Die Colitis ulcerosa betrifft in Deutschland etwa 200–250 von 100.000 Menschen und ist damit eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Doch was viele nicht wissen: Die Erkrankung beginnt oft schleichend mit unspezifischen Symptomen, die leicht mit einem Reizdarmsyndrom verwechselt werden können. Betroffene wenden sich daher häufig zunächst an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt – und genau hier liegt eine zentrale Chance für eine frühzeitige Diagnose und einen günstigen Krankheitsverlauf.
Lange Zeit wurde Colitis ulcerosa vor allem als rein gastroenterologisches Problem betrachtet. Dieses Bild hat sich grundlegend gewandelt.
Die aktuelle Wissenschaft zeigt: Colitis ulcerosa ist weit mehr als eine isolierte Darmentzündung – sie ist eine systemische Erkrankung mit extraintestinalen Manifestationen, die Gelenke, Haut, Augen und Leber betreffen können. Und das häufig über Jahrzehnte hinweg.
Ein unterschätztes Risiko – mit lebenslangen Konsequenzen
Was viele nicht wissen: Etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelt extraintestinale Symptome wie Arthralgien, Hautveränderungen (Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum) oder Augenentzündungen (Episkleritis, Uveitis). Hinzu kommt: Unbehandelt oder bei schwerem Verlauf steigt das Risiko für ein kolorektales Karzinom deutlich an. Besonders beachtenswert ist die Assoziation mit der primär sklerosierenden Cholangitis – eine hepatobiliäre Erkrankung, die eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert.
Diese Zahlen verdeutlichen, warum Colitis ulcerosa nicht länger als isoliertes Fachgebietsproblem der Gastroenterologie behandelt werden darf, sondern eine konsequente, interdisziplinäre Herangehensweise erfordert – von der Hausarztpraxis über die Gastroenterologie bis hin zur Ernährungsmedizin und Psychologie.
Diagnostik im Wandel
Auch in der Diagnostik hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die Diagnosestellung erfolgt leitliniengerecht durch eine Kombination aus Anamnese, Labordiagnostik, Stuhluntersuchungen und endoskopischer Abklärung. Doch die Diagnostik ist eine Ausschlussdiagnose – infektiöse, ischämische und medikamentös bedingte Kolitiden müssen sorgfältig abgegrenzt werden.
Besonders spannend: Fäkales Calprotectin gewinnt zunehmend an Bedeutung als sensibler Marker zur Beurteilung der intestinalen Entzündung – ein diagnostisches Update, das die klinische Praxis nachhaltig verändert und sich ideal für Verlaufskontrollen eignet.
Was erwartet Sie im Fortbildungsbeitrag?
Prof. Dr. med. Martin Storr, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Gastroenterologie, gibt in diesem Fortbildungsbeitrag einen fundierten und praxisnahen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft. Sie erfahren:
- Wie Colitis ulcerosa heute leitliniengerecht diagnostiziert wird und welche Rolle fäkales Calprotectin spielt
- Warum die frühzeitige Erkennung extraintestinaler Manifestationen bei jeder Patientin und jedem Patienten unverzichtbar ist
- Welche therapeutischen Strategien – von 5-Aminosalicylaten über Biologika bis zum Treat-to-Target-Ansatz – aktuell empfohlen werden
- Wie eine moderne, interdisziplinäre Versorgung von Colitis ulcerosa-Patientinnen und -Patienten aussehen kann
- Welche Rolle Ernährung, Patientenschulung und psychosoziale Unterstützung im Langzeitmanagement spielen
Dieser Beitrag liefert das notwendige Rüstzeug, um Colitis ulcerosa in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen – und Patientinnen und Patienten langfristig besser zu versorgen.



