Qualität im OP ist zentrales Thema der modernen Ophthalmochirurgie, doch selten wird sie systematisch untersucht. Der Gerätehersteller Geuder AG hat deshalb Daten gesammelt und die Einschätzungen von über 65 Chirurgen, sowie Interviews mit sieben Klinikdirektoren zusammengetragen. Sie wurden in einem umfassenden Report veröffentlicht.
Wie definiert man Qualität im augenchirurgischen OP? Der Ophthalmochirurgie Qualitätsreport 2025/2026 der Geuder AG zeigt auf 124 Seiten, dass Qualität mehr ist als Technik – sie hängt maßgeblich von Prozessen, Teamarbeit und Produktverfügbarkeit ab. Qualität ist mehrdimensional, beginnt vor dem ersten Schnitt – und steht heute unter zunehmendem Druck durch Regulierung, Personalmangel und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
„Qualität im OP ist kein Zustand, sondern ein fortwährender Prozess“, bringt es Prof. Dr. Burkhard Dick von der Universitäts-Augenklinik Bochum auf den Punkt.
Geuder versteht sich im ersten Qualitätsreport dieser Art als neutraler Kurator und Impulsgeber für Entscheidungstrager in Medizin, Management und Politik, um Entwicklungen darzustellen und einen offenen Diskurs über das Qualitätsverständnis in der Ophthalmochirurgie zu fördern. Das Paper ist ab sofort unter dem Link https://info.geuder.de/qualitatsreport-ophthalmochirurgie verfügbar.
Methodik
Der Report versteht sich als Stimmungsbild der Fachrealität, nicht als repräsentative Stichprobe. Er kombinierte eine Online-Befragung unter Fachärzten für Augenheilkunde in Deutschland (N ≈ 62) mit 7 leitfadengestützten Interviews mit führenden Experten. Je nach Frage variierte die Zahl gültiger Antworten (≈ 22–62). Alle Angaben wurden aggregiert und anonymisiert.
Kernaussagen im Überblick1. Qualität ist mehrdimensional
Qualität im OP lässt sich nicht auf einen Faktor reduzieren. 100 Prozent der Befragten stimmen zu, dass Qualität bereits mit der Vorbereitung und Organisation beginnt. Die Analyse identifiziert dabei vier zentrale Dimensionen: Technische Qualität spielt eine Rolle, genauso wie Prozessqualität, Ergebnisqualität und der menschliche Faktor.
Bei der Frage nach den persönlich wichtigsten Qualitätsfaktoren stehen maximale Patientensicherheit und das postoperative Ergebnis an erster Stelle, gefolgt von einem eingespielten und kompetenten OP-Team sowie technischer Verlässlichkeit und reproduzierbaren klinischen Ergebnissen. Dabei bildet das Patientenwohl das Fundament, auf dem alle anderen Qualitätsfaktoren aufbauen. Gleichzeitig bestätigen 83,3 Prozent der Befragten, dass Prozesssicherheit der wichtigste Faktor im OP selbst ist – Qualität beginnt vor dem ersten Schnitt.
2. Produktverfügbarkeit und Personalstabilität sind zentrale, aber oft unterrepräsentierte Qualitätsfaktoren
Welche Faktoren beeinflussen die OP-Qualität am stärksten? Die Verfügbarkeit vertrauter Produkte wird von 77,3 Prozent als „stark“ oder „sehr stark“ bewertet – ein überraschend hoher Wert. Dieser Faktor übertrifft sogar die Eingespieltheit des Teams oder die eigene Konzentration. Zusätzlich bewerten 95,5 Prozent die Lieferfähigkeit und Verfügbarkeit von Produkten als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ für ihre OP-Qualität.
Lieferengpässe und Personalfluktuation gehören demnach zu den meistgenannten Risikofaktoren für Qualitätseinbußen. 50 Prozent der Befragten nennen eingeschränkte Produktverfügbarkeit als eine der drei häufigsten Einschränkungen ihrer OP-Qualität im Alltag – gleichauf mit Budgetvorgaben. Personalmangel und häufige Teamwechsel folgen mit 42,9 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass instabile Lieferketten und Personalengpässe längst kein Randphänomen mehr sind, sondern systemische Herausforderungen. Prof. Lars-Olof Hattenbach von der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen meint dazu: „Nicht nur Instrumente, auch einfachste Materialien fehlen – ein Problem, das es bis vor wenigen Jahren so nicht gab und heutzutage alle Bereiche der Chirurgie betrifft.“
3. Hängt Reproduzierbarkeit stark vom Setup ab? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander
Lassen sich konstant gute Ergebnisse unabhängig vom Setup erzielen? Die Umfrage zeigt eine exakte Spaltung: 48,3 Prozent der Chirurgen erreichen meist reproduzierbare Ergebnisse unabhängig vom Setup, während weitere 48,3 Prozent die Reproduzierbarkeit als stark setup-abhängig erleben. Viele Chirurgen empfinden demnach die Wahl von Instrumenten, Geräten und Materialien als zentralen Faktor für ihr Vertrauen in reproduzierbare Ergebnisse.
Insgesamt bewerten 84,8 % Reproduzierbarkeit als wichtiges oder sehr wichtiges Qualitätsmerkmal. Die qualitativen Antworten zur Frage, was verlässliche Qualität im OP-Alltag konkret bedeutet, zeigen eine klare Priorität: Chirurgen nennen reproduzierbare, störungsfreie Abläufe, kompetente Teams, zuverlässige Liefertermine sowie maximale Patientensicherheit und minimale Komplikationen. Das präzise Ineinandergreifen aller Faktoren macht verlässliche Qualität aus.
4. Wirtschaftlichkeit spielt eine Rolle – ist aber kein genereller Widerspruch
Wie stark beeinflusst die Wirtschaftlichkeit die OP-Qualität? 86,4 Prozent spüren mindestens „mäßigen“ Einfluss der Wirtschaftlichkeit auf ihre OP-Entscheidungen (36,4 Prozent „stark oder sehr stark“, 50 Prozent „mäßig“), doch das Bild ist differenziert: Die Mehrheit von 87,5 Prozent stimmt zu oder absolut zu, dass nur das Zusammenspiel aus Wirtschaftlichkeit und Qualität echte Qualität ergibt. Wirtschaftlichkeit ist demnach ein Faktor, aber kein Feind – sofern die Qualität nicht negativ durch sie beeinflusst wird.
Wenn es um die Rechtfertigung höherer Kosten geht, sind die Daten eindeutig: Hohe Präzision durch verlässliches Instrumenten- oder Geräteeinsatzverhalten steht mit deutlichem Abstand an erster Stelle (63,6 Prozent). An zweiter Stelle folgt nachweislich höhere Patientenzufriedenheit oder Ergebnisqualität (50 Prozent) in der Multiplechoice-Befragung. Die Chirurgen sind demnach bereit, in messbare Qualitätsvorteile zu investieren, wenn diese sich direkt in besseren Behandlungsergebnissen niederschlagen.
5. Regulierung bremst Innovation – Experten sehen MDR als Qualitätsrisiko
Welche Grenzen erlebt Qualität im Alltag? Die Umfrage identifiziert drei strukturelle Hauptbarrieren: Jeweils 50 Prozent nennen eingeschränkte Produktverfügbarkeit sowie Budgetvorgaben und wirtschaftliche Einschränkungen als häufigste Einschränkungen. Dahinter folgen Personalmangel und häufige Teamwechsel mit 42,9 Prozent. Diese Zahlen deuten an: Die größten Qualitätshindernisse sind struktureller Natur und liegen weitgehend außerhalb der direkten Kontrolle des einzelnen Operateurs. Nur 27,3 Prozent haben persönlichen Einfluss auf die Produktverfügbarkeit, nur 63,6 Prozent auf die Personalverfügbarkeit. 94 Prozent der Befragten bestätigen jedoch, dass die Qualität chirurgischer Ergebnisse maßgeblich von der Zuverlässigkeit der verwendeten Medizinprodukte abhängt.
In den Tiefeninterviews wird die Medical Device Regulation (MDR) von allen sieben befragten Experten übereinstimmend kritisiert: Bewährte Produkte verschwinden vom Markt, Innovationen werden gebremst, essenzielle Materialien sind gefährdet. Die ursprüngliche Intention – die Patientensicherheit zu erhöhen – verkehrt sich paradoxerweise in ihr Gegenteil: Chirurgen werden gezwungen, auf alternative Produkte und Techniken auszuweichen, die sie für minderwertiger oder komplexer halten. „Die MDR ist ein massives Innovationshemmnis – und damit auch ein Qualitätsrisiko“, meint dazu Prof. Michael Amon von der Universitäts-Augenklinik Barmherzige Brüder Wien.
Fazit
Der Report der Geuder AG zeigt, wie Qualität in der Ophthalmochirurgie heute verstanden wird und welchen Herausforderungen sie begegnet. Qualität entsteht durch technische Präzision, strukturierte Prozesse, eingespielte Teams und verlässliche Lieferketten, wird aber durch regulatorische Hürden, Personalmangel und wirtschaftlichen Druck gefährdet. Sie bedeutet maximale Patientensicherheit und ein stabiles Ergebnis – als fortlaufender Prozess, der Engagement und Lernbereitschaft erfordert.
Das vollständige Dokument kann man kostenlos unter https://info.geuder.de/qualitatsreport-ophthalmochirurgie herunterladen.
Quelle: Geuder. Erschienen in Concept Ophthalmologie 1-26



