Rolle der Genetik, Bildgebung und AI-basierter EKG- und Risikoanalyse
Die klassische Indikationsstellung für einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) bei Kardiomyopathie reicht nicht mehr aus. Neue Methoden in Form von multimodalen Risikomodelle, wie MRT-Fibrose, Genetik und KI-Analysen, werden für eine präzisere Risikostratifikation benötigt. Es wird ein Überblick zu aktuellen Leitlinienempfehlungen, laufenden klinische Studien und neuen Entwicklungen zur ICD-Indikationsstellung bei Kardiomyopathien gegeben.
Zusammenfassung
Die Entscheidung zur primärprophylaktischen Implantation eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) bei Patientinnen und Patienten mit Kardiomyopathie basierte bislang primär auf der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) und wenigen klinischen Parametern. Diese Strategie greift jedoch zunehmend zu kurz: Viele Hochrisikopatientinnen und -patienten werden nicht erkannt, während zahlreiche prophylaktisch implantierte ICDs nie eine adäquate Therapie abgeben. Neue Risikomarker wie myokardiale Fibrose im kardialen MRT mittels »late gadolinium enhancement« (LGE), genetische Hochrisikovarianten (z. B. LMNA, FLNC, RBM20) und KI-gestützte EKG-Analysen ermöglichen eine individualisierte Risikostratifikation, die über klassische LVEF-Grenzwerte hinausgeht. Multimodale prädiktive Modelle und digitale Zwillinge eröffnen zudem neue Perspektiven für eine simulationsgestützte Prävention des plötzlichen Herztods (PHT). Der Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Leitlinienempfehlungen, laufende klinische Studien und neue Entwicklungen zur ICD-Indikationsstellung bei Kardiomyopathien. Im Fokus stehen ein strukturierter, serieller Diagnostikpfad sowie interdisziplinäre Entscheidungsmodelle als Grundlage für eine evidenzbasierte, personalisierte ICD-Therapie.
Autorinnen und Autoren: F. Wiedmann, N. Soubh, M. Zabel, C. Schmidt
Lesen Sie den kostenpflichtigen Originalbeitrag zu diesem Thema in internistische praxis 2026; 69 (4): 477-488.



