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Klinikum Ludwigshafen klärt auf über „Implantate & Co.“

Prof. Dr. Lars-Olof Hattenbach und das Team der Augenklinik Ludwigshafen.

Klinikum Ludwigshafen klärt auf über „Implantate & Co.“

Kongressberichte

Ophthalmologie

Glaukom, Hinterer Augenabschnitt, Vorderer Augenabschnitt

mgo medizin Redaktion

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6 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Ganz im Zeichen neuester Implantattechnologien stand die traditionelle Fortbildungsveranstaltung der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen am 23. Januar 2026 im Feierabendhaus der BASF. Unter dem Motto „Ophthalmo StartUp 2026 – Implantate & Co.“  ging es vor allem um Netzhaut- und Glaukomchirurgie, aber auch andere wichtige Felder, die vertiefend berührt wurden.

Gastgeber Prof. Dr. Lars-Olof Hattenbach eröffnete das Meeting, mit einem Überblick zu den ophthalmologischen Innovationen, deren Zulassung kurz bevorsteht. „Das Jahr 2026 wird ganz unter dem Zeichen implantierbarer Devices stehen und vor allem für die Netzhautchirurgie ein besonderes Jahr: Nach dem großartigen Publikationserfolg der PRIMAvera-Studie im New England Journal of Medicine erwarten wir mit Spannung die mögliche Zulassung des Netzhautimplantats zur Behandlung der geografischen Atrophie“, so Hattenbach. In einem seiner Vorträge bei dem Panel erklärte er detailliert die technische Seite des Prima-Implantats und zeigte auch ein OP-Video, wo der kleine Chip subretinal eingesetzt wurde. (Concept Ophthalmologie berichtete bereits ausführlich HIER und in in Ausgabe 9-2025.)

Mit Spannung erwartet

Auch für den Bereich der „IVOM“ bricht 2026 mit der Erweiterung von Indikationen, der Einführung von Biosimilars und der voraussichtlichen Zulassung des Port Delivery Systems (PDS) von Roche ein neues therapeutisches Zeitalter an. Dr. Katharina Bermond (Ludwigshafen) stellte das PDS vor – eine nur reiskorngroße Kapsel, die montiert an der Sklera, kontinuierlich und langfristig Medikamente im Augeninneren freisetzen kann. Das PDS wurde speziell entwickelt für die Behandlung chronischer Netzhauterkrankungen wie der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (nAMD). Mit Hilfe des Devices soll es gelingen, die Behandlungslast für nAMD-Patienten deutlich zu reduzieren. Ein Refill-Zeitraum von 24 bis zu 36 Wochen wird derzeit in Studien angepeilt. Sobald die geeigneten Patienten selektiert seien, sei das PDS zudem eine sehr sichere Therapieoption, so Dr. Bermond. Das Risiko für Endophthalmitis liege in aktuellen Studien derzeit bei 0,7 Prozent.

Für wen ist das PDS geeignet?


Das PDS ist insbesondere für Patienten mit einer aktiven, neovaskulären (feuchten) AMD vorgesehen, die bereits eine Therapie mit Anti-VEGF-Injektionen erhalten und weiterhin einen intensiv behandlungsbedürftigen Verlauf zeigen. Dies sind demnach Patienten mit hoher Injektionslast (z.B. alle vier bis acht Wochen), deren Leben dadurch erleichtert würde, sowie Patienten mit guter Compliance und Bereitschaft zurOperation, welche die regelmäßigen Nachfülltermine wahrnehmen können. Nicht geeignet sei das System hingegen für Patienten mit aktiven intraokularen Entzündungen, bestimmten strukturellen Veränderungen am Auge oder für Patienten, bei denen operative Eingriffe ein zu hohes Risiko darstellen (z. B. bei schweren systemischen Grunderkrankungen, Endotheldekompensation der Hornhaut etc.). Bei aller Hoffnung gab Prof. Hattenbach jedoch zu bedenken: Auch wenn das PDS das Konzept langfristiger intravitrealer Therapie neu definieren dürfte, werden die etablierten Verfahren noch lange nicht ausgedient haben und das Zeitalter der IVOM-Spritze noch lange nicht vorbei sein.

Diskussion über Glaukom-Chirurgie

Aus der minimalinvasiven Glaukomchirurgie sind Implantate, die an der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen bereits seit über 10 Jahren erfolgreich eingesetzt werden, heute nicht mehr wegzudenken. In Anbetracht der beeindruckenden Vielfalt an MIGS-Ansätzen wurde im Folgenden dargestellt, wann welcher Ansatz genutzt wird. Dr. Dimitrios Karachalios (Ludwigshafen) referierte unter dem Titel „Glaukomtherapie 2026: Weiter tropfen oder doch schon MIGS – ab wann ist es Zeit für die Chirurgie?“ und gab praxisnahe Einblicke in die Entscheidungsprozesse zur Anwendung. Salaheddin El Mourad, M.D., F.E.B.O. (Ludwigshafen), differenzierte dann „MIGS 2026 in der Praxis – besser allein oder kombiniert mit Kataraktchirurgie?“ Sein Takeaway: Bei Patienten mit engem Kammerwinkel oder bereits stattgefundenem akutem Glaukomanfall ist die Kataraktoperation oft sogar die bevorzugte Therapie, da das Entfernen der Linse den Augeninnendruck senken und zukünftige Winkelblock-Episoden verhindern kann. Außerdem kann die Kataraktoperation bei unzureichender medikamentöser Glaukomkontrolle in manchen Fällen helfen, den Augendruck (IOD) zu senken, insbesondere bei Patienten mit PEX-Glaukom oder Engwinkelglaukom. Die Katarakt-OP eignet sich oftmals als erster Schritt, noch vor minimalinvasiven Implantaten.

Über Glaukom-Drainage-Implantate, referierte sodann Prof. Dr. Esther Hoffmann (Mainz). In der anschließenden Diskussion, für die sie und die Ludwigshafener Spezialisten noch Prof. Dr. Alireza Mirshahi aus Bonn zuschalteten, kam das Panel zu folgender Conclusio: Die modernen Glaukom-Implantate haben ihre Berechtigung als minimal-invasive Therapieoptionen, die eine klassische Trabekulektomie hinauszögern. Da es beim Glaukom keine Heilung, sondern lediglich Verzögerung gibt, sei der Zeitgewinn das Wichtigste. Eine Kombination aus Mikroimplantaten und Tropfen kann den Augeninnendruck für den Patienten stabilisieren und eine Trabekulektomie bis zu 5 Jahre hinauszögern. Die Trabekulektomie habe zwar eine hohe Effektivität, sei aber mit intensiver Vor- und Nachsorge und hohen Risiken verbunden. Bei den MIGS seien die Risiken wesentlich geringer, weshalb man zunächst mit ihnen arbeiten sollte.

Autologe Thrombozytenpatches bei Makulaforamen

Ein weiterer zugeschalteter Gast war Prof. Dr. Siegfried Priglinger aus München. Er berichtete über den Nutzen autologer Thrombozytenpatches bei der Behandlung von größeren Makulalöchern und Makulaschichtforamen und diskutierte mit Prof. Hattenbach über die Vorteile dieser Technik, die am Klinikum Ludwigshafen ebenfalls erfolgreich eingesetzt wird. Während der OP werden die Löcher mit Hilfe der Makulalifttechnik kleiner „gezogen“ und anschließend mit einem Tropfen des autologen Serums bedeckt. Dank der Wachstumsfaktoren im Plättchenreichen Plasma (PRP) werden die Selbstheilungskräfte stark aktiviert. Priglinger zeigte OCTs, die in einigen Fällen von einer Regeneration der Makula noch 3-5 Jahre nach dem Eingriff zeugten.

Prof. Dr. Walter Sekundo (Marburg) warf einen Blick auf den faszinierenden Ansatz der Lentikelimplantation der Hornhaut: Er hat bereits mehreren Patienten Lentikel implantiert, die zuvor im Rahmen einer SMILE-OP entnommen wurden und damit u.a. refraktiv-chirurgische Behandlungen von Weitsichtigkeit durchgeführt, eine seltene, aber in Einzelfällen lohnende Transplantation.

Sinnhaftigkeit von Sonderlinsen

Macht es Sinn, bei der Erkrankung der Makula Sonderlinsen einzusetzen? Zu dieser Frage referierten Salaheddin El Mourad, M.D., F.E.B.O. (Ludwigshafen) und Prof. Dr. Hanno Heimann (Liverpool). Heimann wies darauf hin, dass die Auswahl der Linsen in Deutschland völlig anders gehandhabt werde als in Großbritannien, was eine Frage der Mentalität sei. In Großbritannien erhielten die Patienten Monovisionslinsen als Standard, weil sich diese bewährt hätten.

Ludwigshafen sucht Probanden

Luise Fornoff, M.Sc. berichtete über die neuesten Studien, an denen das KliLu mitarbeitet: Besonders hervorgehoben wurden von ihr verschiedene gentherapeutische und Komplementsystem-basierte Studien zur Therapie der neovaskulären AMD bzw. der Geografischen Atrophie. Darüber hinaus stellte sie die TIGER-Studie vor, eine randomisierte, pan-europäische Studie zur Bewertung der operativen Behandlung subretinaler Blutungen infolge einer neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration.

Außerdem werden Patienten mit akutem Zentralarterienverschluss der Netzhaut gesucht, was eine Herausforderung darstellt, denn der damit verbundene einseitige, schmerzlose Sehverlust darf maximal seit 4 Stunden bestehen. Erforscht werden soll eine frühzeitige Reperfusionstherapie mit intravenöser Alteplase zur Wiederherstellung der Sehkraft. Patienten, bei denen der Zentralarterienverschluss maximal 12 Stunden her ist, können in einen Beobachtungsarm der Studie aufgenommen werden.

Erschienen in Concept Ophthalmologie 2-2026.

Titelbild:

Das Veranstaltungs-Team der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen um Prof. Lars-Olof Hattenbach (Mitte re.). Foto: KliLu 

Text von Rosemarie Frühauf.

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