Dermatologie » Haarerkrankungen » Alopecia areata

»

Bonner Forschende identifizieren Risikofaktoren für eine schlechte Prognose bei Alopecia areata

Kahle Stellen der totalen Alopezie einer Frau

Bonner Forschende identifizieren Risikofaktoren für eine schlechte Prognose bei Alopecia areata

News

Dermatologie

Haarerkrankungen

Alopecia areata

mgo medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Asthma, atopische Dermatitis oder Hashimoto-Thyreoiditis als Begleiterkrankungen sind Risikofaktoren für klinische Merkmale, die mit einer schlechten Prognose bei kreisrundem Haarausfall, auch bekannt als Alopecia areata (AA), verbunden sind. Bei Patienten, die drei atopische Erkrankungen aufweisen, nämlich atopische Dermatitis, Asthma und Rhinitis, liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei AA etwa zehn Jahre früher als bei Patienten ohne chronisch entzündlichen Komorbiditäten. Dies stellten nun Forschende des Universitätsklinikums Bonn UKB) und der Universität Bonn in einer großen Kohorten-Studie mit Betroffenen fest. Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Allergy“ veröffentlicht.

Alopecia areata (AA) ist eine häufige Autoimmunerkrankung, die zu plötzlichem kreisrunden Haarausfall führt. Der klinische Verlauf der AA ist unvorhersehbar und ist individuell sehr verschieden. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass AA häufig mit komorbiden, also gleichzeitig vorkommenden, chronisch-entzündlichen Erkrankungen einhergeht, was Auswirkungen auf die Prognose und die klinische Behandlung haben kann. Es gibt jedoch nur wenige Untersuchungen über die Auswirkungen begleitender chronisch-entzündlichen Erkrankungen auf die klinischen Merkmale von AA in einer Kohorte mit angemessener Größe. Über ein kooperatives Netzwerk von Dermatologen und AA-Selbsthilfegruppen haben die Bonner Humangenetiker in den letzten 20 Jahren eine große Gruppe von etwa 3.000 Betroffenen mit genetischen Daten und umfangreichen klinischen Selbstauskünften gewonnen. Etwas mehr als die Hälfte gab an auch unter einem zusätzlichen chronisch-entzündlichen Erkrankungen zu leiden. „Dies ist eine der größten Kohorten von AA weltweit und eine einzigartige Datenquelle für die Erforschung genetischer und klinischer Aspekte von AA“ sagt Prof. Regina Betz vom Institut für Humangenetik am UKB, die ein Mitglied in dem Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life & Health“ sowie im Exzellenzcluster ImmunoSensation2 der Universität Bonn ist.

Die Letztautorin Dr. Buket Basmanav vom Institut für Humangenetik ergänzt: „Soweit wir wissen, ist dies die umfassendste Analyse der klinischen Merkmale von AA in Bezug auf begleitende chronisch entzündliche Erkrankungen. Wir haben gleichzeitig mehrere begleitende Erkrankungen und mehrere klinische Merkmale von AA in einem Datensatz bewertet, der in seiner Größe die meisten kohortenbasierten klinischen Daten über AA-Patienten übertrifft, die bisher in der Literatur berichtet wurden.“ Basmanav ist Leiterin des Cure4HAIR-Projekts ist, das kürzlich eine GO-Bio-Anschubfinanzierung vom BMBF für die Entwicklung neuer Therapeutika und personalisierter Medizin für AA auf der Grundlage genetischer Forschung erhalten hat.

Zusammenhang zwischen den klinischen Merkmalen von AA und Asthma entdeckt
Die Bonner Forschenden stellten fest, dass eine Komorbidität mit einer chronischen entzündlichen Erkrankung – insbesondere atopische Dermatitis, Asthma bronchiale, Hashimoto-Thyreoiditis, Rhinitis oder Vitiligo – mit dem Erkrankungsalter, dem Schweregrad und/oder der Dauer von AA zusammenhängt. Denn AA-Patienten mit Asthma, atopischer Dermatitis oder Hashimoto-Thyreoiditis berichteten signifikant häufiger über einen früh einsetzenden, schweren und langanhaltenden Haarausfall. „Wir haben festgestellt, dass komorbides Asthma bronchiale ein stärkerer Risikofaktor für schlechte Prognosefaktoren ist als komorbide atopische Dermatitis oder Rhinitis“, sagt Erstautorin Annika Friedrich, Doktorandin der Universität Bonn am UKB. “Dies ist der erste Bericht über einen signifikanten Zusammenhang zwischen komorbidem Asthma und den klinischen Merkmalen von AA in der Literatur.“

Mit zunehmender Zahl der atopischen Begleiterkrankungen bei den AA-Patienten stieg das Risiko eines frühen Auftretens, einer schweren und langanhaltenden AA allmählich an. Das mittlere AA-Auftretensalter lag bei Patienten, die gleichzeitig an drei atopischen Erkrankungen, d.h. Asthma bronchiale, atopische Dermatitis und Rhinitis leiden, etwa ein Jahrzehnt früher als bei Patienten ohne chronisch entzündliche Begleiterkrankungen. „Wir halten dies für eine indirekte Unterstützung der Hypothese, dass atopische Erkrankungen bei einer Untergruppe von Patienten den Ausbruch von Alopezia areata auslösen kann“, sagt Dr. Basmanav. Prof. Regina C. Betz ergänzt: „Aufgrund unserer Ergebnisse gehen wir davon aus, dass AA-Patienten mit komorbiden chronisch entzündlichen Erkrankungen, insbesondere Atopische Dermatitis, Asthma bronchiale oder Hashimoto-Thyreoiditis, von einer häufigeren klinischen Überwachung und einem früheren therapeutischen Eingreifen profitieren könnten.“

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikum Bonn

Publikation: Annika Friedrich et al. Comorbid bronchial asthma, atopic dermatitis, and Hashimoto’s thyroiditis are risk factors for early-onset, severe, and prolonged alopecia areata; Allergy

Bilderquelle: © Nadya Kolobova – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person untersucht die Kopfhaut einer anderen Person mit einer Lupe als Symbol fuer diagnostische Abklaerung bei Haarwuchsstoerungen

Wenn Kinderhaare nicht wachsen wollen

Fachartikel

Haare, die kaum wachsen und sich schmerzlos lösen – hinter diesem Bild steckt nicht immer Alopecia areata oder Trichotillomanie. Das Loose-Anagen-Hair-Syndrom (LAHS) betrifft bis zu 10 % der Kinder in Haarsprechstunden und bleibt oft lange unerkannt. Wie die Diagnose gelingt und was Eltern wissen müssen, zeigt dieser praxisnahe Beitrag.

Dermatologie

Haarerkrankungen

Alopecia areata, Weitere Haarerkrankungen

Beitrag lesen
Medizinische Illustration mit entzündlichen Knoten und Laesionen in der Achselhoehle als typisches Bild der Hidradenitis suppurativa

HS: Positive Langzeitdaten, hohe Ansprechraten

Pharmaservice

Neue Langzeitdaten der AAD 2026 belegen: Povorcitinib, ein oraler JAK1-Inhibitor, zeigt bei moderater bis schwerer Hidradenitis Suppurativa beeindruckende Ansprechraten – bis zu 71,4 % erreichten HiSCR50, 29 % sogar vollständige Symptomfreiheit. Als erste orale Therapieoption in dieser Indikation werden Zulassungsanträge bereits bei FDA und EMA geprüft.

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Hidradenitis suppurativa

Beitrag lesen
Laechelnde Person mit gepflegtem Bart vor farbigem Hintergrund als Symbolbild fuer Themen rund um Bartwuchs

Förderung des Bartwuchses bei trans Männern

News

Bartwuchs spielt für viele trans Männer eine zentrale Rolle im Transitionsprozess – doch die Testosterontherapie allein reicht oft nicht aus. Eine randomisierte Doppelblindstudie zeigt: Topisches 3% Minoxidil verbessert Bartdichte und Lebensqualität signifikant. Ein vielversprechender Therapieansatz für eine bislang wenig beachtete Versorgungslücke.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen