviert hat, als Referenten und Sitzungsleiter zu fungieren, wird die Uniklinik Köln viele Vortragende stellen und somit einen ganz wesentlichen inhaltlichen Beitrag leisten.
Was erwartet uns beim Thema „Katarakt Plus“?
Wenn heutzutage bei älteren Menschen ein Katarakt operiert wird, bestehen oft noch ein zweites oder drittes Problem parallel. Sobald am gleichen Auge noch ein Glaukom, eine Netzhaut- oder Hornhauterkrankung vorliegen, stellt sich für den Chirurgen die Frage, ob und wie in einer OP mehrere Diagnosen gleichzeitig behandelt werden sollten. Für die Patienten ist es unter Umständen wesentlich angenehmer, wenn mehrere Probleme mit einem einzigen Eingriff gelöst werden. Wissenschaftlich stellt sich allerdings die Frage, inwieweit die Ergebnisse dieser kombinierten Eingriffe mit einer sequenziellen Vorgehensweise mithalten können. Es wird noch weitere Studien und Datenerhebungen brauchen, um abschließend zu klären, welches Vorgehen für die Betroffenen am Ende besser oder schlechter ist – und hierzu erhoffen wir uns Diskussionen und Erkenntnisse.
Welche bewährten und neuen Fortbildungs-Formate erwarten die Teilnehmer?
Zu den traditionellen Kursen gehören zum Beispiel Phako-Kurse am Schweineauge, Kurse der Kommission Refraktive Chirurgie zu Sonderlinsen und auch Kurse zur Glaukombehandlung mit Mikroimplantaten. Neu hinzukommen Kurse zu phakischen Intraokularlinsen und zur DMEK-Hornhauttransplantation. Die Young DGII wird erstmals einen Diagnostik-Kurs zur Hornhauttomographie anbieten. Ich bin gespannt, auf welches Echo diese neuen Formate stoßen.
Wer kann der Young DGII beitreten? Gibt es da bestimmte Voraussetzungen?
Die Young DGII, die am Samstagmorgen ihre Sitzung hat, wurde gegründet, um speziell für jüngere Kollegen ein attraktives Programm zu gestalten. Die Mitgliedschaft hat die gleichen Voraussetzungen wie für die DGII, wobei es keinen festen Altersrahmen gibt. Vielmehr geht es um das Karrierestadium. Die Young DGII richtet sich an junge Menschen, die auf dem Weg zum Facharzt sind oder gerade Facharzt geworden sind, sowie an frischgebackene Oberärzte. Sie bietet Kolleginnen und Kollegen ein Forum, die am Anfang ihrer Karriere stehen.
Welche Sitzungen werden mit Spannung erwartet?
Ein besonderer Höhepunkt ist das Symposium mit europäischem Fokus, bei dem die ERCRS ihre Richtlinien und Themen vorstellt. Des Weiteren wird es eine spannende Gemeinschaftssitzung der DGII mit der Retinologischen Gesellschaft geben, was immer ein befruchtender Austausch ist. Ein fachliches Highlight verspricht auch die spezielle Sitzung zu kindlichen Katarakten zu werden – mit Pro- und Kontra-Diskussionen zur Frage, wie und ab wann man Kunstlinsen bei kleinen Kindern einsetzt.
Welche Themen wird die DGII gemeinsam mit der Retinologischen Gesellschaft diskutieren?
Auf unserem Gemeinschaftssymposium behandeln wir Fragen wie: Gibt es spezielle Linsen, die Netzhauterkrankungen vorbeugen? Wann sollte man Linse und Netzhaut gemeinsam operieren – und wann nicht? Bei diesen Fragestellungen gibt es wichtige Zwischentöne, die in der Praxis oftmals nicht schwarz-weiß entscheidbar sind.
Welche Zukunftsthemen beleuchtet die DGII 2026?
Technische Entwicklungen wie der Femtosekundenlaser stehen im Fokus. In der Hornhaut- und refraktiven Chirurgie wird er bereits eingesetzt, aber auch bei Kataraktoperationen. Zudem gibt es innovative Verfahren zur Implantation von Hornhautgewebe. Auch wenn diese Techniken noch in den Kinderschuhen stecken, wollen wir ihre Entwicklung bekannter machen.
Warum sollte man die DGII 2026 nicht verpassen?
Als erster größerer augenärztlicher Kongress des Jahres bietet der DGII einen State-of-the-Art-Austausch auf europäischem Niveau. Die Verbindung mit der Retinologischen Gesellschaft und der Blick in die Zukunft – etwa beim Femtosekundenlaser – machen das Programm rund und bieten einen hervorragenden Jahresauftakt für alle Kolleginnen und Kollegen.
Herzlichen Dank, Herr Professor Blum!
Das Interview führte Rosemarie Frühauf.
Erschienen in Concept Ophthalmologíe 1-26.



