Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) betrifft etwa jede achte Frau im reproduktiven Alter und ist damit die häufigste Endokrinopathie bei Frauen weltweit. Lange Zeit wurde die Erkrankung vor allem im Kontext von Zyklusstörungen, unerfülltem Kinderwunsch und äußerlich sichtbaren Androgenisierungserscheinungen wie Hirsutismus betrachtet. Dieses Bild hat sich grundlegend gewandelt.
Die aktuelle Wissenschaft zeichnet ein weit komplexeres Bild: PCOS ist keine rein gynäkologische Erkrankung – es ist eine systemische Stoffwechselerkrankung mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die kardiometabolische Gesundheit, die psychische Gesundheit und die Lebensqualität betroffener Frauen. Und das häufig ein Leben lang.
Ein unterschätztes Risiko – mit lebenslangen Konsequenzen
Was viele nicht wissen: Das kardiometabolische Risiko bei PCOS besteht unabhängig vom Körpergewicht und macht sich oft bereits in jungen Jahren bemerkbar. Insulinresistenz, Dyslipidämie, Bluthochdruck und ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes sind keine seltenen Begleiterscheinungen – sie sind bei PCOS die Regel, nicht die Ausnahme. Hinzu kommt: Frauen mit chronischer Anovulation tragen ein bis zu 7-fach erhöhtes Risiko, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken.
Diese Zahlen verdeutlichen, warum PCOS nicht länger als isoliertes Fachgebietsproblem der Gynäkologie behandelt werden darf, sondern eine konsequente, interdisziplinäre Herangehensweise erfordert – von der Gynäkologie über die Endokrinologie und Diabetologie bis hin zur Psychologie.
Diagnostik im Wandel
Auch in der Diagnostik hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die Diagnosestellung erfolgt leitliniengerecht nach den modifizierten Rotterdam-Kriterien, bei denen mindestens zwei von drei Kernsymptomen erfüllt sein müssen: klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus, ovulatorische Dysfunktion sowie eine polyzystische Ovarmorphologie. Doch die Diagnostik ist eine Ausschlussdiagnose – Differenzialdiagnosen müssen sorgfältig abgegrenzt werden.
Besonders spannend: Das Anti-Müller-Hormon (AMH) gewinnt zunehmend an Bedeutung als biochemisches Surrogat für den sonografischen Nachweis polyzystischer Ovarien – ein diagnostisches Update, das die klinische Praxis nachhaltig verändern könnte.
Was erwartet Sie im Fortbildungsbeitrag?
Univ.-Prof. Dr. med. Susanne Reger-Tan, ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der gynäkologischen Endokrinologie, gibt in diesem Fortbildungsbeitrag einen fundierten und praxisnahen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft. Sie erfahren:
- Wie PCOS heute leitliniengerecht diagnostiziert wird und welche Rolle das AMH spielt
- Warum kardiometabolisches Screening bei jeder Patientin mit PCOS unverzichtbar ist
- Welche therapeutischen Strategien – von Lebensstilinterventionen bis zur evidenzbasierten Pharmakotherapie – aktuell empfohlen werden
- Wie eine moderne, interdisziplinäre Versorgung von PCOS-Patientinnen aussehen kann
Dieser Beitrag liefert das notwendige Rüstzeug, um PCOS in seiner ganzen Komplexität zu verstehen – und Patientinnen langfristig besser zu versorgen.



