Unter dem Motto „Zukunft atmen – Innovation und Menschlichkeit“ fand vom 18. bis 21. März 2026 der 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München statt. Auch zur pneumologischen Onkologie wurden Abstracts vorgestellt.
Geschlechtsspezifische Biomarker bei NSCLC unter ICI-Therapie
Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICIs) haben die Behandlungsergebnisse bei fortgeschrittenem nicht kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) ohne zielgerichtete Genveränderungen deutlich verbessert, jedoch bleibt das Therapieansprechen heterogen und durch PD-L1 allein nicht ausreichend vorhersagbar.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunregulation könnten dabei eine bislang unterschätzte Rolle spielen.
Die auf dem DGP-Kongress vorgestellte prospektive Single-Center-Studie zielt auf den Einschluss von 100 Patientinnen (je 50 Männer und Frauen) mit fortgeschrittenem EGFR- / ALK-Wildtyp-NSCLC ab, die eine Erstlinien-ICI-Mono- oder ICI-plus-Chemotherapie erhalten. Zu drei Zeitpunkten wird ein Panel aus neun Zytokinen (u. a. IFNγ, IL-6, IL-8, TNFα) gemessen. Primärer Endpunkt ist der Zusammenhang zwischen Baseline-Zytokinwerten und der objektiven Ansprechrate (ORR); sekundär werden PFS, OS, immunbedingte unerwünschte Ereignisse (irAEs) sowie die Zytokin-Dynamik – jeweils mit Fokus auf Geschlechterunterschiede – analysiert. In der Zwischenanalyse wurden bislang 35 Patientinnen eingeschlossen (43 % Frauen, 80 % Adenokarzinom; 77 % unter Pembrolizumab plus Chemotherapie; 23 % unter ICI-Monotherapie). Die Rekrutierung läuft noch; die Hauptanalyse erfolgt nach Abschluss der Kohorte.
Die Studie soll geschlechtsspezifische immun-inflammatorische Profile identifizieren, die das Ansprechen auf ICIs bei fortgeschrittenem NSCLC vorhersagen und so eine geschlechtssensible Personalisierung von Immuntherapiestrategien ermöglichen. [1]
Inzidentelle pulmonale Rundherde: Prävalenz, Risikoprofil und Screening-Relevanz
Lungenkarzinome sind weltweit die häufigste Ursache krebsbedingter Mortalität. Da eine frühe Diagnose die Prognose deutlich verbessert, werden in einigen Ländern bereits Screening-Programme durchgeführt – seit April 2026 auch in Deutschland.
Inzidentelle pulmonale Noduli (IPNs) sind häufige Zufallsbefunde, die frühe Malignome anzeigen können. Ziel einer auf dem Kongress vorgestellten Arbeit war die Erfassung von Prävalenz, Risikoprofil und Nachsorge von IPNs in einem unselektionierten Notaufnahmekollektiv.
Retrospektiv wurden 1.709 konsekutive CT-Thorax-Aufnahmen aus der Notaufnahme des LMU-Klinikums (01 / 2023 – 06 / 2024) ausgewertet. Positive Befunde wurden in klassische Rundherde (≤ 3 cm), Raumforderungen (> 3 cm) und Tumorfälle unterteilt.
Das Malignitätsrisiko wurde mittels Brock-Modell bewertet, die Nachsorge anhand der Fleischner-Kriterien beurteilt. Zudem wurde geprüft, ob Betroffene die geplanten Screening-Kriterien erfüllt hätten.
Insgesamt zeigten 651 Fälle (40,4 %) positive Befunde, darunter 323 klassische Rundherde, 76 Raumforderungen und 252 Tumorfälle. Bei 96 Rundherden (29,7 %) ergab das Brock-Modell ein Malignitätsrisiko von > 10 %.
Nach den Fleischner-Kriterien hätten 195 Rundherde (60,4 %) eine CT-Kontrolle erfordert. Lediglich 23 Personen (7,1 %) erfüllten alle Screening-Kriterien (Alter 50 – 75 Jahre, ≥ 15 Packungsjahre); 300 Betroffene (92,9 %) lagen außerhalb dieser Kriterien.
Die Ergebnisse zeigen, dass IPNs häufige und klinisch relevante Befunde sind. Ein erheblicher Anteil potenziell maligner Herde wurde bei Personen entdeckt, die nicht für das geplante Screening qualifizieren – und die Nachsorge erfolgt oft nicht leitliniengerecht.
Strukturierte IPN-Programme könnten das Low-Dose-CT-Screening ergänzen und die Lungenkarzinom-Früherkennung sowie die Behandlungschancen deutlich verbessern. [2]
ACCEPT: QoL und OS-Gewinn bei Lungenkrebspatientinnen durch multimodale Therapie
NSCLC-Patientinnen leiden unter erheblicher Symptom- und psychischer Belastung und benötigen frühzeitige Unterstützung. Zu diesem Zweck wurde das ACCEPT-Protokoll (Additive Integrative Medicine Cancer Concept of Early Supportive or Palliative Lung Cancer Treatment) entwickelt – eine multimodale Intervention aus Gesundheitserziehung in Kleingruppen, psychoonkologischer Beratung und betreutem Heimtraining, integriert in die NSCLC-Standardbehandlung.
In einer prospektiven, longitudinalen Studie wurden 214 NSCLC-Patient*innen der Stadien II – IV zwischen Januar 2018 und August 2021 rekrutiert.
Sie nahmen am ambulanten ACCEPT-Programm teil und füllten Lebensqualitätsfragebögen, unter anderem den Trial Outcome Index (TOI) und den Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) aus.
Nach drei Monaten zeigten sich klinisch und statistisch signifikante Verbesserungen von 8 – 17 % (p < 0,0001). Nach sechs Monaten betrug die Verbesserung noch 11 % (TOI, p = 0,004) bzw. 12 % (HADS, p < 0,0001).
Multivariate Analysen bestätigten dosisabhängige Effekte: Selbst nach zwölf Monaten führte jede psychoonkologische Sitzung zu einer nachhaltigen TOI-Verbesserung von 4 % (p = 0,04).
Die Ergebnisse belegen klinisch relevante, dosisabhängige Effekte des ACCEPT-Programms auf die Lebensqualität – auch bei geringer Teilnahme. Weitere Analysen zur Absicherung dieser Befunde sind erforderlich. [3]
Literatur:
- Resuli B et al. Sex-Related Predictive Value of Circulating Inflammatory Biomarkers in NSCLC Patients Treated with Immune Checkpoint Inhibitors: A Prospective Real-World Study. Pneumologie 2026; 80(S58). DOI: 10.1055/s-0046–1816224
- Diptmar-Dresp S et al. Inzidentelle pulmonale Rundherde als Chance der erweiterten Lungenkrebsfrüherkennung: Prävalenz, Risikoprofil und Screening-Relevanz in einem unselektionierten Patientenkollektiv. Pneumologie 2026; 80(S52). DOI: 10.1055/s-0046–1816207
- Grah C et al. QoL und OS Zugewinn für Lungenkrebspatienten im 12 Monatesverlauf durch supportive multimodale Therapie mit ACCEPT. Pneumologie 2026; 80(S68). DOI: 10.1055/s-0046–1816250

