Ventrikuläre Extrasystolen sind häufige Herzrhythmusstörungen, die sowohl bei strukturell gesunden als auch bei erkrankten Herzen auftreten können. In den meisten Fällen sind sie benigne, bedingen jedoch eine weiterführende Diagnostik und gegebenenfalls Therapie. Die Behandlung umfasst neben der medikamentösen, konservativen Therapie auch interventionelle Ansätze unter anderem zur Verbesserung der Symptomatik und Wiederherstellung der linksventrikulären Funktion.
Zusammenfassung
Ventrikuläre Extrasystolen (VES) sind häufige Herzrhythmusstörungen, die sowohl bei gesunden als auch bei herzkranken Menschen auftreten können. Während vereinzelte VES oft harmlos sind, kann eine hohe VES-Belastung zu einer Verschlechterung der Herzfunktion führen. Besonders relevant ist dies bei einer VES-Last von über 10–20% pro Tag, da dies eine VES-induzierte Kardiomyopathie auslösen kann – eine Form der Herzmuskelschwäche, die sich bei erfolgreicher Behandlung meist zurückbildet. Die Diagnostik zielt darauf ab, das Vorliegen einer strukturellen Herzerkrankung auszuschließen und das Risiko für schwerwiegende Arrhythmien einzuschätzen. Dazu gehören Anamnese, Elektrokardiogramm (EKG), Langzeit-EKG, Echokardiografie und gegebenenfalls weiterführende Bildgebung wie Magnetresonanztomografie oder Computertomografie. Das Langzeit-EKG liefert wichtige Informationen zur VES-Anzahl, -Morphologie und -Variabilität. Da die VES-Last tagesabhängig stark schwanken kann, sind wiederholte oder längere Aufzeichnungen sinnvoll. Die Therapie hängt von den Symptomen, der VES-Belastung und der Herzfunktion ab. Asymptomatische Menschen ohne strukturelle Herzerkrankung benötigen meist keine Behandlung. Wenn eine antiarrhythmische Medikation nicht den gewünschten Erfolg bringt oder eine VES-Kardiomyopathie vorliegt, ist eine Katheterablation eine effektive Therapieoption. Besonders erfolgreich ist sie bei VES aus dem RVOT.
Die Ablation erfolgt mithilfe von Mappingtechniken, die den Ursprungsort der VES lokalisieren. Neue Technologien wie Pulsed Field Ablation oder Ultra-Low-Temperature Cryoablation erweitern das therapeutische Spektrum, zeigen jedoch noch Schwächen in Sicherheit und Langzeitdaten. Insgesamt ist die Prognose bei rechtzeitiger Diagnose und gezielter Therapie gut. Die regelmäßige Verlaufskontrolle bleibt entscheidend, um eine mögliche Verschlechterung der Herzfunktion frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln.
Autoren: P. Lucas, P. Sommer
Originalbeitrag zu diesem Thema in internistische praxis 2026; 69 (3): 338–347.
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