Allgemeinmedizin » Herz und Kreislauf

»

Herzinsuffizienztherapie Update

Das Bild zeigt eine moderne, stilisierte Szene, in der mehrere kleine Ärzte und Ärztinnen als Figuren rund um ein großes, symbolisiertes Herz, ein Klemmbrett mit Kardiogramm und Medikamenten zu sehen sind.

Quelle: © creativeteam – stock.adobe.com

CME

Herzinsuffizienztherapie Update

Fachartikel

Allgemeinmedizin

Herz und Kreislauf

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: internistische Praxis

Herzinsuffizienz ist eine chronisch progrediente Erkrankung, unabhängig von der Ejektionsfraktion. Erkrankte mit reduzierter linksventrikulärer Funktion sollten rasch die passende Medikation erhalten. Die vorliegende Arbeit führt kurz in die Pharmakotherapie ein und beleuchtet die geänderten Therapiestrategien sowie neue Erkenntnisse aus randomisierten Studien.

Einleitung

021 erschien die europäische Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der akuten und chronischen Herzinsuffizienz [1]. Zwischen März 2021 und März 2023 wurden weitere randomisierte Studien und Metaanalysen publiziert und im Rahmen eines fokussierten Updates 2023 zusammengefasst [1, 2]. In der vorliegenden Arbeit wird nach einer kurzen Einführung in die Pharmakotherapie auf die geänderte Therapiestrategie der Pharmakotherapie und die neue Studienlage durch randomisierte Studien eingegangen.

Definition, Epidemiologie und Prognose

Herzinsuffizienz (HF) ist ein Syndrom bestehend aus Leistungsminderung, Müdigkeit, Atemnot, Nykturie und Ödemen. Klinische Anzeichen sind eine pulmonale Stauung, gegebenenfalls mit Pleuraergüssen, eine Jugularvenen-Stauung, Anasarka und Beinödeme.

Ursachen sind eine myokardiale Funktionsstörung z. B. infolge einer koronaren Herzerkrankung, einer Herzmuskelerkrankung oder eines Bluthochdrucks (systolisch/diastolisch), Herzklappenerkrankungen, Vorhofflimmern und perikardiale Erkrankungen.

Die Prävalenz der Herzinsuffizienz steigt mit zunehmendem Alter von ca. 1% bei den unter 55-Jährigen auf größer 10% bei den über 70-Jährigen. Die Sterblichkeitsraten sind in Beobachtungsstudien höher als in klinischen Studien. In der Kohorte von Olmsted County lagen die 1-Jahres- und 5-Jahres-Sterblichkeitsraten für alle Arten von HF-Erkrankungen zwischen 2000 und 2010 bei 20% bzw. 53%. Trotz weniger evidenzbasierter Behandlung haben Frauen ein längeres Überleben als Männer [3, 4].

Der klinische Verlauf der Herzinsuffizienz variiert je nach Grunderkrankung und Komorbiditäten. Prognostisch ungünstig sind rezidivierende kardiale Dekompensationen. Diese Episoden sind mit einem erhöhten Risiko für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verbunden [3]. Sie stellen aufgrund ihrer Häufigkeit und Dringlichkeit eine große Belastung für das Gesundheitssystem dar. Ihre Prävention ist ein Hauptziel einer leitlinienbasierten Behandlung.

Zusammenfassung

Herzinsuffizienz ist ein Syndrom bestehend aus Leistungsminderung, pulmonaler Stauung mit Atemnot und peripheren Ödemen. Häufige Ursachen sind die koronare Herzerkrankung, die arterielle Hypertonie, das Vorhofflimmern und Herzklappenerkrankungen. Der klinische Verlauf ist gekennzeichnet durch eine progrediente Verschlechterung der kardialen Funktion mit gehäuften Dekompensationen, steigender Morbidität und Mortalität. In der Erstlinientherapie der systolischen Herzinsuffizienz (linksventrikuläre Ejektionsfraktion [LVEF] ≤40%) werden mit einer Klasse-I-Empfehlung Angiotensin-Converting-Enzym(ACE)-Hemmer bzw. Sacubitril/Valsartan, Betablocker, Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten und SGLT2-Inhibitoren (sodium dependent glucose transporter 2 inhibitors) eingesetzt und frühzeitig parallel (und nicht mehr nacheinander) verabreicht und nach Verträglichkeit hochtitriert. Erkrankte mit Herzinsuffizienz und mäßiggradig reduzierter LV-Funktion (HFmrEF, LVEF 41–49%) zeigen unter diesem neurohumoral blockierenden Therapieregime ebenfalls positive Behandlungseffekte (IIB-Empfehlung). HFpEF-Erkrankte mit erhaltener LV-Funktion (LVEF >50%) werden mit Diuretika zur Dekongestion und SGLT-2-Hemmern (Dapagliflozin, Empagliflozin) prognoseverbessernd behandelt. Finerenon, ein neuer nicht-steroidaler Mineralkortikoidantagonist, wird bei Menschen mit Diabetes Typ II mit Albuminurie zur Prävention der Herzinsuffizienz empfohlen (Klasse-I-A-Empfehlung).

© mgo fachverlage, all rights reserved

Der gesamte Artikel ist in der internistische praxis Band 69 Heft 3 und als CME-Beitrag in unserem CME-Portal erschienen. Lesen Sie dort den vollständigen Artikel

Zur Fortbildung

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Rolf-Michael Klein
Augusta Krankenhaus
Amalienstraße 9
40472 Düsseldorf
Rolf-Michael.Klein@vkkd-kliniken.de

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Nahaufnahme einer Frau, die gerade einen Nasenspray verwendet.

Adrenalin zur Behandlung der Anaphylaxie

Fachartikel

Bei einer anaphylaktischen Reaktion ist die frühzeitige Applikation von Adrenalin lebensnotwendig. In diesem Beitrag werden die Zulassungsdaten für das neue intranasal zu applizierende Adrenalinprodukt näher diskutiert.

Allgemeinmedizin

Haut und Allergie

Beitrag lesen
Auf diesem Foto sieht man eine junge Ärztin, die einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator an die Brust einer älteren Dame hält.

Welche Personen mit Kardiomyopathie brauchen wann einen ICD?

Fachartikel

Es wird ein Überblick zu aktuellen Leitlinienempfehlungen, laufenden klinische Studien und neuen Entwicklungen zur Indikationsstellung für implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren bei Kardiomyopathien gegeben.

Allgemeinmedizin

Herz und Kreislauf

Beitrag lesen
Auf einem Klemmbrett mit rotem Kreuz sieht man eine Checkliste, die von einer Person in einem weißen Kittel abgehakt wurde.

OP-Freigabe aus kardiopulmonaler Sicht

Fachartikel

Eine strukturierte kardiopulmonale präoperative Untersuchung ist entscheidend, es werden die Kernpunkte zur OP-Freigabe aufgeführt.

Allgemeinmedizin

Herz und Kreislauf

Beitrag lesen