Dermatologie » Allgemeine Dermatologie » Preise, Auszeichnungen und Politik

»

DDG-Tagung 2025: Ein Kongress mit vielen Rekorden

Prof. Dr. med. Julia Welzel; ©DDG_Michael Deckbar

DDG-Tagung 2025: Ein Kongress mit vielen Rekorden

Kongressberichte

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Preise, Auszeichnungen und Politik

mgo medizin Redaktion

Verlag

6 MIN

Prof. Kurt Saalfeld (100-Jähriger und DDG-Mitglied) und Prof. Julia Welzel (DDG-Tagungspräsidentin) bei der Eröffnung der DDG-Tagung am 30.04.2025
(Anm.: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Kurt Saalfeld, Bad Oeynhausen, geboren am 18.04.1925); ©DDG_Mike Auerbach
Prof. Kurt Saalfeld (100-Jähriger und DDG-Mitglied) und Prof. Julia Welzel (DDG-Tagungspräsidentin) bei der Eröffnung der DDG-Tagung am 30.04.2025 (Anm.: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Kurt Saalfeld, Bad Oeynhausen, geboren am 18.04.1925); ©DDG_Mike Auerbach

Prof. Julia Welzel (DDG-Tagungspräsidentin) und Valentina Busik, angehende Dermatologin und Miss Germany 2025; ©DDG_Mike Auerbach
Prof. Julia Welzel (DDG-Tagungspräsidentin) und Valentina Busik, angehende Dermatologin und Miss Germany 2025; ©DDG_Mike Auerbach

Die diesjährige Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) war durchaus rekordverdächtig. Die Tagungspräsidentin Prof. Dr. med. Julia Welzel, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Augsburg, fasst Highlights und besondere Momente zusammen.

Welche Themen wurden anlässlich des diesjährigen DDG diskutiert?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: „Die diesjährige DDG-Tagung war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen haben wir im Programm eine enorme Breite des gesamten Faches der Dermatologie abgedeckt. Zum anderen hatten wir besondere Teilnehmer. Zu den Themenhighlights zählte z. B. die Präzisionsmedizin in Form einer molekularen Diagnostik. Hierbei spielt die Auswertung von großen Datenmengen eine zentrale Rolle. Bislang beruhte die Diagnostik von Hauterkrankungen auf morphologischen Befunden, also auf dem klinischen Erscheinungsbild, z. B. „Wie sieht eine Psoriasis aus und wie sieht ein atopisches Ekzem aus?“ Das wird jetzt zunehmend durch die molekulare Diagnostik ergänzt.“

Welche Vorteile ergeben sich aus der molekularen Diagnostik?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: Der Vorteil ist, dass wir die Pathophysiologie der zugrunde liegenden Erkrankung sehr genau sehen. Wir können beispielsweise erkennen, welche Entzündungsbotenstoffe oder Gene hochreguliert sind. Für die Auswahl einer zielgerichteten Therapie ist es wichtig, dass man weiß, welche Botenstoffe vermehrt ausgeschüttet werden. Wenn wir diese Information zusätzlich zu dem, was wir am Patienten morphologisch sehen, bewerten und miteinbeziehen in unsere Therapieentscheidung, können wir eine auf den Patienten zugeschnittene Therapieoption auswählen. Dadurch wird die Behandlung deutlich effektiver, denn nicht jeder Patient mit dem gleichen Krankheitsbild reagiert gleich. Nicht immer sind die gleichen Botenstoffe hochreguliert.“

Hochwirksame Biologika schlagen nicht bei jedem Patienten an, weil bei gleicher Indikation andere Botenstoffe hochreguliert werden?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: „Wir haben beispielsweise für Psoriasis-Patienten sehr gut wirksame Medikamente, aber sie wirken nicht bei allen. Das liegt daran, dass patientenindividuell verschiedene Botenstoffe hochreguliert werden. Das gilt auch für Patienten mit atopischer Dermatitis. Das klinische Erscheinungsbild ähnelt einander, aber die Pathophysiologie kann unterschiedlich sein. Mit diesem Wissen können wir von Anfang an gezielt therapieren, „try and error“ war gestern. Präzisionsmedizin ist die Therapie von heute und morgen. Zu diesem Thema hatten wir eine tolle Keynote-Lecture von Prof. Dr. med. Kilian Eyerich, Ärztlicher Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Freiburg, der sehr eindrucksvoll gezeigt hat, was da jetzt im Moment schon möglich ist. So hält die molekulare Diagnostik bereits Einzug in Kliniken und Praxen.“

Waren erste Anbieter von derartigen Systemen vor Ort?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: „In der Industrieausstellung, die in diesem Jahr sehr groß war, hatten wir eine „Start-up Area“, in der Firmen neue Tools präsentierten, auch zur molekularen Diagnostik. Die molekulare Diagnostik ist bereits als „Point of Care“ in der Praxis, als auch in der Klinik umsetzbar. Darüber hinaus gibt es Speziallabore, mit denen man zusammenarbeiten kann. Sinnvoll ist es aber mittelfristig, die molekulare Diagnostik in der Breite zu ermöglichen.“

Bei welchen Indikationen ist sie von besonderer Bedeutung?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: Auf jeden Fall bei den entzündlichen Hauterkrankungen und natürlich auch bei den Tumorerkrankungen. Gerade im onkologischen Bereich gibt es bereits seit etlichen Jahren sehr viel Dynamik. Hier wird es einen Umbruch geben, was sich derzeit bereits abzeichnet. Im Moment behandeln wir metastasierte Tumoren mit Immuntherapien oder zielgerichteten Therapien, und wir behandeln Hochrisikopatienten mit einer adjuvanten Therapie. Das heißt, dass wir die Patienten nach einer OP tumorfrei halten wollen, was mit zielgerichteten und Immuntherapien möglich ist. Auch die neoadjuvante Therapie, also beispielsweise eine Immuntherapie vor einer OP oder der Entfernung von Metastasen, hat sich bewährt. Hier können wir sehr gute Prognosen erzielen. Bei Brustkrebs ist das bereits etabliert, bei Hautkrebs wird das auch bald der Fall sein, weil die Studiendaten sehr überzeugend sind.“

Was wurde zum Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz vorgestellt?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: Nun, die Dermatologie ist breit gefächert und wir Fachärzte gelten in Bezug auf neue diagnostische und therapeutische Tools in vielen Bereichen als Vorreiter. Das gilt auch für Digitalisierung und Nutzung von KI. So ist z. B. die Bildanalyse ein großartiges Feld für die künstliche Intelligenz. Hier gab es eine sehr bemerkenswerte Session mit Harvey Castro, auch als „Dr. ChatGPT“ bekannt. Er ist ein amerikanischer Arzt und hat sich auf KI und Digitalisierung spezialisiert. Mit der Nutzung von KI und insbesondere Large Language Models wie ChatGPT können wir die Diagnostik und die Versorgung der Patienten verbessern.“

Wie kann das in der Praxis aussehen?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: Trotz engagiertem Nachwuchs unter den Dermatologen gibt es einen Fachkräftemangel. Digitale Tools können hier Lücken schließen. So können z. B. Muttermale vom Patienten fotografiert und hochgeladen werden. Das kann das Hautkrebsscreening unterstützen, kann aber auch zur Verlaufskontrolle genutzt werden. So kann man bei Bedarf Patienten priorisieren. Nützlich ist auch das Prinzip eines Avatars. Der ist eine digitale Repräsentation eines Dermatologen in Online-Umgebungen und kann verschiedene Sprachen bedienen, auch wenn die analoge Person hinter dem Avatar diese Sprache nicht kennt. Die derzeit amtierende Miss Germany, eine junge Dermatologin, hat über dieses Thema während der Tagung referiert: Die 27-jährige Ärztin Valentina Busik verfolgt damit das Ziel, Patienten über ihre Hauterkrankung zu informieren, für Operationen aufzuklären oder etwa bei Hautkrebs zu helfen, lebensverändernde Informationen nach der Diagnose zu verarbeiten.“

Sie sprachen von Rekorden anlässlich der Tagung, welche sind das?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: Neben dieser jungen, engagierten Dermatologin, die zur Miss Germany 2025 gekürt wurde und innovative Konzepte vorstellte, konnten wir auch mit einer Teilnehmerzahl von über 4.700 eine Rekordzahl erreichen. Zudem hat sich das 5.000. DDG-Mitglied eingeschrieben. Das war ein Student aus Freiburg, was bedeutet, dass unsere Nachwuchsförderung auf Resonanz stößt. Aber dann war da noch etwas ganz Besonderes. Wir haben drei hundertjährige Mitglieder: Prof. Dr. med. Hermann Fabry, geboren 05.03.19025, Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. Gerd Klaus Steigleder, geboren 25.01.1925, und Prof. Kurt Saalfeld, geboren 18.04.1925. Einer von ihnen, Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Kurt Saalfeld, Bad Oeynhausen, nahm am Kongress teil. Er ist als Gründer und Geschäftsführer der Artemed Fachklinik immer noch aktiv und hat sich sehr im Gebiet der Dermatochirurgie eingebracht.“

Ihr Fazit zum diesjährigen DDG-Kongress?

Prof. Dr. med. Julia Welzel: „Es lohnt sich, auch die anderen innovativen Themen wie Umwelt und Klimawandel bzw. UV-reduzierte Landschaftsplanung auf der Website nachzulesen. Die diesjährige Tagung hat Zeichen gesetzt. Ganz besonders habe ich mich gefreut, dass wir viele Studierende und junge Dermatologinnen und Dermatologen unter den Teilnehmern hatten. Nachwuchsförderung zählt zu unseren wichtigsten Zielen.“

Prof. Dr. med. Julia Welzel, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Elke Engels

Bilderquelle: ©DDG_Michael-Deckbar.jpg

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person untersucht die Kopfhaut einer anderen Person mit einer Lupe als Symbol fuer diagnostische Abklaerung bei Haarwuchsstoerungen

Wenn Kinderhaare nicht wachsen wollen

Fachartikel

Haare, die kaum wachsen und sich schmerzlos lösen – hinter diesem Bild steckt nicht immer Alopecia areata oder Trichotillomanie. Das Loose-Anagen-Hair-Syndrom (LAHS) betrifft bis zu 10 % der Kinder in Haarsprechstunden und bleibt oft lange unerkannt. Wie die Diagnose gelingt und was Eltern wissen müssen, zeigt dieser praxisnahe Beitrag.

Dermatologie

Haarerkrankungen

Alopecia areata, Weitere Haarerkrankungen

Beitrag lesen
Medizinische Illustration mit entzündlichen Knoten und Laesionen in der Achselhoehle als typisches Bild der Hidradenitis suppurativa

HS: Positive Langzeitdaten, hohe Ansprechraten

Pharmaservice

Neue Langzeitdaten der AAD 2026 belegen: Povorcitinib, ein oraler JAK1-Inhibitor, zeigt bei moderater bis schwerer Hidradenitis Suppurativa beeindruckende Ansprechraten – bis zu 71,4 % erreichten HiSCR50, 29 % sogar vollständige Symptomfreiheit. Als erste orale Therapieoption in dieser Indikation werden Zulassungsanträge bereits bei FDA und EMA geprüft.

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Hidradenitis suppurativa

Beitrag lesen
Laechelnde Person mit gepflegtem Bart vor farbigem Hintergrund als Symbolbild fuer Themen rund um Bartwuchs

Förderung des Bartwuchses bei trans Männern

News

Bartwuchs spielt für viele trans Männer eine zentrale Rolle im Transitionsprozess – doch die Testosterontherapie allein reicht oft nicht aus. Eine randomisierte Doppelblindstudie zeigt: Topisches 3% Minoxidil verbessert Bartdichte und Lebensqualität signifikant. Ein vielversprechender Therapieansatz für eine bislang wenig beachtete Versorgungslücke.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen