Schwindel beim Aufstehen tritt auf, wenn der Blutdruck nach einem Lagewechsel abrupt abfällt. Betroffene spüren Benommenheit, Schwindelgefühl oder sehen kurz schwarz vor Augen. Die sogenannte orthostatische Hypotonie ist meist harmlos, kann aber zu Stürzen führen. Mit langsamen Bewegungen, ausreichend Flüssigkeit und gezielten Übungen lassen sich die Beschwerden oft gut in den Griff bekommen.
Warum wird mir beim Aufstehen schwindelig?
Vielen Menschen wird beim schnellen Aufstehen aus dem Bett oder vom Sofa kurz schwindelig. Schwindel beim Aufstehen ist ein weit verbreitetes Phänomen, das besonders ältere Menschen, aber auch jüngere Personen mit niedrigem Blutdruck betrifft.
Die plötzliche Benommenheit mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Doch sie birgt ein erhebliches Sturzrisiko und kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Umso wichtiger ist es, die Ursachen zu verstehen und zu wissen, wie man sich im Alltag schützen kann.
Was ist orthostatische Hypotonie?
Schwindel beim Aufstehen wird in der Medizin als orthostatische Hypotonie bezeichnet. Dieser Begriff beschreibt einen übermäßigen Blutdruckabfall beim Positionswechsel.
Normalerweise passt der Körper den Blutdruck automatisch an, wenn wir unsere Position ändern. Stehen wir auf, muss das Herz das Blut gegen die Schwerkraft nach oben pumpen. So wird auch das Gehirn ausreichend versorgt.
Bei der orthostatischen Hypotonie funktioniert dieser Regulationsmechanismus nicht optimal. Das vegetative Nervensystem reagiert nicht schnell genug. Die Blutgefäße ziehen sich nicht zusammen, und das Blut versackt in den Beinen.
Medizinisch liegt eine orthostatische Hypotonie vor, wenn der obere Blutdruckwert um mindestens 20 mmHg oder der untere Wert um mindestens 10 mmHg abfällt.
Wie fühlt sich Schwindel beim Aufstehen an?
Die Beschwerden bei Schwindel beim Aufstehen können sich unterschiedlich äußern. Viele Betroffene kennen folgende Warnzeichen:
- Schwindelgefühl oder Benommenheit: Ein plötzliches Gefühl, als würde sich alles drehen oder schwanken
- Schwarzwerden vor den Augen: Die Sicht verschwimmt oder wird kurzzeitig dunkel
- Ohrensausen: Ein Rauschen oder Druck in den Ohren begleitet den Schwindel
- Schwächegefühl: Die Beine fühlen sich wackelig an, man muss sich festhalten
In selteneren Fällen kann es auch zu einer Synkope kommen – das ist eine kurzzeitige Ohnmacht. Diese dauert meist nur wenige Sekunden, kann aber gefährlich sein, wenn man dabei stürzt.
Die Symptome bessern sich in der Regel rasch, sobald man sich wieder hinsetzt oder hinlegt.
Schnellübersicht: Ursachen, Anzeichen und Hilfe
| Ursache | Typisches Zeichen | Was hilft |
| Niedriger Blutdruck | Schwarzwerden vor Augen, Benommenheit | Ausreichend trinken, salzreichere Ernährung (nach ärztlicher Absprache) |
| Flüssigkeitsmangel | Müdigkeit, trockener Mund, Schwindel | Mindestens 1,5–2 Liter täglich trinken |
| Medikamente | Schwindel kurz nach Tabletteneinnahme | Ärztliche Rücksprache zur Dosierung |
| Längere Bettruhe | Kreislaufschwäche nach Krankheit | Langsam mobilisieren, Kreislauftraining |
| Alter | Häufiger Schwindel am Morgen | Kompressionsstrümpfe, langsames Aufstehen |
| POTS (Herzrasen beim Aufstehen) | Stark erhöhter Puls ohne Blutdruckabfall | Spezielle Diagnostik, individuelle Therapie |
Welche Ursachen stecken hinter dem Schwindel?
Schwindel beim Aufstehen kann vielfältige Auslöser haben.
- Niedriger Blutdruck: Menschen mit von Natur aus niedrigem Blutdruck sind besonders anfällig. Das Gehirn wird nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, wenn der Druck beim Aufstehen weiter absinkt.
- Flüssigkeitsmangel: Wer zu wenig trinkt, hat ein verringertes Blutvolumen. Dadurch kann der Körper den Blutdruck beim Lagewechsel nicht aufrechterhalten.
- Medikamente als Auslöser: Bestimmte Arzneimittel wie Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel oder auch manche Antidepressiva können als Nebenwirkung Schwindel beim Aufstehen verursachen.
- Bewegungsmangel und Bettruhe: Nach Krankheit oder Operation ist der Kreislauf oft geschwächt. Der Körper reagiert auf Lagewechsel empfindlicher.
- Zunehmendes Alter: Mit den Jahren lässt die Fähigkeit zur Blutdruckregulation nach. Ältere Menschen sind daher besonders häufig von orthostatischer Hypotonie betroffen.
- Vorerkrankungen: Diabetes, Herzerkrankungen, Krampfadern oder neurologische Erkrankungen wie Parkinson können die Kreislaufregulation beeinträchtigen.
Was ist POTS?
POTS steht für posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom. Dabei steigt die Herzfrequenz beim Aufstehen stark an – meist um mehr als 30 Schläge pro Minute.
Anders als bei der klassischen orthostatischen Hypotonie fällt der Blutdruck dabei nicht deutlich ab. Trotzdem leiden Betroffene unter Schwindel, Herzrasen und Benommenheit.
POTS betrifft häufig jüngere Menschen, besonders Frauen. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Wenn Sie regelmäßig unter Schwindel beim Aufstehen leiden, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt wird zunächst Ihre Krankengeschichte erfragen.
Der Schellong-Test
Ein wichtiges Diagnoseverfahren ist der Schellong-Test. Dabei liegt die betroffene Person zunächst etwa zehn Minuten ruhig. Dann steht sie abrupt auf und bleibt weitere zehn Minuten stehen.
Währenddessen werden in regelmäßigen Abständen Blutdruck und Puls gemessen. So lässt sich feststellen, ob und wie stark der Blutdruck beim Aufstehen abfällt.
Weitere Untersuchungen
Zusätzlich können weitere Tests sinnvoll sein: ein EKG zur Überprüfung der Herzfunktion, Bluttests oder die Prüfung des Flüssigkeitshaushalts. Wichtig ist, mögliche Grunderkrankungen oder problematische Medikamente zu identifizieren.
Wie wird Schwindel beim Aufstehen behandelt?
Die Behandlung von Schwindel beim Aufstehen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Medikamente anpassen
Wenn Arzneimittel den Schwindel verursachen, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Dosierung anpassen oder ein alternatives Präparat verschreiben.
Grunderkrankungen behandeln
Liegt eine Erkrankung wie Diabetes oder eine Herzschwäche vor, ist deren konsequente Behandlung wichtig.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Diese bilden die Basis der Behandlung. Dazu gehören ausreichende Flüssigkeitszufuhr, erhöhte Salzzufuhr nach ärztlicher Rücksprache, das Tragen von Kompressionsstrümpfen und regelmäßige Bewegung.
In manchen Fällen können auch spezielle physiotherapeutische Übungen oder Gleichgewichtstraining hilfreich sein.
Richtig aufstehen am Morgen: Schritt für Schritt
So vermeiden Sie Schwindel beim Aufstehen:
1. Wachwerden im Liegen: Öffnen Sie die Augen und bleiben Sie noch 20–30 Sekunden ruhig liegen. Atmen Sie ein paar Mal tief durch.
2. Beine aktivieren: Strecken Sie sich, bewegen Sie Ihre Füße und “radeln” Sie mit den Beinen in der Luft. Das bringt den Kreislauf in Schwung.
3. Zur Bettkante drehen: Drehen Sie sich langsam zur Seite und setzen Sie sich auf die Bettkante. Lassen Sie die Beine herunterhängen.
4. Sitzpause einlegen: Bleiben Sie 30–60 Sekunden sitzen. Warten Sie, bis sich Ihr Kreislauf angepasst hat.
5. Füße kreisen und Waden anspannen: Bewegen Sie Ihre Füße im Kreis. Spannen Sie die Wadenmuskulatur mehrmals an und entspannen Sie wieder.
6. Langsam aufstehen: Stehen Sie vorsichtig auf. Stützen Sie sich dabei an Nachttisch, Bett oder Stuhl ab.
7. Kurz stehen bleiben: Bleiben Sie einen Moment stehen. Atmen Sie ruhig und fixieren Sie einen festen Punkt im Raum. Erst, wenn kein Schwindel auftritt, gehen Sie los.
Welche Tipps gegen Schwindel helfen im Alltag?
Sie können selbst viel tun, um Schwindel beim Aufstehen zu vermeiden oder abzumildern.
Ausreichend trinken: Mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich helfen, das Blutvolumen zu stabilisieren. Besonders morgens ein großes Glas Wasser trinken.
Wechselduschen anwenden: Warme und kalte Wassergüsse regen die Durchblutung an und trainieren die Blutgefäße. Beginnen Sie mit warmem Wasser und enden Sie immer mit kaltem.
Regelmäßig bewegen: Spaziergänge, Nordic Walking oder leichtes Ausdauertraining stärken den Kreislauf nachhaltig. Schon 20–30 Minuten täglich machen einen Unterschied.
Alkohol und Koffein einschränken: Beide Substanzen beeinflussen den Blutdruck. Genießen Sie sie nur in Maßen.
Kompressionsstrümpfe tragen: Sie verhindern, dass Blut in den Beinen versackt. Ziehen Sie sie bereits morgens vor dem ersten Aufstehen an.
Fäuste ballen bei akutem Schwindel: Wenn Ihnen plötzlich schwindelig wird, ballen Sie mehrmals Ihre Hände zur Faust und öffnen Sie sie wieder. Das sorgt für zusätzlichen Sauerstoff im Gehirn.
Wann sollte ich zum Arzt?
Suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn:
- Der Schwindel beim Aufstehen häufig oder regelmäßig auftritt
- Sie mehrfach gestürzt sind oder sich verletzt haben
- Zusätzliche Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot, Kopfschmerzen oder neurologische Ausfälle auftreten
- Sie bereits ohnmächtig geworden sind (Synkope)
- Der Schwindel länger als ein bis zwei Minuten anhält
Bei plötzlich auftretendem, sehr starkem Schwindel mit Bewusstseinsverlust sollten Sie den Notarzt rufen.
Wie lebe ich mit Schwindel beim Aufstehen?
Schwindel beim Aufstehen kann im Alltag belasten. Doch mit den richtigen Strategien lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern.
Die Wohnung sicher gestalten: Entfernen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche. Sorgen Sie für gute Beleuchtung, besonders nachts. Nutzen Sie Haltegriffe im Bad.
Ruhe bewahren bei Schwindel: Wenn Schwindel auftritt, bewahren Sie Ruhe. Setzen oder legen Sie sich sofort hin und warten Sie, bis die Beschwerden nachlassen. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig.
Einen festen Punkt fixieren: Fixieren Sie einen festen Punkt, um das Gleichgewichtsgefühl zu stabilisieren. Das hilft dem Gehirn, sich zu orientieren.
Schwindeltagebuch führen: Notieren Sie, wann und in welchen Situationen der Schwindel auftritt. Das kann Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin helfen, Muster zu erkennen und die Behandlung anzupassen.
Gibt es spezielle Übungen gegen Schwindel?
Ja, bestimmte Übungen können helfen, den Kreislauf zu stabilisieren und das Gleichgewicht zu trainieren.
Kreislaufübungen im Bett: Vor dem Aufstehen die Beine anwinkeln und strecken, Füße kreisen lassen, mit den Beinen in der Luft radeln.
Gleichgewichtstraining: Auf einem Bein stehen, Tandemgang (Ferse vor Zehenspitze setzen), Balance auf instabilem Untergrund üben.
Muskelanspannung: Waden-, Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur gezielt anspannen, um den Blutfluss zu aktivieren.
Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Übungen für Sie geeignet sind. Bei bestimmten Schwindelformen wie dem Lagerungsschwindel können spezielle Manöver helfen.
Kann ich Schwindel beim Aufstehen vorbeugen?
Ja, mit einigen vorbeugenden Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren:
- Stehen Sie immer langsam und in Etappen auf
- Trinken Sie ausreichend über den Tag verteilt
- Bewegen Sie sich regelmäßig an der frischen Luft
- Führen Sie morgendliche Kreislaufübungen im Bett durch
- Tragen Sie bei Bedarf Kompressionsstrümpfe
- Vermeiden Sie übermäßig heiße Bäder oder Duschen
- Essen Sie kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt
Bei bestehenden Vorerkrankungen ist die konsequente Behandlung wichtig.
Ermutigender Ausblick
Die gute Nachricht: Schwindel beim Aufstehen lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln und mit einfachen Maßnahmen deutlich bessern.
Viele Betroffene berichten, dass bereits kleine Veränderungen im Alltag spürbare Erleichterung bringen. Langsameres Aufstehen und ausreichendes Trinken machen oft schon einen großen Unterschied.
Mit der richtigen ärztlichen Begleitung und etwas Geduld können Sie lernen, mit den Beschwerden umzugehen. Ihre Lebensqualität lässt sich zurückgewinnen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Schwindel beim Aufstehen gefährlich?
In den meisten Fällen ist Schwindel beim Aufstehen harmlos und gut behandelbar. Gefährlich wird er vor allem durch das erhöhte Sturzrisiko. Treten zusätzliche Symptome wie Brustschmerzen oder Bewusstseinsverlust auf, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.
Wie lange dauert Schwindel beim Aufstehen?
Typischerweise hält der Schwindel nur wenige Sekunden bis maximal ein bis zwei Minuten an und bessert sich rasch, sobald man sich wieder hinsetzt oder der Kreislauf sich angepasst hat.
Welcher Arzt ist bei Schwindel beim Aufstehen zuständig?
Der erste Ansprechpartner ist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt. Je nach Ursache kann eine Überweisung zu Fachärzten für Kardiologie, Neurologie oder HNO sinnvoll sein.
Kann Schwindel beim Aufstehen auch bei jungen Menschen auftreten?
Ja, auch jüngere Personen können betroffen sein, besonders bei niedrigem Blutdruck, Flüssigkeitsmangel oder dem posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom (POTS).
Welche Rolle spielt die Ernährung bei Schwindel?
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Salz (nach ärztlicher Absprache) und genügend Flüssigkeit kann helfen, den Blutdruck zu stabilisieren. Vermeiden Sie übermäßigen Alkohol- und Koffeinkonsum.
Helfen Kompressionsstrümpfe wirklich gegen Schwindel?
Ja, Kompressionsstrümpfe können sehr wirksam sein, da sie verhindern, dass zu viel Blut in den Beinen versackt. Sie sollten morgens vor dem ersten Aufstehen angezogen werden.
Was ist der Unterschied zwischen orthostatischer Hypotonie und POTS?
Bei orthostatischer Hypotonie fällt der Blutdruck beim Aufstehen stark ab. Bei POTS steigt stattdessen die Herzfrequenz deutlich an, während der Blutdruck relativ stabil bleibt. Beide Zustände können Schwindel verursachen.
Können Medikamente Schwindel beim Aufstehen auslösen?
Ja, verschiedene Medikamente wie Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel, manche Antidepressiva oder Beruhigungsmittel können als Nebenwirkung Schwindel beim Aufstehen verursachen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Anpassungen.
Dieser Artikel ersetzt nicht den Arztbesuch.
Die Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsaufklärung und stellen keine individuelle medizinische Beratung dar.
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Schwindelattacken, zusätzlichen Symptomen wie Brustschmerzen, Atemnot oder neurologischen Ausfällen sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Verändern Sie niemals eigenmächtig die Dosierung Ihrer Medikamente, sondern besprechen Sie alle therapeutischen Maßnahmen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Bei der Erstellung dieses Artikels kam KI-Unterstützung zum Einsatz.
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Bayerischer Rundfunk (BR) – Gesundheitsratgeber: Physiotherapie – Übungen gegen Schwindel. Praktische Anleitungen für zu Hause. Abgerufen am 23. Oktober 2025 von https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/ratgeber/schwindel-uebungen-zuhause-andy-sixtus-100.html



