Liebestränke faszinierten die Menschen seit jeher, diese Mittel sollten zur Erweckung oder Verstärkung von Liebe und Begierde dienen. Doch diese vermeintlichen Aphrodisiaka erwiesen sich oft als hochgiftig – viele Suchende bezahlten ihre Sehnsucht mit schweren Vergiftungen oder dem Tod. Trotz der Gefahren blieb der Glaube an Liebesmittel bis heute bestehen.
Einleitung
Eine große und zugleich unheilvolle Tradition besitzen Mittel, die in vergangenen Zeiten häufig benutzt wurden, um Libido und Potenz zu stärken. Sie werden – nach der griechischen Göttin der Liebe und Schönheit – Aphrodisiaka genannt.
“Unappetitliche” Liebesmittel
Unübersehbar ist die Anzahl der vielen Mittel tierischer, pflanzlicher und mineralischer Herkunft, die irgendwann einmal als Aphrodisiaka in Mode waren. Fall sie überhaupt biologisch wirksame Stoffe enthielten, kann man die damals verwendeten Liebesmittel in 2 Gruppen einteilen: Bei der ersteren versetzte das Liebesmittel – oft als Trank verabreicht – das “Opfer”, meist eine Frau, in einen halluzinogenen Zustand, der Hemmungen und Angstgefühle beseitigte, sodass die Frau vom Mann widerstandslos sexuell missbraucht werden konnte. Willenlos gaben sich die unzurechnungsfähigen Frauen den Männern »mit offenen Augen und verblendeter Seele« hin, meist ohne spätere Erinnerung an das Geschehene. Die zweite Gruppe, bevorzugt von Männern benutzt, sollte die sexuelle Potenz und Libido stärken oder die häufig auftretende Impotenz beseitigen. Der größte Teil der Aphrodisiaka aber bestand aus den aberglaubenverhafteten, abscheuerregenden Stoffen, die vollkommen wirkungslos waren. Diese “magischen Liebesträncke” enthielten männlichen Samen, Menstrualblut, Mäusedreck, Gehirn von Katze oder Esel, gepulverte Schamhaare, Schweiß und Blut. Trotzdem bescheinigt ein Gutachten der Leipziger Fakultät aus dem Jahre 1697, dass diese “magischen Mittel” Liebe erzwingen können.
Aphrodisiaka sind schädlich!
Ganz anders sah das der römische Dichter Ovid (43 v. Chr. bis um 18 n. Chr.), der schon bei seinen Zeitgenossen als “Fachmann” in Liebesangelegenheiten galt. Die Wirkungslosigkeit der magischen Mittel verurteilte er in seiner “Ars amandi” (“Die Liebeskunst”): “Wer seine Zuflucht nimmt zu thessalischem Zauber, der irrt sich, und was dem Fohlen am Kopf wächst [gemeint ist Kindspech] sich zum Liebestrank mischt. Dauerhaft bleibt keine Liebe durch die Zauberkräuter Medeas, auch durch den Zauberspruch nicht, magisch mit Liedern vermischt …” Vor den anderen Liebestränken warnte Ovid wegen der schweren Vergiftungsgefahren: »Nutzlos sind für die Frau bleichmachende Liebestränke. Liebestränke sind nur schädlich und treiben zur Wut.« Doch die Warnungen Ovids verhallten kaum beachtet!
Wenn statt der Lust der Tod kam!
Die berauschenden und angeblich potenzfördernden Aphrodisiaka forderten aufgrund der ungenauen Dosierung der hochwirksamen Inhaltsstoffe (Alkaloide) und giftiger Nebenwirkungen zahlreiche Todesopfer. Meist wurde das Liebesmittel dem Partner, dessen Liebe man gewinnen wollte, unbemerkt eingegeben. Verwandte, Freunde, Dienerschaft und Vertraute halfen hier. Sie mischten das Liebesmittel in den Wein oder servierten es versteckt in Speisen. Mancher, der glaubte mit einem Liebestrank dem Gott Eros huldigen zu können, wurde zum Mörder oder wand sich selbst in Todeskrämpfen. So soll der bekannte römische Dichter und Philosoph Lucretius (um 96–55 v. Chr.) durch einen Liebestrank in den Selbstmord getrieben worden sein. Der berühmte römische Feldherr und Genießer Lucullus (um 117–57 v. Chr.) – von ihm abgeleitet stammt der Ausdruck “lukullisch” – wurde durch den Gebrauch von Liebestränken wahnsinnig.
Die Kaiser verhängen strenge Strafen!
Kein Wunder, dass der fest im Volk verwurzelte Glaube an die Aphrodisiaka einen Jahrhunderte langen blühenden Handel mit diesen Mitteln nährte. Aber die zahlreichen Vergiftungen und Todesfälle durch Liebesmittel forderten gesetzliche Maßnahmen! Der römische Kaiser Alexander Severus (208–235) führte harte Strafen für die Herstellung und den Handel von Aphrodisiaka und Abtreibungsmitteln ein: Strafarbeit erwartete die Täter, wenn sie aus dem Volke kamen, für Vornehme war Verbannung das Urteil. Starb das Opfer, war der Tod die Strafe. Der oströmische Kaiser Justinian (482–565) stellte diese Verbrechen der Zauberei gleich: Danach wurden “Personen niederen Standes” gekreuzigt oder wilden Tieren vorgeworfen. Auf Vornehme, falls sie Auftraggeber des Verbrechens waren, wartete der Henker.
In den “Konstitutionen von Melfi”, der Gesetzessammlung für sein Königreich Sizilien, bestimmte Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen im Jahre 1231: “Wer böse und schädliche Arzneien, welche die Sinne verwirren, oder Gifte gibt, vertreibt oder besitzt, soll zum Tode verurteilt werden … Keiner, der einen Liebestrank oder ein Zaubermittel bereitet, soll unbestraft bleiben, auch wenn er niemand schädigt, … die gleiche Strafe soll den treffen, der einen Liebestrank erwirbt.” Noch das allgemeine preußische Landrecht verfolgte am Ende des 18. Jahrhunderts die Verabreichung von Liebestränken als Straftat. § 867: “Wer durch Liebestränke tötet, hat eine zehn- bis fünfzehnjährige Festungs- oder Zuchthausstrafe erwirkt.” Bei durch Liebestränke verursachtem Wahnsinn oder anderen Krankheiten wurden kürzere ebenfalls mehrjährige Festungs- oder Zuchthausstrafen ausgesprochen.
“Spanische Fliegen” – oft ein tödliches Insekt!
Besonders lebensgefährlich können potenzsteigernde Aphrodisiaka werden, die die sogenannten “Spanischen Fliegen” (Canthariden) enthalten. Diese Spanischen Fliegen sind eine im mittleren und südlichen Europa auf Bäumen lebende Käferart (Lytta vesicatoria), die wegen ihrer glänzendgrünen, blauschillernden Farbe und ihres unangenehmen Geruchs auffällt. Ihr Inhaltsstoff ist das hochwirksame und giftige Cantharidin, mit dem die Käfer Feinde abwehren. Spanische Fliegen enthalten zwischen 0,3 und 2,5 % Cantharidin. Cantharidin ist ein Zellgift mit einer entzündungserregenden, blasenziehenden Wirkung auf die Haut, die schon im Altertum bekannt war. In Form der getöteten und getrockneten Spanischen Fliegen eingenommen, führt das Cantharidin zu schweren Nierenschäden und Reizungen des Urogenitalsystems, verbunden mit Harndrang und schmerzhafter Blasenentleerung. Außerdem verstärkt es durch Gefäßerweiterung die Durchblutung und Erregungsfähigkeit der Geschlechtsorgane, was seine häufige Verwendung in Aphrodisiaka erklärt. Doch lassen wir einen Chronisten zu Wort kommen: “… Etliche geben die Spanischen Fliegen auch innerlich, um Venerem zu stimulieren, welches aber nicht ohne Gefahr, da sie, die solches gebrauchen, sehr geschwächt werden, und erzählet Salmuth: Daß ein Alter ein junges Mädchen geheirathet, welcher, nachdem er durch diesen Gebrauch ziemlich zum Lantzenspiel gereitzet und also Missbrauch darinnen getrieben, den dritten Tag nach der Hochzeit todt gefunden worden.” Für den Menschen liegt die tödliche Dosis nach Einnahme bei etwa 0,5 mg Cantharidin pro Kilogramm Körpergewicht. Oftmals wurde ein Canthariden-Liebestrank, wie die Kriminalgeschichte zeigt, bewusst zu Mordzwecken verabreicht. Denn zwischen der Einnahme und dem Tod wegen Nierenversagens konnten Wochen liegen, sodass ein zeitlicher Zusammenhang nicht mehr nachweisbar oder der Täter nicht mehr auffindbar war.
Warum Liebesmittel so begehrt waren
Impotenz galt zu allen Zeiten als Schande. Wurde sie bekannt, dann war der Betreffende öffentlichem Spott und Gelächter preisgegeben. Ja mehr noch: “Mannesschwäche” war die von allen akzeptierte moralische Rechtfertigung, wenn sich die Frau für ihren “lendenlahmen” Mann einen Liebhaber nahm. Kein Wunder, dass der Mann, der versagt hatte, begierig alle Mittel ausprobierte in der Hoffnung auf Hilfe. Der Effekt der in verschiedenen Zeiten gebrauchten Liebestränke und -elixiere war von wirkungslos und abstoßend bis hin zu giftig und sogar tödlich. Da der Bedarf an Aphrodisiaka zu allen Zeiten groß war, blühten Produktion und Handel mit diesen Mitteln. Auch wenn meist gesetzlich verboten, waren es vor allem “verkommene, vielfach schon gealterte Frauenzimmer, Dirnen und Hetären [Prostituierte]“, die nach absonderlichen, teilweise abstoßenden Rezepten Liebestränke brauten und verkauften, sowie Geschlechtskrankheiten kurierten und Abtreibungen vornahmen. Als bewährtes Mittel zur Anregung des Geschlechtstriebes galt auch die auf Dächern wachsende Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum). Ihren Anbau soll Kaiser Karl der Große (ca. 747–814) sogar seinem Gärtner empfohlen haben. Die heilkundige Nonne Hildegard von Bingen (1098–1179) empfiehlt als Liebesmittel den Jupiterbart-Wundklee (Jovis barba), der ebenfalls zu den Hauswurzen gehört. Hildegard schreibt: “Wenn ein Mann sie ißt, welcher in den Geschlechtsorganen gesund ist, wird er in Liebeslust entbrennen.” Noch im Jahrhundert wurde ein Saft aus dieser Pflanze zur Herstellung von Liebestränken benutzt. Unter dem Volk galten als Aphrodisiaka Eier, Tierhirn, Kaviar, Austern, Krebse, Kartoffeln, Bohnen, Spargel, Sellerie, Schnecken und Pfeffer. Damals glaubte man auch, dass Impotenz durch bösen Zauber, z. B. das Nestelknüpfen, verursacht werden kann. Ist das der Fall, sollte der verzauberte Mann an 3 Morgen durch den Ehering urinieren. Oder “so brauchst du bloss durch einen aus einem Birkenzweige gemachten Kranz zu pissen, um von deinem Leiden befreit zu werden.” Um das Thema abzurunden, muss hier auf die vielen sexuell anregenden – aber auch teuren – Duftstoffe hingewiesen werden, die schon seit dem Ägypten der Pharaonen sehr beliebt waren: Rosenblätter, Lilienblüten, Myrrhe, Weihrauch, Zimt, Kalmus, Moschus, Vanille, Veilchen, Jasmin u. a. Doch moderne Sexualforscher sind sich einig, dass der natürliche Körpergeruch das wirksamste Aphrodisiakum für beiderlei Geschlecht ist.
Liebe geht durch den Magen!
Alte Kochbücher sind voll mit diesbezüglichen Hinweisen aus ” Amors Küche”. War es nicht auch Aufgabe der liebenden Hausfrau, mit ihrer Kochkunst dafür zu sorgen, dass das eheliche “Liebesfeuer” auch noch nach vielen Jahren loderte? Schon Ovid empfahl eine Kost aus Eiern, Zwiebeln, grünem Gemüse, Honig und Pinienkernen. Rhabarber fördere die Lüsternheit der Männer, heißt es in einem alten Kochbuch. Deshalb solle man ihnen diese alte Wurzel der Barbaren, “die macht übermütig und treibet zum Schabernack“, besser vorenthalten. “Würze mit Liebe!”, so lautet ein Spruch, aber wichtiger war für manchen “Liebe mit (oder besser durch) Würze!” Hier war die Auswahl groß: Für den, der die “ehelichen wercke” nicht vollbringen kann, hält der kaiserliche Leibarzt P. A. Mattioli (1501–1577) den Knoblauch parat, und das sonst harmlose Bohnenkraut “bringt die unkeusche begirde auf die bahn.” Woanders ist nachzulesen, dass der schon in der Antike beliebte Rosmarin “den Blick der Männer für weibliche Reize” schärft. Auch der Salbei galt als erotisierende Pflanze und vom Endiviensalat wird behauptet, er mache einen faulen Hahn geil. Ausführlich gehen die mittelalterlichen Kräuterbücher auf den Fenchel ein, der als Aphrodisiakum schon bei den Arabern beliebt war. Er macht “Begierde zum Essen, stärcket die leiblichen Geister und mehret den natürlichen Saamen/richtet die hangenden Mannsruten wieder auff/und hilfft den schwachen Männern/die zu den ehelichen wercken ungeschickt sind/wieder in den Sattel!” Fenchelsamenpulver in Wein getrunken, “schafft Anreizung zu den ehelichen Werken“, hieß es damals. Sehr beliebt war auch der Kümmel, von dem der Volksmund heute noch sagt: “»”Einem lahmen Schimmel hilft ein guter Kümmel!”
Zwiebel, Petersilie und Kalmus – immer noch beliebt
Auch die Zwiebel, “der Armen tägliche Kost”, galt früher im Volk als Aphrodisiakum. Sehr gefragt als Liebesmittel war früher die Petersilie, dass sogar die Straßen, in denen sich die Freudenhäuser befanden, “Petersiliengassen” genannt wurden. Fast jede mittelalterliche Stadt hatte eine “Petersiliengasse”. In diesen “Rotlichtstraßen” wohnten die Hübschlerinnen (Prostituierten), die auch Abtreibungen vornahmen. Einerseits sollte die Petersilie die Liebeskraft des Mannes steigern, andererseits aber das Kind im Mutterleib abtreiben, was auch folgender Spruch bestätigt: “Petersilie hilft dem Mann aufs Pferd, den Frauen unter die Erd!” In der Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte die Kalmuspflanze (Acorus calamus) vom türkischen Hof in Konstantinopel nach Mitteleuropa. Hier wurde sie bevorzugt in den Gärten der Vornehmen und Reichen kultiviert. Und das nicht ohne Grund! Denn die aromatische Kalmuswurzel war damals ein begehrtes Aphrodisiakum und somit ein fürstliches Geschenk. Aus ihr stellte man Liebestränke, Liebeskonfekt und Liköre her. Diese Anwendung war schon den Griechen und Römern bekannt, die den Kalmus als “Liebespflanze” bezeichneten. Pflaumen waren im 16. Jahrhundert für die Besucher in den Freudenhäusern unentgeltlich zu haben, da sie als sexuell anregend und kräftigend galten.
Geheimtipp aus Rom
Schon die Reichen und Mächtigen im alten Rom schlürften auf ihren Festen die teuren Austern. Denn Austern standen im Römischen Reich im Ruf ein besonders wirksames Aphrodisiakum zu sein. Casanova soll jeden Morgen 50 Austern verspeist haben, um den sexuellen Herausforderungen des Tages gewachsen zu sein. Auch die französischen Könige verschlangen beim abendlichen Liebesmahl mit ihren Mätressen Unmengen von Austern. Dieser Ruf der Austern ist nicht unbegründet, denn sie sind das zinkreichste Nahrungsmittel generell. So enthalten 100 g Austern 50 mg Zink-Ionen. Und Zink besitzt eine große Bedeutung für die Fruchtbarkeit von Mann und Frau und vor allem für die Potenz und Libido des Mannes.
Was uns historische Persönlichkeiten berichten!
Katharina von Medici (1519–1589) bevorzugte Artischocken als Aphrodisiakum. Casanova, der es ja wissen muss, schwor auf Paprika. Eine Gulaschsuppe mit viel Paprika sei das rechte Stärkungsmittel nach einer Liebesnacht. Auch heute noch in Mode neben Eiern: der Sellerie! Viele große Männer glaubten an seine potenzstärkende Wirkung. Der spanische Schriftsteller Lope de Vega (1562–1635), ein Mann mit vielen Liebesaffären, behauptete, dass Sellerie selbst “hoffungslos Verstockte” wieder liebesfit macht. Fürst von Bismarck (1815–1890), der “eiserne Kanzler”, – so wird berichtet – habe im vorgerückten Alter auf Festlichkeiten beim Selleriesalat besonders herzhaft zugelangt. Vor ihren Schäferstündchen mit dem französischen König Louis XV. versetzte sich Madam von Pompadur (1721–1764) mit einer dreifachen Portion Vanille und Ambra in der Schokolade, mit Trüffeln und Selleriesuppe in erotische Stimmung. Aber auch scharf gewürzte Ragouts aus Stier-, Hirsch- und Hengsthoden standen auf der Speisekarte der Liebe dieser berühmten Mätresse.
Die »Geschichte« geht weiter!
Wer glaubt Aphrodisiaka sind “Schnee von gestern”, sollte im Internet recherchieren! Und doch haben die Aphrodisiaka eine moderne und wirksame Fortsetzung: 1998 erschien der erste verschreibungspflichtige PDE-5-Hemmer im Handel. Das Arzneimittel entspannt am Penis die Muskulatur der Blutgefäße des Schwellkörpers. Damit strömt vermehrt Blut in den Penis ein, was zu einer Erektion des Penis und damit zu einer Potenzsteigerung des Mannes führt.
Autor: Ernst-Albert Meyer, Fachapotheker für Offizin-Pharmazie und Medizin-Journalist
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Der Artikel ist in der internistischen praxis 2026 Band 69 Heft 1 erschienen.



