Bei Menschen mit Down-Syndrom (DS) ist das Chromosom 21 (Human Sapiens Chromosome 21, HSA21) aufgrund einer genetischen Anomalie dreifach vorhanden. Es ist zwar das kleinste menschliche Chromosom, auf den rund 500 Genen sind aber wichtige Baupläne für Nervensystem und Zellstoffwechsel lokalisiert. Das überzählige HSA21 führt zu einem „Gendosis-Ungleichgewicht“, wodurch sich zahlreiche Erkrankungen entwickeln können. Eine mögliche Therapie sehen die Wissenschaftler darin, die Gen-Aktivität von HSA21 zu dämpfen. Im menschlichen Genom existiert bereits ein Gen, das ein gesamtes Chromosom stumm schalten kann: das Gen Xist (X-inactive specific transcript). Es sorgt im weiblichen Genom dafür, dass das gesamte zweite X-Chromosom dauerhaft ausgeschaltet ist. Die Idee, Xist in das beim DS überzählige HSA21 einzubauen und so das komplette Chromosom zu inaktivieren, wurde bereits 2013 verfolgt. Damals nutzen die Forscher das Gen ZFN („Zinc finger nuclease) zur Integration von Xist in HSA21, was jedoch nicht zur gewünschten Wirkung führte. US-Forscher haben jetzt in Zellkulturen einen modifizierten CRISPR/Cas9-Ansatz genutzt, mit dem die Effizienz des Einbaus von Xist von 20% auf 40% erhöht werden konnte. Zudem konnte das Ungleichgewicht der Gentranskription teilweise korrigiert werden.
Quelle: Lian G et al. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A 2026; 123 (16): e2517953123, https://doi.org/10.1073/pnas.2517953123



