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Kooperation statt Konfrontation

Umrisszeichnung von Schloss Plön mit Schriftzug der Fielmann Akademie

Kooperation statt Konfrontation

Praxiswissen

Ophthalmologie

Sonstiges

6 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Augenoptiker und Augenärzte teilen die gemeinsame Sorge um das bestmögliche Sehvermögen ihrer Kunden und Patienten. Trotzdem birgt die Zusammenarbeit einiges an Konfliktpotenzial. Im Rahmen des 60. Fielmann Akademie Kolloquiums diskutierten sie über Chancen und Optionen zur Kooperation: Welche Möglichkeiten gibt es bereits heute und welche könnte es in Zukunft geben? Wie kann die Kommunikation zwischen beiden Berufsgruppen verbessert werden? Der konstruktive Dialog zwischen Augenoptik und Augenheilkunde ist eines der Ziele der Fielmann Kolloquien. Das Web-Seminar am 29. November 2023 verfolgten rund 200 Zuhörer.

„Aus der Distanz betrachtet sollte die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen der Augenoptiker und der Augenärzte kein Problem darstellen“, so Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. (FH) Hans-Jürgen Grein, Leiter Wissenschaft der Fielmann Akademie Schloss Plön. Augenoptiker haben im Wesentlichen die Verbesserung der Sehleistung augengesunder Menschen im Blick, während der Schwerpunkt der augenärztlichen Tätigkeit in der Diagnostik und Therapie von Augenerkrankungen liege. In den vergangenen 20 Jahren sei eine schleichende Vermischung der Tätigkeitsfelder eingetreten. In vielen augenärztlichen Praxen arbeiten Augenoptiker und in den augenoptischen Betrieben habe die Beratungstätigkeit zu augengesundheitlichen Themen zugenommen.

Mehr Sehbehinderung durch Überalterung der Bevölkerung

Die Diskussion um die Bedeutung und Möglichkeiten der Kooperation zwischen den beiden Berufsgruppen wurde von Prof. Dr. Marcel Menke, Ocumeda AG aus Riedt in der Schweiz und Chefarzt sowie Klinikleiter der Augenklinik des Kantonsspitals Aarau eröffnet. Die Bevölkerung in Deutschland – auch die Ärzte – werde immer älter. Damit gehe eine höhere Morbidität einher. Glaukom, altersabhängige Makuladegenration und diabetische Retinopathie seien die häufigsten ophthalmologischen Erkrankungen des Alters und gleichzeitig die Hauptursachen für Sehbehinderung und Erblindung. Studien vor allem aus Großbritannien und den USA belegen, dass gezielte Screenings und Früherkennung das Risiko einer Erblindung durch diabetische Retinopathie verringern können.

Telemedizinisches Angebot zur Sicherung der Versorgung

Die Diskrepanz zwischen Versorgungsbedarf und Versorgungsangebot hat Menke gemeinsam mit einigen Kollegen dazu veranlasst, das Unternehmen Ocumeda zu gründen und auf diese Weise eine Brücke zwischen Augenoptikern, Augenärzten und Patienten zu bauen. Ziel des Programms seien diejenigen Kunden eines Augenoptikers, die noch keinen Anschluss an eine augenärztliche Versorgung haben. Nach einer standardisierten Anamnese werde eine Fundusfotografie und eine Tonometrie durchgeführt. Die erhobenen Daten würden verschlüsselt an die Ocumeda-Plattform versendet und dort von Augenärzten abgerufen und beurteilt. Das Ergebnis der telemedizinischen Beurteilung erhielten die Kunden in Form eines Berichtes in leicht verständlicher Sprache, unterstützt durch eine farbliche Kennzeichnung in Grün, Gelb und Rot. Bei roten Berichten seien die Abweichungen so gravierend, dass eine umgehende Vorstellung bei einem Augenarzt empfohlen werde. Da die Beurteilung der Befunde durch Augenärzte erfolge, gebe es keine Limitierungen auf bestimmte Erkrankungen, wie es bei Systemen der künstlichen Intelligenz derzeit üblich sei. In einem Pilotprojekt mit Fielmann konnten bislang 15.000 Screenings durchgeführt werden. 18 Prozent der Kunden wiesen Auffälligkeiten auf, in zwei Prozent der Fälle wurde eine dringende Abklärung empfohlen.

Kooperation aus Sicht der Augenoptik

Der mit eigenem Betrieb in Friedberg selbstständige Augenoptiker Dirk Engisch, Dipl.-Ing. (FH) Augenoptik, beschrieb die Zusammenarbeit zwischen Augenoptikern und Augenärzten als „durchwachsen“. Er sei in der glücklichen Lage, seinen Betrieb in einer Region zu führen, in der die augenoptische und augenärztliche Versorgung gut sei. Er selbst biete das volle augenoptische Spektrum von der Refraktionsbestimmung mit Brillenkorrektion bis hin zur Anpassung von Speziallinsen. Auch Low Vision-Kunden seien willkommen. Ein Schwerpunkt liege im Bereich Kinderoptometrie, insbesondere in der Versorgung aphaker und hochmyoper Kinder. Die Myopieprophylaxe sei als neuer Tätigkeitsbereich hinzugekommen, die auch in immer mehr Augenarztpraxen thematisiert werde und einen Dialog ermögliche. Die Refraktionsbestimmungen führt Engisch auch bei Kindern selbst durch, wenn der Termin beim Augenarzt einige Monate Wartezeit bedeute und die Kinder dadurch trotz Problemen ohne Brille in die Schule müssten. Die Vorstellung beim Augenarzt empfehle er den Eltern dennoch.

Transparente Kommunikation

Die Low Vision-Versorgung biete ebenfalls eine gute Schnittstelle, um mit den umliegenden augenärztlichen Praxen in Kontakt zu kommen. Ein Austausch werde von augenärztlicher Seite jedoch nur selten gesucht. Um die Kommunikation zu verbessern, ist Engisch selbst aktiv geworden und hat einen Arztzettel für seine Kunden entworfen, auf dem er die wesentlichen Ergebnisse seiner Messungen sowie Besonderheiten aus der Anamnese dokumentiert. Auf der Rückseite sind alle Augenärzte der Umgebung alphabetisch aufgelistet. Auf diese Weise gewährleiste er die Weitergabe der Informationen und müsse sich nicht darauf verlassen, dass seine Kunden alles richtig verstanden hätten und sich dies bis zum Arzttermin merkten. Einige hätten aufgrund klarer Angaben bei der Terminvereinbarung schneller einen notwendigen Augenarzttermin bekommen. Insgesamt beobachte er, dass die Kunden den Augenoptiker zunehmend als ersten Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Auge ansehen.

Konflikt um finanzielle Ressourcen

Engisch sieht einen der Hauptgründe in der Vergütungsregelung ärztlicher Tätigkeiten. Häufig kämen seine Kunden mit den augenärztlichen Befunden zu ihm und bäten darum, diesen gemeinsam zu besprechen, da der Arzt dazu keine Zeit gehabt habe. Auch habe er einige Kunden, die ungerne zum Augenarzt gingen, weil sie sich durch das Angebot der individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) unter Druck gesetzt fühlten. Würden Augenärzte für ihre heilkundliche Tätigkeit sinnvoll vergütet, könnten sie sich besser um die wirklich kranken Menschen kümmern, meint Engisch. Gleichzeitig könnte der Augenoptiker die Gesundheitsvorsorge durch das Angebot optometrischer Screenings unterstützen. Dies sei jedoch kein Thema, das zwischen Augenärzten und Augenoptikern diskutiert werden könne, sondern ein gesundheitspolitisches Thema. Diesem Aspekt stimmte PD Dr. med. Johannes Steinberg, Augenarzt im zentrumsehstärke in Hamburg, zu und ergänzte, dass es derzeit für die wirtschaftliche Situation einer Augenarztpraxis wichtig sei, dass auch gesunde Menschen in die Praxis kämen, da diese die kranken subventionierten. Um auch in Zukunft einen niederschwelligen Zugang zur ärztlichen Versorgung sicherzustellen, sei eine Zusammenarbeit mit nicht-ärztlichen Berufsgruppen unumgänglich. Im Feld der Augengesundheit sehe er bei den beiden Berufsgruppen Potenzial für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Allerdings sei eine regelmäßige Fortbildungspflicht für Augenoptiker erforderlich, wie sie für Ärzte bereits besteht.

Kooperation statt Koexistenz

Die technischen Möglichkeiten erlaubten es heutzutage, objektiv Befunde zu erheben und diese verschlüsselt an Weiterversorger zu übergeben. Auch künstliche Intelligenz könne bei der Selektion derjenigen, die ärztlich gesehen werden sollten, unterstützen. Steinberg stellt sich nicht vor, dass Augenoptiker künftig Befunde erheben, Therapieentscheidungen treffen und deren Erfolg monitoren. Es müsse klar sein, dass es Erkrankungen gebe, bei denen ein Augenarzt kontaktiert werden müsse, etwa Katarakt oder Keratokonus. Dringende ärztliche Abklärung sei immer dann erforderlich, wenn eine plötzliche Sehverschlechterung eintrete, neue Gesichtsfeldausfälle, Blitze, Rußregen und Schmerzen bemerkt würden. Von einer interdisziplinären Kooperation würden beide Berufsgruppen profitieren, „die größten Profiteure sind aber sicher die Patienten.“

Quelle: Fielmann Akademie

Bildquelle: Fielmann

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