Auf der DERM-Tagung beleuchtet Dr. Hans-Joachim Laubach die Kunst der Narbenkorrektur. Welche Rolle spielen dabei biologische Prozesse, die Sozialen Medien und die Nadelstärke?

DERM-Vortrag:
„Hyaluronsäure zur Behandlung von Aknenarben; Fokus Pathologie & Therapie von Aknenarben“, Kongressfreitag, 13.03.26, 13:40 – 18:00 Uhr, Laser- & Energy-Based Devices, Tagungsraum 3, Beginn Vortrag: 17:00 Uhr.
Angesichts der technologischen Fortschritte in der Dermatologie stellt sich die Frage, wie Hyaluronsäure in Synergie mit weiteren Techniken, z. B. aus dem Bereich Lasermedizin, das individuelle Ergebnis für die Patienten verbessern kann.
Lieber Dr. Laubach, Sie berichten in Frankenthal detailliert über die Rolle der Hyaluronsäure bei der Behandlung von Aknenarben. Was ist die zentrale Information aus Ihrem Vortrag?
Dr. Laubach: „Das lässt sich tatsächlich, trotz der Komplexität des Themas, ganz gut auf den Punkt bringen: Dass Hyaluronsäure ein gutes therapeutisches Mittel ist, um Aknenarben direkt und indirekt zu verbessern“.
Wie entscheidend ist die individuelle Erwartungshaltung bei Patienten mit tiefgehenden Aknenarben? Verzerren Social-Media-Trends den Blick auf realistische Ergebnisse?
Dr. Laubach: „Die Wahrnehmung unrealistischer Erwartungen ist im Praxisalltag deutlich spürbar und stellt uns vor komplexe kommunikative Herausforderungen. Wir bewegen uns in der Medizin in einem biologischen, nicht in einem rein mathematischen Feld; Ergebnisse lassen sich nicht wie eine Gleichung garantieren. Da biologische Systeme eine hohe Variabilität aufweisen, sollte man sich bewusst machen, dass klinische Resultate individuell sehr unterschiedlich ausfallen können. Besonders spektakuläre Einzelfälle lassen sich zwar hervorragend vermarkten, sie bilden jedoch nicht den therapeutischen Durchschnitt ab.
In der Beratung nutze ich daher gerne ein anschauliches Modell: Von 100 Patienten, die mit einer vergleichbaren Methode behandelt werden, erzielen erfahrungsgemäß etwa zehn ein herausragendes Ergebnis. Bei weiteren zehn Patienten zeigt sich unter Umständen – trotz optimalem Vorgehen – kaum eine sichtbare Veränderung. Die verbleibenden 80 Patienten erreichen eine Verbesserung, die sich in einem Spektrum von ‚gut‘ bis ‚deutlich‘ bewegt. Diese biologische Bandbreite sollte auch bei der Aufklärung über Nebenwirkungen und Ausfallzeiten (Downtime) berücksichtigt werden. Wenn Patienten mit dem Wunsch nach Ergebnissen, z. B. aus TikTok-Videos, zu uns kommen, die oft unter fragwürdigen Bedingungen oder mit Filtern entstanden sind, ist es unsere Aufgabe, diese Erwartungen behutsam zu korrigieren. Ein seriöses Ergebnis sollte immer die individuelle Ausgangslage respektieren, statt ein am Computer generiertes Ideal zu versprechen“.
Inwieweit definiert die gewählte Technik die Effizienz einer Behandlung, und wo liegen die Grenzen der Vorhersehbarkeit?
Dr. Laubach: „Die Effizienz hängt stark von der Art der Intervention ab. Bei einer Behandlung der Zornesfalte mit Botulinumtoxin lässt sich eine fast hundertprozentige Wirksamkeit hinsichtlich der Muskelentspannung feststellen. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass alle Patienten gleichermaßen zufrieden sind, auch wenn bei der großen Mehrheit exzellente Ergebnisse erzielt werden. Die Wahrscheinlichkeit für relevante Nebenwirkungen sollte hierbei als sehr gering eingestuft werden, dennoch bleibt die individuelle Wahrnehmung des Resultats ein subjektiver Faktor.
Deutlich komplexer stellt sich die Situation bei der Behandlung von Aknenarben mit Hyaluronsäure dar. Hier verfolgen wir primär das Ziel, die Haut zur Bildung von neuem Kollagen zu stimulieren. In diesem Fall sind wir maßgeblich von der spezifischen Biologie des Einzelnen abhängig, da wir biologische Prozesse auf zellulärer Ebene adressieren. Ich erkläre das den Patienten gerne so: ‚Wir treten in einen Dialog mit Ihren Zellen, um diese zu aktivieren und zur Kollagensynthese zu bewegen‘. Da dieser Prozess eine aktive Eigenleistung des Organismus erfordert, sollte man hier mit einer größeren individuellen Variabilität der Ergebnisse rechnen als bei rein muskelentspannenden Verfahren. Die Antwort der Haut auf solche regenerativen Reize ist stets ein sehr persönlicher biologischer Prozess“.
Was ist bei der Korrektur von Aknenarben technisch besonders anspruchsvoll?
Dr. Laubach: „Die größte Herausforderung liegt in der Natur der Narben selbst, da sie meist ein strukturelles Defizit widerspiegeln – es fehlt schlichtweg Volumen. Mit Ausnahme von sogenannten Icepick-Scars lassen sich die meisten Aknenarben, wie Rolling- oder Box-Scars, sehr effektiv behandeln, indem wir dieses fehlende Volumen gezielt durch Hyaluronsäure ersetzen. Hierbei kommen je nach Narbentyp unterschiedliche Wirkstoffe und Injektionstechniken zum Einsatz, um ein unmittelbar sichtbares Ergebnis zu erzielen.
Dabei darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass der Alterungsprozess der Haut die Problematik verschärfen kann. Wenn die Kollagenmatrix der Haut dadurch destabilisiert wird und das Unterhautfettgewebe mit der Zeit abnimmt, verlieren diese Narbenbereiche an Widerstandskraft. Die Haut faltet sich dann förmlich in die Defekte ein – ein Bereich, den wir medizinisch als Locus Minoris Resistentiae bezeichnen. Die Behandlung mit Hyaluronsäure ist hier deshalb so wertvoll, weil sie schnell zu einer sichtbaren Verbesserung führt, was für die Patientenzufriedenheit essenziell ist. In der Kommunikation bleibt jedoch ein Punkt kritisch: die Dauerhaftigkeit.
Das weit verbreitete Marketing-Narrativ, Hyaluronsäure baue sich grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten ab, sollte aus wissenschaftlicher Sicht kritisch hinterfragt werden. Hyaluronsäure kann je nach Platzierung und Gewebebeschaffenheit deutlich länger, teils über Jahre, stabil bleiben. Ich kläre meine Patienten daher lieber darüber auf, dass es sich um eine langfristige, über mehrere Jahre bestehende Verbesserung handeln kann, statt den Fokus auf die oft zitierten kurzen Zeitspannen zu legen. Gelingt diese Aufklärung, schaffen wir die Basis für ein realistisches Erwartungsmanagement, bevor man sich mit der Auswahl der passenden Technik für den individuellen Fall beschäftigt“.

Wie gehen Sie in der Praxis im Einzelnen vor?
Dr. Laubach: „Eine zentrale Rolle spielt die Erkenntnis, dass wir es bei Aknenarben mit einer tiefgreifenden Destrukturierung zu tun haben: Die Epidermis ist oft atrophisch, während in der Dermis gleichzeitig Gewebeschwund und überschüssiges, fehlangelegtes Kollagen koexistieren. Im Unterhautfettgewebe führen vergangene Entzündungsprozesse zudem zu einer Fibrosierung – jenen Fasern, die die Haut nach unten ziehen und das typische ‚Matratzen-Phänomen‘ der Rolling-Scars verursachen.
Hierbei sollte man beachten, dass die Wahl der Technik stets von der individuellen Anatomie, dem Alter und dem spezifischen Befund des Patienten abhängen sollte. Unser Ziel ist es, das Kollagenfasernetz neu zu strukturieren: Sobald die atrophischen Bereiche der Dermis durch neues Volumen aufgepolstert werden, kann sich das Hautrelief glätten und die Tiefe der Narben sichtbar reduziert werden. Hier setzen wir auf eine Kombination aus mechanischer Lösung und biologischer Unterstützung. Mittels Subzision spalten wir diese festsitzenden Fasern mit einer stumpfen Kanüle auf. Die anschließende Injektion von Hyaluronsäure fungiert dabei wie ein Platzhalter oder Kissen: Sie verhindert, dass die Fasern während der bis zu einjährigen Heilungsphase wieder zusammenwachsen.
Darüber hinaus bereitet die Hyaluronsäure das Feld für weitere Maßnahmen wie die Lasertherapie vor. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass Fibroblasten eine stabile extrazelluläre Matrix benötigen, um aktiv zu bleiben. Indem wir diese Matrix durch Hyaluronsäure ‚aufpolstern‘, erfahren die Fibroblasten eine Art Präaktivierung. Mein Ziel ist es, durch diese Vorbereitung der Haut die Gruppe der ‚Non-Responder‘ – also jene Patienten, die schlecht oder kaum auf Laser reagieren – so klein wie möglich zu halten und die biologische Antwort der Zellen zu optimieren“.
Wie wichtig ist die Kollagenstimulation für die langfristige Hautregeneration?
Dr. Laubach: „Über die reine Volumenauffüllung hinaus sollte das Ziel immer die Reparatur der Hautstruktur sein. Bei Aknenarben zeigt sich oft ein mangelhaft aufgespanntes Kollagenfasernetz welches die optimal Fibroblasten-Funktion nicht unterstützt. Wir beobachten hier eine atrophische Epidermis und eine Dermis, die paradoxerweise gleichzeitig Volumenverluste und fibrotische, also fehlangelegte Kollagenansammlungen aufweist. Im subkutanen Fettgewebe führt der ursprüngliche Entzündungsprozess zudem häufig zu einem bleibenden Verlust von Adipozyten (Fettzellen). Um diesen komplexen Defekten zu begegnen, setzen wir Hyaluronsäure gezielt in verschiedenen Ebenen ein – sowohl subkutan als auch in der retikulären und papillären Dermis.
Diese Injektionen dienen nicht nur dazu, das Gewebe mechanisch aufzupolstern, sondern sie sollten zusätzlich auch einen regenerativen Effekt auslösen. Da Fibroblasten über spezifische Hyaluronsäure-Rezeptoren verfügen, kann die gezielte Platzierung des Materials die Zellen stimulieren. Auf diese Weise versuchen wir, die biologische Antwort des Körpers zu aktivieren und die Haut von innen heraus zu restrukturieren“.
Wie lässt sich die Laserbehandlung in dieses Konzept integrieren?
Dr. Laubach: „Die Lasertherapie, insbesondere die Behandlungen basierend auf dem Konzept der fraktionierten Photothermolyse, sollte als langfristiger Prozess verstanden werden. Die dadurch induzierte Fibroblasten-Stimulation und die damit einhergehende Restrukturierung der Haut wirken über Monate nach. Dabei ist es entscheidend zu erkennen, dass es keine Standardlösung für alle Patienten gibt. Wir sehen eine enorme Variabilität, die maßgeblich vom genetischen Hintergrund und dem individuellen Hauttyp beeinflusst wird. Gerade bei dunkleren Hauttypen müssen wir beispielsweise völlig andere Parameter wählen als bei sehr hellen Hauttypen, um sicher und effektiv zu arbeiten.
Das Ziel sollte eine adaptierte Lasertherapie sein. Es reicht nicht aus, ein Gerät zu besitzen und jeden Akne-Patienten nach demselben Schema zu behandeln. Das wäre zu kurz gegriffen. Für die Kollegen in der Praxis bedeutet das: Es lohnt sich, zunächst das biologische Umfeld in und unter der Haut optimal vorzubereiten – etwa durch die zuvor beschriebene Volumenarbeit und Matrix-Optimierung. Erst wenn das Fundament stimmt, kann die Laserbehandlung ihr Potenzial voll entfalten. So schaffen wir es, weg von der ‚Gießkannen-Medizin‘ hin zu maßgeschneiderten Ergebnissen für die einzelnen Patienten zu kommen“.
Welche Rolle spielt die individuelle ärztliche Expertise vor dem Hintergrund immer neuer therapeutischer Möglichkeiten und Gerätschaften?
Dr. Laubach: „Rückblickend auf die letzten 20 Jahre hat die ästhetische Medizin enorme Fortschritte gemacht. Die Etablierung von Hyaluronsäure und Botulinumtoxin hat das Fachgebiet regelrecht revolutioniert. Wir sind heute in der Lage, Gesichter über 15 Jahre und länger auf einem sehr stabilen ästhetischen Niveau zu halten. Auch bei komplexen Indikationen wie Aknenarben erzielen wir durch moderne Kombinationsbehandlungen hervorragende Langzeitergebnisse. Der entscheidende Faktor bleibt jedoch die Individualisierung. Ich sage meinen Patienten oft: ‚Wir haben hunderte Möglichkeiten – die Kunst liegt darin, das für den Einzelnen passende Konzept zu finden‘.
Die Therapie sollte nicht nur wissenschaftlich fundiert sein, sondern auch zum Lebensentwurf passen. Ein Politiker kann sich keine einwöchige Ausfallzeit mit Rötungen erlauben; ein anderer Patient nimmt diese für ein intensiveres Ergebnis vielleicht gerne in Kauf. Hier sehe ich eine kritische Entwicklung bei großen Anbietern, die eher aus kommerziellen Gründen ‚auch‘ Lasermedizin anbieten. Dort wird oft ein Standardgerät angeschafft und nach einem starren Schema behandelt. Das mag zwar funktionieren, aber das Ergebnis erreicht selten das Niveau, mit dem ein anspruchsvoller Patient zufrieden wäre. Hinzu kommt: Die Therapie von Aknenarben ist hochkomplex und detailreich.
Interessanterweise nutzen Patienten heute zunehmend digitale Algorithmen und Vorab-Informationen, bevor sie in die Praxis kommen. Sie entwickeln ein feines Gespür dafür, dass echte Qualität in der individuellen ärztlichen Beratung und der langjährigen Erfahrung liegt, statt in einer Standardbehandlung ‚von der Stange‘“.
Die weitreichenden Informationsmöglichkeiten, etwa über soziale Medien, bewerten Sie also keineswegs als rein negativ?
Dr. Laubach: „Ganz im Gegenteil. Ein gut informierter Patient ist oft ein Gewinn für die Beratung. Wenn das Verständnis für die biologische Komplexität bereits vorhanden ist, sinkt mein Argumentationsbedarf erheblich. Es wird nachvollziehbar, warum eine Behandlung bei einem Experten mit entsprechender Erfahrung und technischer Ausstattung einen anderen Stellenwert hat als ein Standardangebot. Ein tiefergehendes Verständnis beim Patienten führt nicht nur zu einer besseren klinischen Effizienz durch die Befolgung der medizinischen Ratschläge, z. B. bei der Nachversorgung, sondern schärft auch den Blick für das Wesentliche: das Management von Nebenwirkungen.
In der Ästhetik sollte die Sicherheit an oberster Stelle stehen. Wir sollten uns jedoch ehrlich machen! Wir betreiben hier Medizin, keine Wellness. Wo eine Wirkung erzielt wird, gibt es potenziell auch Nebenwirkungen. Diese lassen sich nie zu 100 % ausschließen. Wer ein garantiertes Ergebnis ohne jegliches Risiko sucht, dem müsste man fast raten, lieber eine Tasse Kaffee zu trinken – auch das ist in gewisser Weise gut für die Gesundheit. In der ästhetischen Medizin hingegen ist es die Aufgabe des erfahrenen Arztes, dieses Risiko durch Expertise und Präzision auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Diese differenzierte Sichtweise wird von modernen Patienten heute zunehmend geschätzt“.
In der klassischen Dermatologie akzeptieren Patienten Nebenwirkungen oft eher als in der Ästhetik. Wie erleben Sie die Aufklärung in einem Marketingumfeld, das gerne eine „perfekte Oberfläche“ verspricht?
Dr. Laubach: „Das ist durchaus ein wunder Punkt. Im ‚System Ästhetik‘ kann eine ehrliche Aufklärung über Risiken schnell Nebensache werden. Hier stehen wir als Ärzte in der Pflicht. Viele Patienten sind überrascht, wenn ich in der Praxis detailliert über mögliche Komplikationen spreche. Hier können digitale Algorithmen und KI-gestützte Informationen durchaus hilfreich sein, da sie oft aktueller sind als statische Broschüren – auch wenn man wissen muss, dass diese Datenflut im Netz stark von Marketinginteressen oder sogar gezielten Falschinformationen beeinflusst wird. Ein Algorithmus unterscheidet nicht zwischen Wahrheit und gut platziertem Content. Denken wir zum Beispiel an die als wissenschaftliche Publikationen getarnte Fehlinformationen, die z.B. von verschiedenen Interessensgruppen ins Netz gebracht werden.
Aber ich bin überzeugt: Am Ende ersetzt nichts den seriösen Behandler vor Ort. Ich erlebe immer wieder Patienten, die für vermeintlich günstige Eingriffe ins Ausland reisen und dann mit schweren Komplikationen zu mir kommen. In solchen Momenten muss man als Arzt auch eine gewisse Klarheit fordern: Wer sich für einen Eingriff entscheidet, sollte bereit sein, die Verantwortung für diese Entscheidung mitzutragen – das schließt das Bewusstsein für Risiken ein. Medizinische Ästhetik ist kein reines Konsumgut, sondern ein vertrauensvoller Prozess. Man sollte sich einen Arzt suchen, dessen ästhetische Handschrift man teilt. Wenn mir das Ergebnis bei anderen Patienten dieses Arztes nicht gefällt, bin ich dort falsch. Jeder Arzt hat seine eigene Philosophie und seine Grenzen – ich zum Beispiel lehne Behandlungen ab, die nicht meinem Verständnis von natürlicher Ästhetik entsprechen. Das gehört für mich zur ärztlichen Integrität“.
Haben Sie zum Abschluss noch einen konkreten Tipp aus der Praxis?
Dr. Laubach: „Ein fundamentales Verständnis der Anatomie auf makroskopischer und mikroskopischer Ebene ist für die Behandlung von Aknenarben unabdingbar. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Hautdicke je nach Areal zwischen 0,5 mm und 2 mm variiert. Wer diese Dimensionen nicht visualisieren und die Nadeltiefe nicht präzise darauf abstimmen kann, wird kaum optimale Ergebnisse erzielen. Besonders komplex ist die Grenzzone zwischen Dermis und Subkutis – das ist keine glatte Linie, sondern eine gewellte Struktur, bei der Fettgewebstaschen in die Lederhaut hineinreichen. In meiner Praxis weiche ich oft vom Standard ab: Während ich subkutan meist mit der Kanüle arbeite, nutze ich intrakutan extrem feine Nadeln.
Das erlaubt mir eine deutlich höhere Präzision bei der Behandlung sehr oberflächlicher Defekte. Ein weiterer spannender Aspekt ist die Kombinationstherapie mit dem Laser. Hyaluronsäure besitzt teilweise anti-inflammatorische Eigenschaften, was uns potenziell sogar hilft, die Entzündungsreaktion nach einer Laserbehandlung zu kontrollieren. Das ist besonders bei Patienten mit Neigung zu Pigmentstörungen oder Melasma wichtig, da wir die Melanozyten so wenig wie möglich durch die akut induzierte Inflammatorische Antwort stimulieren wollen.
Zudem bietet der Laser eine Lösung für ein typisches Problem: Wenn man oberflächliche Narben unterspritzt, kann sich das Hyaluron-Gel manchmal leicht in das umliegende Gewebe ausbreiten und kleine Erhebungen bilden. Eine Hyaluronidase-Injektion wäre hier in vielen Fällen zu grob und könnte zu viel vom gerade aufgebauten Volumen wieder entfernen. Die anschließende Laserbehandlung kann hingegen die oberflächlichen Hautschichten so gezielt aktivieren, dass körpereigene Enzyme das überschüssige Material gezielt ganz natürlich ‚ausnivellieren‘. So nutzen wir die Biologie, um das ästhetische Ergebnis fein zu justieren, ohne den Gesamterfolg zu gefährden“.
Lieber Herr Dr. Laubach, herzlichen Dank für das Gespräch und die spannenden Praxisbezüge!
Das Interview führte Sabine Mack
Über den Experten

© privat
Dr. Hans-Joachim Laubach vereint als international renommierter Dermatologe universitäre Spitzenforschung mit langjähriger Ästhetik-Expertise. Während seiner fünfjährigen Forschungszeit an der Harvard University leistete er Pionierarbeit bei der Etablierung fraktionierter Lasertechniken im Team des Lichtmedizin-Visionärs Rox Anderson. Heute transferiert er dieses Know-how als Leiter der Lasermedizin an den Universitätskliniken Genf (HUG) und in seiner modernen Straßburger Privatklinik direkt in die Patientenversorgung. Sein tiefes fachliches Engagement, unter anderem in EADV-Task Force Laser und ästhetik, macht ihn zu einen spannenden Taktgeber in der modernen Lasermedizin. Als „Grenzgänger“ verbindet er das Beste aus den medizinischen Traditionen Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz zu einem ganzheitlichen Behandlungsansatz, der neben den Herausforderungen der klassischen Dermatologie auch die Besonderheiten der ästhetischen Medizin berücksichtigt.



