Ist man nach einer Infektionskrankheit symptomfrei, ist man auch wieder genesen und kann seine Aktivitätsroutine wieder aufnehmen, so die landläufige Meinung. Aber weit gefehlt! Zwischen subjektivem „gesund fühlen“ und objektiver messbarer physiologischer Erholung liegt ein größerer zeitlicher Abstand als bisher angenommen. Das hat jetzt eine israelische Studie ergeben. Die Forscher verglichen selbstberichtete Genesung von 4.795 erwachsenen Probanden mit objektiven Smartwatch‑Daten (Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität‑basierter Stress) nach COVID‑19, Influenza und Streptokokken‑Infektionen (Gruppe A, GAS). Bei allen Infektionen normalisierten sich Aktivitätsdaten wie Schritte oder Gehstrecke schnell, sobald die Symptome verschwanden. Das kardiovaskuläre System war jedoch objektiv noch nicht vollständig regeneriert. Besonders ausgeprägt war dies bei moderaten bis schweren COVID‑19‑Verläufen: Während Betroffene im Schnitt nach rund 12 Tagen symptomfrei waren, benötigte die physiologische Erholung über 60 Tage. Auch bei Influenza und GAS zeigte sich ein anhaltender Rückstand der „digitalen“ Genesung, wenn auch weniger stark. Die Studie macht deutlich, dass der Organismus nach Infektionen weiter im Reparaturmodus arbeitet, obwohl man sich wieder gesund fühlt.
Quelle: Levi Y et al. The Lancet Digital Health 2026; 100956. https://doi.org/10.1016/j.landig.2025.100956



