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Schuppenflechte (Psoriasis) – Was Betroffene wissen sollten 

Schuppenflechte (Psoriasis) – Was Betroffene wissen sollten 

Herz-Kreislauf

mg° medizin

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Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis genannt, ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die durch ein überaktives Immunsystem verursacht wird. Sie zeigt sich durch schuppende, gerötete und oft juckende Hautveränderungen, die in Schüben auftreten. 

In Deutschland leben zwischen zwei und drei Millionen Menschen mit dieser Erkrankung. Schuppenflechte ist zwar nicht heilbar, aber mit modernen Therapien gut behandelbar. Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl medizinische Behandlung als auch Hautpflege und Lebensstilanpassungen umfasst. 

Warum dieses Thema wichtig ist 

Schuppenflechte ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Die sichtbaren Hautveränderungen führen häufig zu erheblicher psychischer Belastung. Viele Betroffene leiden unter Stigmatisierung und Diskriminierung im Alltag. 

Selbstisolation und Rückzug aus Angst und Scham vor Ablehnung sind eine häufige Folge. Sehr viele Erkrankte leiden infolge ihrer Psoriasis an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. Obwohl die Krankheit nicht ansteckend ist, erleben Betroffene oft Ausgrenzung, was die Situation zusätzlich verschlimmert. 

Das Verständnis der Erkrankung und ihrer Behandlungsmöglichkeiten ist daher von großer Bedeutung für die Lebensqualität der Betroffenen. Je mehr Menschen über Psoriasis wissen, desto weniger Vorurteile und Ausgrenzung müssen Betroffene erleben. 

Was ist Schuppenflechte und wie entsteht sie?

Schuppenflechte ist eine erblich bedingte Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Bei der Psoriasis sind die Hautzellen betroffen. Sie erneuern sich viel schneller als bei gesunden Menschen – etwa alle drei bis vier Tage statt alle vier Wochen. Diese beschleunigte Zellteilung führt zu den charakteristischen Hautveränderungen. 

Der Name Psoriasis stammt vom griechischen Begriff “psora” (Juckreiz) und verdeutlicht eine wichtige Begleiterscheinung der Erkrankung. Die deutsche Bezeichnung Schuppenflechte weist auf die typischen Symptome hin: Schuppen und entzündlich gerötete Haut. Die Psoriasis ist keine moderne Zivilisationskrankheit – es gibt bereits Hinweise auf die Erkrankung im Altertum. 

Niemand kann sich mit Schuppenflechte anstecken, aber jeder, der die genetische Veranlagung hat, kann sie bekommen. Ihr Auftreten beziehungsweise Ausbrechen kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. 

Typische Symptome und Erscheinungsformen 

Die häufigste Form ist die Psoriasis vulgaris, von der 80 bis 90 Prozent aller Betroffenen betroffen sind. Die typischen Hautveränderungen werden als Plaques bezeichnet – scharf begrenzte, erhabene Hautareale mit silbrig-weißlichen Schuppen auf geröteter Haut. Häufig sind diese Bereiche mit Juckreiz oder Brennen verbunden.

Besonders häufig betroffen sind: 

  • Ellenbogen und Knie: Die klassischen Stellen für Psoriasis-Plaques 
  • Kopfhaut: Etwa die Hälfte aller Betroffenen entwickelt Schuppenflechte auf der Kopfhaut 
  • Rücken und Rumpf: Größere Hautareale können betroffen sein 
  • Hände und Füße: Auch die Finger- und Fußnägel können sich verändern 

Neben der häufigen Psoriasis vulgaris gibt es weitere Formen wie die Psoriasis inversa, die vor allem in Hautfalten auftritt, oder die Psoriasis pustulosa mit eitrigen Bläschen. Bei manchen Betroffenen greift die Entzündung auch auf die Gelenke über – man spricht dann von Psoriasis-Arthritis.

Was löst Schübe aus? 

Wie eine Schuppenflechte verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. Es kann Zeiten geben, in denen die Beschwerden besonders stark und belastend sind, und Zeiten ohne oder mit nur leichten Hautproblemen. Manche Menschen haben allerdings eine dauerhaft stark ausgeprägte Schuppenflechte. 

Psoriasis-Schübe können durch bestimmte Reize ausgelöst werden: 

  • Hautverletzungen: Sonnenbrand, Kratzen, Tätowierungen oder Piercings 
  • Psychischer Stress: Einer der wichtigsten Auslöser, wobei zwischen Stress und Schub Tage bis Wochen vergehen können 
  • Infektionen: Besonders bakterielle Infektionen können Schübe begünstigen 
  • Alkohol und Nikotin: Können die Symptome verschlimmern 
  • Bestimmte Medikamente: Zum Beispiel manche Malaria-Mittel 
  • Mechanische Reizung: Zu heißes Duschen oder bestimmte Chemikalien 

Stress wird von Medizinern als zentraler Auslöser und zugleich als Folge der Schuppenflechte angesehen. Die Freisetzung von Stresshormonen kann die Entzündung verstärken und somit den Krankheitsverlauf beeinflussen. 

Die richtige Hautpflege im Alltag 

Die Grundlage einer Psoriasis-Behandlung ist eine gute Hautpflege. Sie kann die Haut durch tägliches Eincremen geschmeidig halten und schützen. Wichtig ist, die Haut auch in beschwerdefreien Phasen sorgfältig zu pflegen. Regelmäßiges Eincremen mit rückfettenden Produkten hilft, die Hautbarriere zu stärken und Juckreiz zu lindern. 

Beim Duschen oder Baden sollten Sie auf zu heißes Wasser verzichten und milde, pH-neutrale Waschprodukte verwenden. Nach dem Waschen die Haut vorsichtig trocken tupfen, nicht rubbeln. Aggressive Seifen oder Duschgels können die Haut zusätzlich reizen und sollten vermieden werden. 

Behandlungsmöglichkeiten 

Bei leichter Schuppenflechte reichen meist Medikamente zum Auftragen auf die Haut aus. Wirksam und gut verträglich sind Salben, Cremes und Lösungen mit Kortison oder Vitamin-D3-Abkömmlingen. Diese äußerliche (topische) Behandlung wird direkt auf die veränderten Hautstellen aufgetragen. 

Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis kommen weitere Therapien infrage: 

  • Lichttherapie: Bestimmte UV-Strahlen können Entzündungen reduzieren 
  • Systemische Medikamente: Tabletten oder Spritzen, die im ganzen Körper wirken 
  • Biologika: Moderne Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen und die Therapie revolutioniert haben 

Welche Behandlung am besten geeignet ist, hängt von der Schwere der Erkrankung, den betroffenen Körperstellen und persönlichen Faktoren ab. Ihre Hautärztin oder Ihr Hautarzt wird gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Therapieplan entwickeln. 

Leben mit Schuppenflechte – praktische Tipps 

Neben der medizinischen Behandlung können Sie selbst viel dazu beitragen, Schübe zu vermeiden und Ihre Lebensqualität zu verbessern. Eine entzündungshemmende Ernährung kann hilfreich sein. Empfehlenswert sind Omega-3-reiche Lebensmittel wie fetter Seefisch, zuckerarme Obstsorten, reichlich Gemüse, Vollkornprodukte und hochwertige pflanzliche Öle. Vermeiden sollten Sie hingegen entzündungsfördernde Lebensmittel wie fettreiche Milch- oder Fleischprodukte und frittierte Speisen. 

Stressreduktion ist ebenfalls wichtig. Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf und Zeit für sich selbst können helfen, psychischen Belastungen entgegenzuwirken. Psoriasis kann für Betroffene zu einer großen psychischen Belastung führen und die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Scheuen Sie sich nicht, psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. 

Selbsthilfe und Austausch 

Der Kontakt zu anderen Betroffenen kann sehr wertvollvoll sein. Der Deutsche Psoriasis Bund bietet Betroffenen und Angehörigen eine Vielzahl von regionalen und digitalen Selbsthilfegruppen an. Hier können sich Betroffene austauschen, Erfahrungen teilen und Unterstützung finden. Nur Gemeinsamkeit, Kommunikation und Information können aus der Resignation vor der Erkrankung und der erkrankungsbedingten Isolation führen. 

Das Ziel ist es, Menschen mit Psoriasis zu Experten ihrer chronischen Erkrankung zu machen. Das Wissen um den richtigen Umgang mit der eigenen Erkrankung führt aus der Ohnmacht heraus und stärkt das Selbstwertgefühl. 

Häufig gestellte Fragen (FAQ) 

Wird Psoriasis vererbt? 

Psoriasis hat eine erbliche Komponente. Wenn ein Elternteil betroffen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 30 Prozent, dass das Kind ebenfalls erkrankt. Sind beide Elternteile betroffen, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 60 bis 70 Prozent. Allerdings erklärt die Vererbung nicht alles – auch Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle. 

Kann Psoriasis geheilt werden? 

Nein, Psoriasis ist derzeit nicht heilbar. Es gibt keine Behandlung, die die Erkrankung vollständig beseitigt. Allerdings können moderne Therapien die Symptome sehr gut kontrollieren und bei vielen Betroffenen zu nahezu erscheinungsfreier Haut führen.

Darf ich mit Psoriasis schwimmen gehen? 

Ja, grundsätzlich dürfen Sie schwimmen gehen. Chlorwasser kann die Haut allerdings austrocknen, daher sollten Sie nach dem Schwimmen gründlich abduschen und die Haut gut eincremen. Solebäder können sogar wohltuend sein und die Symptome lindern. 

Kann Psoriasis plötzlich verschwinden? 

Ja, bei manchen Menschen können die Symptome für längere Zeit komplett verschwinden. Psoriasis verläuft in Schüben, sodass sich akute Phasen und symptomfreie Zeiten abwechseln können. Allerdings bleibt die Veranlagung bestehen, und Schübe können jederzeit wieder auftreten.

Kann ich mein Baby stillen, wenn ich Psoriasis habe?

Ja, Sie können trotz Psoriasis stillen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und wird nicht über die Muttermilch übertragen. Wenn Sie Plaques an der Brust haben, sollten Sie diese lokal behandeln und darauf achten, dass Ihr Kind die Salbe nicht verschluckt. 

Beeinflusst Psoriasis die Lebenserwartung? 

Eine leichte bis mittelschwere Psoriasis hat normalerweise keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Schwere Formen können jedoch mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Psoriasis-Arthritis einhergehen. Deshalb ist eine konsequente Behandlung so wichtig. 

Ein ermutigender Ausblick 

Psoriasis ist nicht heilbar, aber behandelbar! Die Therapiemöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Einst war Psoriasis eine schwer zu behandelnde Erkrankung, doch seit der Jahrtausendwende gibt es viele neue Medikamente, insbesondere Biologika, die die Therapie revolutioniert haben. Niemand muss sich damit abfinden, dass die Psoriasis den Alltag bestimmt – es gibt viele Wege und Möglichkeiten, gut mit der Erkrankung zu leben. 

Mit der richtigen Behandlung, guter Hautpflege und einem bewussten Lebensstil können viele Betroffene ihre Symptome deutlich lindern und eine gute Lebensqualität erreichen. Wichtig ist, frühzeitig hautärztliche Hilfe zu suchen und die Therapie konsequent durchzuführen. Vertrauen Sie darauf, dass moderne Behandlungen Ihnen helfen können, besser mit der Erkrankung zu leben. 

Disclaimer 

Dieser Artikel dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt nicht den Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt. Die Inhalte stellen keine Therapieempfehlung dar und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Behandlung von Schuppenflechte wenden Sie sich bitte an Ihre Hautärztin, Ihren Hautarzt oder Ihre Apotheke. Nur medizinisches Fachpersonal kann eine individuelle Diagnose stellen und eine auf Sie abgestimmte Behandlung empfehlen. 

Quellenverzeichnis

Deutscher Psoriasis Bund e.V. (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Psoriasis ist nicht heilbar, aber behandelbar! https://www.psoriasis-bund.de/wissen/psoriasis/ 

Gesundheitsinformation.de, IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Hautpflege und Medikamente zum Auftragen. https://www.gesundheitsinformation.de/hautpflege-und-medikamente-zum-auftragen.html 

Gesundheitsinformation.de, IQWiG (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Schuppenflechte (Psoriasis). https://www.gesundheitsinformation.de/schuppenflechte-psoriasis.html 

Barmer (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Schuppenflechte (Psoriasis). https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/wissen/krankheiten-a-z/schuppenflechte-1142274 

Apotheken Umschau (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Schuppenflechte: Ursachen, Symptome, Behandlung. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/hautkrankheiten/schuppenflechte-ursachen-symptome-behandlung-734601.html 

Apotheken Umschau (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Was ist die beste Therapie gegen Schuppenflechte. https://www.apotheken-umschau.de/podcast/episode/ne-dosis-wissen-der-medizin-podcast-fuer-menschen-im-gesundheitswesen/was-ist-die-beste-therapie-gegen-schuppenflechte-1060769.html 

AOK (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Schuppenflechte behandeln: Das können Betroffene bei Psoriasis tun. https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/haut-und-allergie/schuppenflechte-behandeln-das-koennen-betroffene-bei-psoriasis-tun/ 

NetDoktor (Abgerufen am 10. Oktober 2025): Schuppenflechte auf der Kopfhaut. https://www.netdoktor.de/krankheiten/psoriasis/schuppenflechte-kopfhaut/ 

Bei der Erstellung dieses Artikels kam KI-Unterstützung zum Einsatz.

Schlagworte zu diesem Beitrag

Chronisch, Hauterkrankung, Psoriasis, Schuppenflechte

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