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Sprechen wir über das Alter … Zur Bevölkerungspyramide und Versorgung

Ältere Menschen spielen Karten.

Quelle: Foto: Adobe Stock - Alexandra W / peopleimages.com

Sprechen wir über das Alter … Zur Bevölkerungspyramide und Versorgung

Gastkommentar

Ophthalmologie, Unkategorisiert

Sonstiges

mgo medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Warum wird die alternde Bevölkerung gerade im Gesundheitssystem und für die Mediziner so ein heißes Thema? Und wie sehen die Fakten in Relation zu den Mythen aus? Das beleuchtet Dr. Uwe Kraffel im Kommentar.

Von Dr. Uwe Kraffel. Immer wieder hört man verschiedene Ansichten über das Alter und das Altern der Bevölkerung. Viel wird dabei zumindest verzerrt dargestellt. Schauen wir uns einmal die Realität an. In einer Bevölkerung müssten normalerweise auf jede Frau 2,3 Kinder kommen um die Bevölkerungsanzahl konstant zu halten. Diese Zahlen werden jedoch im größten Teil der Welt stark unterschritten. Die Folge ist dramatisch. Es gibt immer weniger junge Menschen und die Bevölkerungszahl weltweit wird abnehmen. Es gibt Prognosen, die sagen, dass in den nächsten 20 Jahren sich die Bevölkerungszahl Chinas halbieren wird. Doch warum nimmt dann die Gesamtbevölkerung der Erde noch zu?  

Dies liegt daran dass wir immer länger leben dürfen. Global betrachtet hat die Lebenserwartung alle 3 Jahre um ein Jahr zugenommen. In der Folge gibt es weltweit immer mehr ältere Menschen, immer mehr hochbetagte Menschen und immer mehr Menschen die in der Nähe des Rentenalters sind. Für Deutschland bedeutet dies dass die Bevölkerung zwar konstant geblieben ist, dies aber nur auf eine relativ hohe Zuwanderung in den letzten Jahrzehnten zurückzuführen ist. Dies würde gut funktionieren – zumindest für Deutschland –, wenn die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt erfolgen würde. Aus den verschiedensten Gründen erfolgt jedoch ein guter Teil der Zuwanderung in die Sozialsysteme, die damit immer stärker belastet werden. Am einfachsten lässt sich das noch an der Rentenversicherung betrachten. Wenn die Menschen immer länger leben, bedeutet es, dass sie  bezogen auf die Arbeitszeit in der sie einzahlen immer länger Zahlungen aus der Rente erhalten müssen. In einem Umlageverfahren führt dies unweigerlich zur Katastrophe.  

Die Versorgungswerke der Ärztekammern sind da außen vor, weil sie Vermögen aggregieren und die Renten aus diesem Vermögen beziehungsweise aus den Erträgen dieses Vermögens zahlen können. Deshalb werden die Versorgungswerke in der Zukunft besser dastehen, während die deutsche Rentenversicherung immanente und massive Probleme haben wird. 

 Etwas komplizierter ist die Situation wenn man auf das Krankenversicherungssystem schaut. Selbstverständlich sind die Aufwendungen der Krankenversicherung für ältere Menschen höher als für junge Menschen. Allerdings sind die älteren Menschen heutzutage deutlich fitter und gesünder, als es die älteren Menschen vor Jahrzehnten waren. Das bedeutet, dass aus der Alterung der Bevölkerung heraus allein erst einmal kein so hoher Kostendruck entsteht. Einzelne Ausnahmen – man denke nur an die IVOM-therapie bei Makuladegeneration – sind hier außen vor. 

Was jedoch die Krankenversicherung in deutliche Not bringt ist einerseits der steigende Anspruch der Versicherten und zum anderen der Umstand das Ältere deutlich zu wenig in die Krankenversicherung einzahlen. Werden während des Erwerbslebens 14% des Gehaltes in die Krankenversicherung eingezahlt sind dies in der Rente eben nur 14% der deutlich niedrigeren Rente. Damit müssen die Arbeitenden die Versorgung der Rentner subventionieren, was bei einer wegbrechenden Jugend zu einem Problem wird. Wo allerdings sehr viel Unsinn zu hören ist, ist bei der Altersstruktur der Kolleginnen und Kollegen. Dies liegt an einem einfachen mathematischen Problem: Die lange Ausbildung führt dazu, dass eine Niederlassung erst im Alter zwischen 35 und 40 Jahren erfolgt. Geht man dann von einem Ende der Erwerbstätigkeit zwischen 65 und 70 Jahren aus, ergibt sich ein mittlerer Wert von 55 Jahren. Das bedeutet erst einmal, dass die Hälfte aller Niedergelassenen über 55 Jahre alt ist und damit auch 1/3 über 60 Jahre alt. Das ist Folge einer ganz normalen Verteilung.  

Und was bedeutet das in der Konsequenz? Relativ einfach: um die Sozialsysteme zu erhalten müssen wir in Zukunft länger arbeiten. Logischerweise wird die Frage wie lange man arbeiten soll, in Zukunft weniger an einer genau bemessenen Jahreszahl, sondern in stärker Form von der jeweiligen Tätigkeit abhängig gemacht werden. Stark fordernde körperliche Tätigkeiten werden sicher nicht bis ins hohe Alter ausgeübt werden können. Tätigkeiten, wie wir Ärztinnen und Ärzte sie verrichten, können durchaus länger Bestand haben. Und das bedeutet für uns: Die Arbeit wird zunehmen, wir werden länger und deutlich begehrter arbeiten können und müssen. 

Kontakt: uwe@kraffel.de 

Erschienen in Concept Ophthalmologie 2-2026

Foto: Adobe Stock – Alexandra W / peopleimages.com

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