Fortschritte im Verständnis der Multiplen Sklerose (MS) haben eine umfassende Überarbeitung der McDonald-Diagnosekriterien 2017 erforderlich gemacht. Die neuen Kriterien ermöglichen eine schnellere Diagnose und damit einen früheren Therapiebeginn, was die Prognose verbessern kann. Die Diagnose wird außerdem präziser, da die Kriterien mehr anatomische Regionen und Befunde einbeziehen. Das ist neu:
- Die Einbeziehung des Sehnervs: Schäden am Sehnerv (Optikusläsionen) zählen nun als eigene anatomische Region für die räumliche Dissemination
- Das radiologisch isolierte Syndrom (RIS) kann unter bestimmten Bedingungen (MS-typische Läsionen, pathologischer Liquorbefund, ohne klinische Symptomatik) als frühe MS („präklinische MS“) eingestuft werden, was eine frühe Behandlung ermöglicht.
- Das Einbeziehen spezifischer MRT-Befunde wie das Zentrale Venenzeichen (CVS) und paramagnetische Randläsionen erhöhen die Sicherheit der Diagnose.
- Es gelten nun einheitliche Grundsätze für Kinder, Erwachsene und ältere Patienten. Bei älteren Betroffenen werden zusätzliche Sicherungskriterien (z.B. Liquor, Rückenmarksläsionen) beachtet, um Fehldiagnosen zu vermeiden.
Quelle: Montalban, Xavier et al. The Lancet Neurology 2025, 24(10): 850 – 865; DOI: 10.1016/S1474-4422(25)00270-4



